IWF und Weltbank sagen Hilfe für Venezuela nach Erdbeben zu

Interimsregierung kündigt Unterstützung von IWF und Weltbank an. Nach den Rettungsarbeiten rückt der Neuaufbau in den Fokus

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Der IWF berichtete im April über die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Venezuela
Der IWF berichtete im April über die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Venezuela

Caracas. Laut der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez wird der Internationale Währungsfonds (IWF) Hilfen und Kredite in Höhe von 200 Millionen US-Dollar für den Wiederaufbau nach den Erdbeben vom 24. Juni bereitstellen. Das Geld solle in einen eigens dafür eingerichteten Fonds fließen. Auch die Weltbank habe Hilfe angeboten. Bei der Lateinamerikanischen Entwicklungsbank werde zudem ein Konto für internationale Spenden eingerichtet.

"Wir haben uns heute mit dem US-Außenministerium und dem Internationalen Währungsfonds getroffen, um Finanzmittel für den Wiederaufbau der Infrastruktur zu aktivieren", erklärte die Interimspräsidentin vor der Presse. Mit IWF und Weltbank hatte Venezuela im vergangenen April nach sieben Jahren wieder Beziehungen aufgenommen (amerika21 berichtete). Vorangegangen war infolge der Entführung von Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar eine von der US-Regierung forcierte wirtschaftliche Öffnung.

Mit den Ankündigungen richtet sich der Blick nach Abschluss der Rettungsarbeiten zunehmend auf den Wiederaufbau. Laut offiziellen Angaben waren 2.954 Todesopfer bestätigt, mehr als 16.600 Menschen wurden verletzt. Die tatsächlichen Opferzahlen dürften höher liegen. Über 30.000 Menschen gelten noch immer als vermisst. Gemäß ersten Angaben des Parlaments seien bei den Beben insgesamt 855 Gebäude zerstört worden, davon 189 komplett. Zehntausende weitere Häuser, Straßen, Brücken und Krankenhäuser wurden laut Schätzungen beschädigt.

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Venezuela ist nach der jahrelangen Krise für die Reaktivierung der Wirtschaft und des Erdölsektors ohnehin bereits auf hohe Investitionen angewiesen und benötigt für den Wiederaufbau nun weitere Milliardensummen. Das Regionalbüro für Amerika und die Karibik des Büros der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (UNDRR) beziffert die direkten Sachschäden auf 37 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 24 Milliarden US-Dollar auf Schäden an Gebäuden und 13 Milliarden auf kritische Infrastruktur wie Wasser- und Energieversorgung, Straßen oder Flughäfen. Diese Zahlen liegen deutlich höher als erste Schätzungen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDO) und privater Analysefirmen, die von circa zwischen fünf und zehn Milliarden US-Dollar ausgingen.

Die US-Regierung hatte zunächst 300 Millionen US-Dollar an Hilfen zugesagt und eine temporäre Aussetzung der Sanktionen beschlossen, die in den vergangenen Jahren einen Anteil an der Verschärfung der Wirtschaftskrise hatten. Linke Basisorganisationen fordern eine dauerhafte Aufhebung der von ihnen so bezeichneten "einseitigen Zwangsmaßnahmen". Zudem befürchten sie, die USA könnten die Katastrophe dazu nutzen, über die Nothilfe hinaus mit Militär in Venezuela zu bleiben. Nach dem Erdbeben hatten die USA 900 Soldaten nach Venezuela entsandt