Santiago/Buenos Aires/Quito. Peter Thiel, der deutsch-amerikanische Geschäftsführer des US-Konzerns Palantir, versucht jetzt auch in Chile Fuß zu fassen. Anfang Mai traf sich Thiel mit dem chilenischen Präsidenten José Antonio Kast sowie mit dem ultrarechten und libertären Ex-Abgeordneten und Präsidentschaftskandidaten Johannes Kaiser von der National-libertären Partei (Partido Nacional Libertario) und José Piñera, der für die Privatisierung des chilenischen Rentensystems unter Augusto Pinochets Militärdiktatur verantwortlich war.
Thiels Konzern Palantir arbeitet bereits in vielen Ländern stark mit Militär und Geheimdiensten zusammen. Da Chiles Regierung öffentliche Sicherheit und 'irreguläre Migration' jüngst zu Notfällen erklärt hat, wird erwartet, dass das Land möglicherweise neben den USA und Israel eine Zusammenarbeit mit Thiels Unternehmen aufnehmen wird. In den USA arbeitet Palantir eng mit ICE, der dortigen Immigrationsbehörde, zusammen, um Abschiebungen im großen Maßstab zu ermöglichen. Kast hatte vergangene Woche ein umstrittenes Gesetz für Meldedaten für Migranten vorgelegt (amerika21 berichtete).
Chile ist nicht das erste lateinamerikanische Land, in dem Palantir versucht, Fuß zu fassen: Bereits 2025 schloss der ecuadorianische Zoll einen Vertrag mit der Firma ab. Im April dieses Jahres kam es zu zwei Geheimtreffen zwischen Argentiniens Präsident Javier Milei und Thiel, während gleichzeitig Journalisten vom Zugang zum Präsidentenpalast ausgeschlossen wurden (amerika21 berichtete). Kurz darauf kaufte Thiel ein Haus für zwölf Millionen US-Dollar in einem exklusiven Viertel von Buenos Aires.
Da die Tagesordnungen und Ergebnisse dieser Treffen nicht öffentlich sind, hat die Opposition bereits entsprechende Anfragen an den Kongress gestellt, bislang allerdings ohne Erfolg. Der argentinische Wissenschaftler Ariel Garbarz erklärte zum Besuch von Thiel gegenüber der Zeitung junge Welt: "Palantir ist nicht hier, um Excel-Tabellen zu erstellen. Es kommt, um Macht über die Daten dieser Gesellschaft zu erlangen."
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Die Oppositionsabgeordneten verwiesen in ihrer Anfrage auf das im letzten Jahr verabschiedete Dekret, das die Befugnisse des Geheimdienstes SIDE erweitert und dessen Kontrolle abbaut, was zusammen ein attraktives Geschäftsfeld für Palantirs Dienste bietet.
Ähnlich zurückhaltend in der Öffentlichkeit zeigen sich Thiel und die chilenische Regierung. Das Treffen zwischen Kast und Thiel stand nicht auf der Tagesordnung und wurde nicht mit der Presse geteilt. Als Reaktion reichte Gonzalo Winter der linken Frente Amplio ein Schreiben an den Präsidenten ein und kritisierte, das Kast sich "heimlich, hinter dem Rücken der Öffentlichkeit, mit einem Tech-Oligarchen, der beschuldigt wird, Bürger durch Verträge mit Regierungen zu überwachen" traf.
Der ultarechte Politiker Kaiser erklärte, dass Thiel in Chile daran interessiert sei, in den Bergbau zu investieren und dessen Interesse an Südamerika daher rühre, dass "Europa nicht mehr zu retten sei".

