Havanna/Washington. Das US-Wissenschaftsmagazin Science hat in einem Artikel beschrieben, wie Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen in Kuba mit langen Stromausfällen und Versorgungsengpässen kämpfen. Seit fast einem Vierteljahr dauern die Ölblockade und die militärische Bedrohung durch die US-Regierung an, was zu viel Leid bei den Menschen in Kuba führe. Gesellschaftliche Lebensbereiche sowie Produktion und Landwirtschaft würden lahmgelegt. Eine Verbesserung der Situation sei notwendig, auch für Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen.
In der Fachzeitschrift Science der Amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft werden die Herausforderungen beschrieben, zugleich aber auch festgestellt, dass kubanische Wissenschaftler für ihren Einfallsreichtum in schwierigen Zeiten bekannt sind.
Als Beispiel berichtet der Artikel, dass trotz der über Jahre hinweg verschärften wirtschaftlichen Probleme Kubas am Zentrum für Molekulare Immunologie (CIM) in Havanna weiterhin monoklonale Antikörper und rekombinante Proteine entwickelt und produziert wurden. Kalet León Monzón und seine Kollegen griffen demnach auf Lösungen zurück, wie die Umrüstung alter Geräte und andere "unkonventionelle Wege" des Reagenzienimports. Allerdings sei der Forschungs- und Entwicklungsleiter des CIM mehrere Monate nach Beginn der faktischen Ölblockade durch die USA am Ende seiner Kräfte. So lähmen und unterbrechen die langanhaltenden Stromausfälle und ein zusammengebrochenes Transportsystem die komplizierte und anstrengende Arbeit. León Monzón war zuletzt gezwungen, acht der zehn laufenden klinischen Studien des CIM zu unterbrechen: "Wir hatten keine andere Wahl, als Prioritäten zu setzen."
"Es gibt Bestrebungen, alles, was Kuba in Bildung und Wissenschaft erreicht hat, zu zerstören und uns in die Steinzeit zurückzuwerfen", sagt Mitchell Valdés Sosa, Direktor des Kubanischen Neurowissenschaftlichen Zentrums, dem Magazin Science. Kubas Wissenschaft sei ein Opfer der völker- und menschenrechtswidrigen Blockadepolitik der Trump-Regierung.
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Langandauernde landesweite Stromausfälle von 20 Stunden oder mehr pro Tag zwingen Ärzte zur Priorisierung der Patientenversorgung und gefährden Menschenleben. Im großen Hermanos-Ameijeiras-Krankenhaus in Havanna werden beispielsweise die komplexesten neurochirurgischen Fälle des Landes behandelt. Dazu sagt der dort tätige Neurochirurg Marlon Manuel Ortiz Machín: "Operationen dürfen nicht unterbrochen werden; es ist manchmal die letzte Chance für einen Patienten." Dennoch wurde er bei komplizierten Operationen schon "im Dunkeln gelassen". "Man kann nur beten, bis der Generator wieder läuft."
Gail Reed, eine Expertin der US-NGO MEDICC, die letzte Woche in Havanna zu Besuch war, befürchtet, dass Kubas Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch steht. "Den Krankenhäusern gehen die Vorräte aus. Es ist herzzerreißend und unerträglich", sagt sie. Während Trumps erster Amtszeit verschärften die USA die Sanktionen. "Einige Unternehmen, die uns 50 Jahre lang beliefert haben, mussten die Zusammenarbeit mit uns einstellen", sagt Vicente Verez Bencomo, Leiter der Impfstoffabteilung am Finlay-Institut.
Da die Fluggesellschaften auf der Insel nicht mehr tanken können, haben sie viele Flüge gestrichen. "So haben wir unsere Impfstoffe exportiert", sagt Verez Bencomo. Einige Lieferungen laufen weiterhin über Routen, die er aus Angst vor einem Eingreifen der US-Behörden nicht nennen wollte. "Jedes Mal, wenn wir eine Lösung für ein Problem finden, wird sie nach ein, zwei Wochen wieder blockiert", sagt Valdés Sosa. Trotz der düsteren Lage halten die wichtigsten Labore ihre wissenschaftliche Arbeit aufrecht. Viele haben Solaranlagen installiert, um Notstromaggregate zu ergänzen und den Betrieb ihrer Geräte zu gewährleisten. Um die Treibstoffrationierung zu bewältigen, "nutzen wir die Lehren aus der COVID-Pandemie und lassen die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten", sagt Valdés Sosa. Finlay hat für Mitarbeiter mit langen Arbeitswegen E-Bikes angeschafft.
Das CIM führt unterdessen eine Studie mit 400 Patienten für NeuroEPO plus durch, ein potenzielles Medikament gegen Alzheimer. In einer klinischen Studie in Kuba verbesserte es die kognitiven Funktionen bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit, wie das Team 2023 in der Fachzeitschrift "Alzheimer's Research & Therapy" berichtete. Die Ärzte und Forscher hoffen sehr auf Hilfe aus anderen Ländern.

