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13.09.2014 Argentinien / Venezuela / Medien

Die Geierfonds und die Medien

Wie Hedgefonds und Medienunternehmen versuchen, sich der Ressourcen in Argentinien und Venezuela zu bemächtigen
Aram Aharonian, uruguayischer Journalist und Hochschullehrer, Mitbegründer von Telesur, Direktor des uruguayischen Observatorio en Comunicación y Democracia

Aram Aharonian, uruguayischer Journalist und Hochschullehrer, Mitbegründer von Telesur, Direktor des uruguayischen Observatorio en Comunicación y Democracia

Im nördlichen und südlichen Süden schrillen immer noch die Alarmglocken. Im aktuellen Jahr 2014 sind die Anstrengungen zur Destabilisierung der Regierungen von Venezuela und Argentinien noch einmal verstärkt worden. Dabei handelt es sich um Erfahrungen, die sich in jedem anderen lateinamerikanischen Land wiederholen könnten, auf dessen natürliche Ressourcen die Zentralmächte Appetit verspüren. Attackiert wird dabei von zwei Seiten: Im Falle Argentiniens gilt der Angriff dem Finanzsektor, während in Venezuela die Bereiche Soziales, Wirtschaft und Militär betroffen sind.

Die wachsende und gemeinschaftliche Beteiligung der in Kartellen zusammengeschlossenen nationalen und ausländischen Kommunikationsmedien bei der Vorbereitung und der Entwicklung der destabilisierenden Kriege und Pläne, die von den USA angeführt und von deren Territorium ausgeführt werden, hat diese Medien zu den eigentlichen militärischen Gefechtseinheiten gemacht. Während man vor 40 Jahren zur Umsetzung eines imperialen Projekts noch eine Militärinvasion oder eine De-facto-Regierung benötigte, ist das heutige Kriegsszenario eher symbolischer Natur. Heute ist es völlig ausreichend, die Hegemonialmedien zu kontrollieren.

Der berühmte Gründer von Inter Press Service, Robert Savio, erinnert daran, dass im Jahr 1981 das Konzept der internationalen Beziehungen geändert wurde. Damals begann die Präsidentschaft von Ronald Reagan in den USA, der bei seinen Anstrengungen von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher unterstützt wurde. Bis dahin basierte das Konzept auf der Idee einer internationalen Kooperation. Nun wertete Reagan die Ökobewegung ab, in dem er erklärte: "Bäume verursachen mehr Luftverschmutzung als Autos".

Er senkte die Steuern für die Reichen, was er damit rechtfertigte, dass er meinte, dass die Reichen den "Reichtum erst schafften, zum Nutzen der Armen". Thatcher ergänzte dies mit der Aussage: "… die Gesellschaft ist einzigartig. Sie besteht aus Männern und Frauen, allesamt Individuen".

Von da an sank die Bedeutung der UNO und der Idee einer internationalen Entwicklung und Solidarität. Sie wurde ersetzt durch die Losung "Handel statt Hilfe". Der Washington Consensus, der für ein Zurückfahren des Wohlfahrtsstaates und eine nur auf das Nötigste reduzierte öffentliche Hand eintrat, wurde weltweit von der Weltbank, dem Internationalen Währungsfond (IWF) und der US-Regierung unterstützt.

Ein globales Spektakel für die Fernsehzuschauer

Im Zuge des ersten Golfkrieges 1991 gelang es dem Pentagon, diesen Konflikt zu einem globalen Spektakel für die große Masse der Fernsehzuschauer zu machen. Dafür wurden Lügen, Halbwahrheiten und Verfälschungen verbreitet, nur um Jahre nach deren Verbreitung feststellen zu müssen, dass diese Falschaussagen zur einzig gültigen Wahrheit, zur einzig gültigen Nachricht und zum einzig gültigen Bilddokument geworden waren.

Zu Zeiten des Falkland-Konflikts im Südatlantik im Jahr 1982 herrschte in Großbritannien eine rigide Pressezensur und es gab nur eine einzige offizielle Wahrheit. Dies waren Erfahrungen, die später als Blaupause für Länder wie Granada, Somalia, Irak, Afghanistan und vielen andere Regionen dienten. Sie bedrohten in den letzten Jahren die progressive Regierungen mit Destabilisierung und Staatsstreichen. Für die Einen waren diese Aktionen eher medialer, für Andere eher sanfter Natur. Jedoch für unsere Völker waren es immer harte Erfahrungen.

Mit dem Mauerfall kam die Globalisierung und mit ihr die entsprechenden Resultate: das Vermögen der 300 reichsten Menschen der Welt entspricht dem Vermögen von 3 Milliarden Menschen. In den vergangenen fünf Jahren ging drei Viertel (75 Prozent) des gesamten Reichtums an das eine Prozent der Menschen, die bereits unvorstellbar reich sind.

Dieser Wertewandel führte dazu, dass heute die Pro-Kopf-Ausgaben für Werbung höher sind als die Ausgaben für Bildung. Er führt dazu, dass die politischen Institutionen ihre Visionen und ihre Ideologien verloren und sich stattdessen einem Pragmatismus (Utilitarismus) verschrieben haben, an dem die Menschen immer weniger teilhaben. Darüber hinaus hat der Wertewandel dazu geführt, dass sich weltweit der Finanzsektor des Produktionssektors bemächtigt hat: Eine Billion Dollar werden täglich im Produktionssektor umgesetzt, 40 Billionen Dollar mit Finanztransaktionen. Heute gibt es Anhänger einer "neuen Wirtschaft", die in ihrem Konzept strukturelle Arbeitslosigkeit als eine Notwendigkeit ansehen.

Venezuela

Ähnlich wie während des Staatsstreiches und der nachfolgenden Öl-Sabotage im Jahr 2002 übernahm auch im Jahr 2014 die Front der lateinamerikanischen und weltweiten Rechten, einschließlich der Regierung der USA und einiger Staaten der EU, die aktive Führung bei den medialen Attacken gegen Venezuela. Einem Land, das über die weltweit größten Vorkommen von Kohlenwasserstoffen verfügt. Die internationalen Unternehmen und die venezolanische Bourgeoisie zielen auf die gleiche Beute ab: Sie wollen sich die staatlichen Erdöl-Einnahmen sichern, die dieser Staat (teilweise) in soziale Teilhabe investiert.

Die Antwort von Seiten der venezolanischen Regierung auf diese terroristischen Medienattacken fiel reaktiv, nicht proaktiv, planvoll und informativ aus. Sie basierte auf Klarstellungen (typisch für Zeiten des Widerstandes und nicht des Aufbaus) und auf der Sorge um die passive Solidarität. Es waren Botschaften voller Losungen, Anforderungen (die niemand liest, die aber andere auf der Nordhalbkugel in ihrer Datenbasis archivieren), Wehklagen,…., Fortschrittfeindlichkeit.

Das Fehlen von tatsächlichen Informationen, die (für alle) geeignet und aufrufbar sind, erleichtert es der Rechten, imaginäre Kollektive zu etablieren. Sie tut dies über Medien (Radio, Fest- und Mobilnetz, Fernsehen, Tageszeitungen, Zeitschriften), die kartellartig hinter einer einzigen in ausländischen Werkstätten hergestellten Einheitsnachricht stehen.

Das Angriffspotential und das Waffenarsenal medialen Terrors lehrt einen das Fürchten: Der Verlagsgruppe Andiarios1 umfasst 53 Zeitungen in Kolumbien, die Grupo Diarios de América (GDA)2 setzt sich zusammen aus elf Tageszeitungen des südamerikanischen Kontinents und die Gruppe Periódicos Asociados Latinoamericanos vereint 18 Verlagsgruppen in elf Ländern der Region. Es ist im Grunde die gesamte rechte Medienartillerie, bereit zum koordinierten Angriff als Verbundkartell, ergänzt um die jeweiligen nationalen Netzwerke.

"Wir sind dabei, Politik zu machen"

Nora Sanín, die Leiterin von Andiarios und verantwortlich für diese Medienkampagne, erklärte gegenüber der kolumbianischen Zeitschrift Semana unumwunden: "Wir sind dabei, Politik zu machen. Und das ist auch gut so, denn unser eigentliches Ideal ist die Verteidigung eines universellen Rechts: des Rechts auf Meinungsfreiheit."

Die großen kommerziellen Kommunikationsmedien haben die Meinungsfreiheit konfisziert und sie genaugenommen gefangen genommen, um sie als Geisel nutzen zu können. Angesichts dieser Macht sind die Individuen wertlos. Die Medien sind so despotisch und erbarmungslos geworden, wie dies niemals unter irgendeinem unbedeutenden König oder Diktator möglich war. Wenn sie anklagen und verurteilen, können sie dafür nirgends zur Rechenschaft gezogen werden.

Es gibt weitere Begleiterscheinungen. Zum einen gibt es Druck nicht nur von Seiten der erwartbaren Kräfte, die auf eine neoliberale Restauration abzielen, sondern (auch) von Seiten der europäischen, insbesondere der französischen, sowie aus der lateinamerikanischen Sozialdemokratie. Diese drängt darauf, "den Wahnsinn" eines sozialistischen Weges zu verlassen. Zweitens gibt es Druck auf die Vatikandiplomatie, eine führende Rolle im Dialog zwischen den sich gegenüberstehenden gesellschaftlichen Bereichen zu übernehmen. Dies hat Empörung auf Seiten verschiedener sozialer Bewegungen in der Region ausgelöst.

Die mit dem Sturz der Regierung von Präsident Nicolás Maduro beauftragten think tanks und Werbeagenturen initiierten mit Unterstützung ultrarechter NGOs wie Optor eine Fotokampagne, auf deren Bildern Oppositionsgruppen das Wort SOS formten. Nach ihrer Erprobung in Venezuela kann diese Kampagne als Blaupause für jedes andere Land in der Region dienen, genauso wie der mediale Staatsstreich von 2002 in Ländern wie Bolivien, Ecuador, Honduras und Paraguay ein Remake erfahren konnte.

Die Kampagnen wurden durch die großen transnationalen Informationssender breit gestreut: durch CNN und Fox News in den USA, die Tageszeitungen El País, ABC und La Vanguardia in Spanien sowie durch die GDA-Mitglieder in unserer Region. Sie ist das Werkzeug zur medialen Festigung eines erfundenen Kollektivs der Gewalt, der Konfrontation und der Regierungsunfähigkeit. Gleichzeitig versucht sie Verdruss, Unruhe und Beklemmung in der Bevölkerung zu säen.

Der mediale Terrorismus gegen Venezuela ist international geworden. Er vereint ein Kartell bestehend aus 87 Zeitungen der Sociedad Interamerciana de Prensa (SIP)3 und den fünf weltweit tätigen medialen Megamonopolen mit ihrer "einzig gültigen Wahrheit" voller Manipulationen und Falschdarstellungen. Es dient kaum als Vorlage für ein anderes Land in der Region. Zur Erklärung: In Venezuela sind derzeit 2896 Medien tätig. 2.332 (65,18 Prozent) von ihnen sind in privater Hand, nur knapp 3,22 Prozent aller Medien sind als regierungsnah zu bezeichnen. Die übrigen Medien sind dem gemeinschaftlich-alternativen Sektor zuzurechnen.

Es reicht, die Medien zu kontrollieren

Vor 40 Jahren waren in Lateinamerika Streitkräfte nötig, um mit Hilfe des Terrors ein bestimmtes politisches, wirtschaftliches und soziales Modell zu implementieren. Heutzutage sind dafür weder Bajonette noch Panzer notwendig: Es ist völlig ausreichend, die Medien zu kontrollieren. Es ist ein Krieg der Symbole, der deutlich effektiver ist als eine militärische Offensive. Es ist die permanente Beschallung mit Lügen, Manipulationen und gleichförmigen, sich immer wiederholenden Botschaften und Bildern, die sich langsam aber sicher als kollektiver Eindruck festsetzen. Dies erleichtert die Wiedereinführung neoliberaler Modelle.

Es ist ein symbolischer "Plan Condor".4 Sind wir vorbereitet, uns diesem entgegenzustellen oder reicht es uns, diesen lediglich öffentlich zu verurteilen?

Argentinien

Die Geschichte scheint sich im südlichen Süden zu wiederholen. Das Red de Observatorios Universitarios de Medios de Argentina hat deutlich gemacht, wie das Zeitungskonglomerat, angeführt von den Mediengruppen Clarín und La Nación5 versucht, ein Klima von Angst und Unsicherheit zu schaffen. Dabei werden sie flankiert von Heerscharen an Informationen, die alle auf eine wirtschaftliche und soziale Destabilisierung abzielen. Diese Nachrichten sind abhängig von diesen beiden Mediengruppen.

Das Netzwerk warnt vor einer von den stark konzentrierten und in Kartellen operierenden Mediengruppen erdachten Entfaltungsstrategie, mit der die Regierung diskreditiert und die notwendigen und unabdingbaren Voraussetzungen für eine soziale Manipulation geschaffen werden sollen. Damit solle ein auf die Wirtschaft oder die Märkte abzielender Staatsstreich gegen die Institutionen und die Verfassung durchgeführt werden. Das Netzwerk weist darauf hin, dass "die Gesellschaft aufmerksam gegenüber Vorkommnissen sein solle, die auf einen unerwarteten und gewagten Angriff der konservativsten und mit vielen Privilegien ausgestatteten Gruppierungen hinauslaufen könnten. Ein Angriff durch jene Gruppierungen, die in der Geschichte schon oft den Rechtsstaat verletzt haben".

Finanzielle Erpressung ohne Beispiel

Heute sieht sich Argentinien erneut mit einer finanziellen Erpressung ohne Beispiel konfrontiert. Die Spekulanten, die Schuldscheine in Höhe von 48 Millionen US-Dollar gekauft hatten, haben in New York ein Urteil erwirkt, dass ihnen Rückzahlungen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar zusichert. Dieser Betrug zeigt erneut, wie der aktuelle Kapitalismus funktioniert, ein System, das unseren Ländern immer größeres Leiden bringt. Die Aasgeier machen sich auf den Weg, den gleichen Raub zu wiederholen, den sie schon anderweitig, wie z.B. in Peru, erfolgreich begangen haben. So bedrohen sie die gesamte Region.

Auch wenn dieses Szenario derzeit Argentinien betrifft, so wird doch jegliche Staatsschuld den Krallen dieser Greifvögel überlassen. Im Jahr 2014 beläuft sich die Staatsverschuldung der USA auf 104 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), im Falle Spaniens auf 93 Prozent, in Italien auf 132 Prozent, in Portugal auf 129 Prozent und in Deutschland auf 78 Prozent. Sie beläuft sich im Falle Griechenlands auf 175 Prozent des BIP, auf 123 Prozent im Fall von Irland und auf 90 Prozent in Großbritannien.

Der Präzedenzfall dieses Rechtsentscheids reicht deutlich über den aktuellen Schaden für Argentinien hinaus und setzt jegliche zukünftige Neustrukturierung einer Staatsverschuldung einem hohen Risiko aus. Wenn man das Griesa-Urteil nun mit Blick auf Europa anwendet: "Welche Beweggründe hätten die Gläubiger, einen Schuldenerlass oder eine Verlängerung der Zahlungsfrist zu akzeptieren, wenn eine Hand voll Spekulanten letztendlich über die Gerichte den tatsächlichen Betrag zurückerhalten? Auf der anderen Seite schmälert die Umsetzung dieses Urteils die Rechtssicherheit und das Ansehen von New York als Finanzplatz.

Niemanden hat es verwundert, dass die auf Vormachtstellung abzielenden argentinischen Medien die Informationen und Meinungen genutzt haben, um sich auf die Seite der Gläubiger zu schlagen. Damit haben sie in diesem Konflikt die Position ihres eigenen Landes, Argentiniens, beleidigt und lächerlich gemacht. Gleichzeitig haben sie andere Informationen, beispielsweise bezüglich der Solidaritätsadressen von Seiten aller lateinamerikanischer und karibischer Staaten, von Seiten der Gruppe der 77, von über 120 Schwellenländern und aus China sowie aus den BRICS-Staaten heruntergespielt oder zurückgehalten.

Sie haben darauf gesetzt, vor dem Hintergrund eines "unausweichlichen" Run auf Banken und Wechselstuben und dem Embargo staatlicher Ölaktien, in der Bevölkerung Beklemmung zu schüren…

Journalismus als Spiegelbild unserer Zeit

Das eigentliche Problem ist, dass der Journalismus nur noch ein Spiegelbild unserer Zeit geworden ist. Er hat sich von jeglicher sozialer Funktion zurückgezogen und beschränkt sich auf die reine Versorgung mit Informationen, ähnlich wie bei der Belieferung mit Waren. Unsere Zeiten sind geprägt durch den Neoliberalismus und die eigentlich schlechten Angewohnheiten, wie Habsucht und Individualismus, sind zu Tugenden geworden, die von Hollywood aus durch die Gleichförmigkeit der Kommunikationsmedien verherrlicht werden.

Das Konzept des medialen Terrorismus erscheint nicht übertrieben, wenn man es mit einer Verflechtung politischer, wirtschaftlicher, sozialer und psychologischer Strategien verbindet, die allesamt versuchen, fiktive Realitäten und Kollektivängste zu schaffen. Gleichzeitig zielen sie darauf ab, Lügen in Wahrheiten zu wandeln, um so die Gesellschaft in Bezug auf den jeweiligen Konflikt oder Feind manipulieren zu können.

Die sogenannte "schwarze Propaganda" ist nichts anderes als der Aufbau einiger Namen, Geschichten, Kategorien und Bilder, die die Geschehnisse mit dem Ziel ordnen, das Gegenüber zu zerstören. Laut Florencia Saintout, Dekanin für Kommunikation an der argentinischen Universität von La Plata, schafft es dieser Prozess, die Wahrheit zu verschleiern und diesbezüglich zu lügen. Sie äußerte sich entsprechend in der argentinischen Tageszeitung Página 126.

In Erwartung des ersten wichtigen Richterspruchs durch den New Yorker Richters Thomas Griesa verbreiteten die Hedgefonds ("Geierfonds") in den Medien erneut die Lesart, dass Argentinien nach dem 30. Juli in einen Zahlungsausfall geraten könnte. Gleichzeitig lenkten sie ihren Blick auf die unbezifferbaren Energieressourcen, über die Argentinien in der Region Vaca Muerta, im Süden des Landes, verfügt7.

Die American Task Force Argentina (AFTA), der zentrale Hedgefonds im Konflikt mit Argentinien, veröffentlichte eine zweite Zahlungsankündigung in den argentinischen Tageszeitungen Clarín, La Nación und El Cronista. In dieser fasst er seine Position gegenüber Argentinien zusammen. In ihrem Kommuniqué behaupteten die Fonds, dass Argentinien "am Rande eines Default" stehe, dass es "eine Katastrophe" wäre, wenn dieser Default einträte und machten gleichzeitig "die Führungsriege" des Landes für diese Situation verantwortlich, da diese "sich nicht an den Verhandlungstisch setze".

Geschäftsessen im Hotel Hyatt

Darüber hinaus trafen sich die Experten der American Task Force Argentina, Robert Shapiro und Nancy Soderberg mit Journalisten der argentinischen Zeitungen La Nación, Clarín, Perfil und Infobae. Es war ein langersehntes Treffen, bei dem die Journalisten mit einem "Geschäftsessen" im Hotel Palacio Duhau Park Hyatt Buenos Aires, im prestigeträchtigen Stadtviertel Recoleta, fürstlich bewirtet wurden.

Auf internationaler Ebene bewirkte kürzlich ein im "Investor Business Daily" veröffentlichter Artikel von Bernard Weinstein ein großes Echo. Weinstein ist Wirtschaftswissenschaftler am George W. Bush Institut und erbitterter Verfechter einer Liberalisierung8 des Energiemarktes und des Frackings.

Unter der Überschrift "Argentinien: am Rande eines Defaults"9 legt Weinstein ohne Euphemismus dar, dass Argentinien über eines der weltweit größten noch ungenutzten Erdölvorkommen verfügt. Er beziffert den Wert dieser Vorkommen auf 250 Milliarden US-Dollar. Wenn es aber zu einer Zahlungseinstellung komme, dann könnten die mit Unternehmen aus der Kohlenwasserstoffbranche, wie beispielsweise Chevron, kürzlich geschlossenen Verträge in Höhe von 1,6 Milliarden für dieses Jahr und für zukünftig bis zu 15 Milliarden ebenfalls wertlos werden. "Ähnlich wie das Unternehmen Chevron könnten andere ausländische Investoren abwarten oder deutlich günstigere Bedingungen für ihre Beteiligung verlangen", so der konservative Experte.

Weinstein lehnte offen den Wiederaufbau der staatlichen Erdölgesellschaft YPF ab. Demgegenüber schlug er in anderen Veröffentlichungen vor, Verstaatlichungen in Zukunft gesetzlich zu verbieten und gleichzeitig Verträge mit ausländischen Unternehmen mit einer Laufzeit von mindestens 50 Jahren zu versehen. So würden diese Unternehmen vor potentiellen, von der argentinischen Regierung verhängten Embargos geschützt.

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios betonte der argentinische Wirtschaftswissenschaftler und Professor Agustín D’Attellis, dass das Ziel der Hedgefonds und AFTA klar sei: "Sie zielen ab auf das Gebiet Vaca Muerta und schüren Ängste mit der Möglichkeit eines technischen Defaults." Der Experte ergänzte gegenüber der Presse, dass es darum gehe, ein apokalyptisches Szenario zu erschaffen, um vor dessen Hintergrund private Geschäfte abwickeln zu können. Denn darüber hinaus würden sowohl die Fonds wie auch dieser Wirtschaftswissenschaftler all denjenigen, die es hören wollten, zurufen, wie wichtig beispielsweise eine Deregulierung der Energiemärkte sei.

Unanfechtbare Aussagen und Glaubenssätze

Oft behandeln die Medien die Lösungsansätze bestimmter Wirtschaftswissenschaftler als unanfechtbare Aussage bzw. als Glaubenssätze, ohne darüber zu informieren, welchen Interessen diese entsprechen. Dies ist der Fall von Claudio Loser, ehemaliger IWF-Funktionär und Lobbyist des Instituts für den Interamerikanischen Dialog. Diese Organisation vertritt die US-Interessen in Lateinamerika. Loser berät die Hedgfonds und arbeitet mit diesen zusammen gegen die Interessen seines eigenen Landes. Im argentinischen Fernsehen unterstrich Loser, dass die Party (in Argentinien) zu Ende und nun der Moment der Wahrheit gekommen sei. Es werde keine einfache Lösung geben, eine Art "geordnete Anpassung" sei notwendig.

Argentinien veröffentlichte eine Zahlungsankündigung in der einflussreichsten französischen Tageszeitung Le Monde, ähnlich wie zuvor in den wichtigsten Zeitungen der USA (The Wall Street Journal), Großbritanniens (The Times und die Financial Times), Deutschlands (FAZ) und in Spanien (El País).

Ohne große Probleme kanzeln die Medien ab, verfälschen, verdrehen und lügen sogar in Bezug auf das, was in Argentinien und Venezuela passiert. Die gleichen nach Hegemonialmacht strebenden Medien können darüber entscheiden, dass es keine Nachricht wert ist, dass die internationalen Großbanken wegen betrügerischer Tätigkeiten zu Geldstrafen von Hunderten von Millionen US-Dollar verurteilt worden sind und gleichzeitig weiter operieren, als sei nichts geschehen. Gleichzeitig sind die genannten Großbanken wichtige Werbekunden ihrer Publikationen.

Jeden Monat werden die Banken wegen betrügerischer Aktivitäten mit Strafen in Höhe von vielen Millionen US-Dollar belegt. Aber dies hat keinen Nachrichtenwert für die Hegemonialmedien, von denen viele im Besitz der besagten Banken sind. Um die Banken zu retten, haben die Europäer einige tausend Dollar pro Einwohner ausgegeben. Im Jahr 2012 waren allein in Spanien die Ausgaben zur Bankenrettung höher als die jährlichen Ausgaben für die Bereiche Bildung und Gesundheit.

Diese in Kartellen organisierten Medien erkennen auch nicht die tatsächliche Tragweite dessen, dass die gleichen betrügerischen Privatbanken und Finanzgruppen hinter verschlossener Tür natürlich öffentliche Unterstützung in Höhe von vielen Millionen erhalten, bezeichnet mit dem euphemistischen Begriff "Rettungspaket”.

Deutlich wird, dass der Wille fehlt, auch nur eines der globalen Probleme zu lösen: von der Umweltverschmutzung bis zum weltweiten Hunger, von der nuklearen Abrüstung bis zur Immigration oder der Kontrolle der Kapitaltransfers in Steuerparadiese. In diesen Steuerparadiesen liegt zehnmal so viel Geld, wie nötig wäre, um die Probleme der Welt, wie den Hunger, die Gesundheitsfürsorge und die fehlende Bildung zu lösen.

  • 1. ANDIARIOS: Der kolumbianische Verband der Verlage von Tageszeitungen und Informationsmedien (Asociación Colombiana de Editores de Diarios y Medios Informativos) ist eine gemeinnützige Organisation. Sie wurde am 15. September 1961 von den einflussreichsten und einnahmestärksten Zeitungsunternehmen des Landes gegründet. Seit ihrer rechtlichen Anerkennung im Jahr 1962 hat die Institution eine immer aktivere Rolle in der nationalen Zeitungslandschaft übernommen. (Anm. d.Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 2. GDA: Der Zusammenschluss "Gruppe Amerikanischer Tageszeitungen" (Grupo de Diarios América) ist eine Gruppierung bestehend aus verschiedenen nationalen Tageszeitungen und Zeitungsunternehmen Lateinamerikas. Gründungsjahr ist das Jahr 1991. Derzeit umfasst der Zusammenschluss elf Zeitungen: La Nación (Argentina), O Globo (Brasilien), El Mercurio (Chile), El Tiempo (Kolumbien), La Nación (Costa Rica), El Comercio (Ekuador), El Universal (Mexiko), El Comercio (Peru), El Nuevo Día (Puerto Rico), El País (Uruguay) und El Nacional (Venezuela). (Anm. d.Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 3. Die Sociedad Interamericana de Prensa (SIP) ist ein Verband von Eigentümern und Unternehmern, Herausgebern und Leitern von Tageszeitungen, Zeitungen und Nachrichtenagenturen in Amerika. Die Mitglieder von SIP repräsentieren mehr als 1300 Geschäfte im Bereich Kommunikation, wie z.B. Zeitungen und Zeitschriften. Der Verband wurde 1943 in Havanna als Ergebnis der Ständigen Kommission des 2. Panamerikanischen Journalistenkongresses in Mexiko City im Jahr e1942 gegründet. Er beherbergt eine breite Palette von Preisträgern und verleiht jedes Jahr den Preis für Pressefreiheit "Premio SIP a la Libertad de Prensa”. Nach Aussage der offiziellen Website gehören zu den Verbandszielen u.a. die Verteidigung der Pressefreiheit, der Würde und der Rechte der Journalisten sowie die Förderung eines stärkeren Informationsaustausches innerhalb der Gesellschaft. (Anm. d.Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 4. Mit "Plan Cóndor" (Condor-Plan) wird der Plan einer koordinierten Aktion zwischen den diktatorischen Führungszirkeln in der Region Cono Sur in Südamerika (Chile, Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und zeitweise auch Peru, Kolumbien, Venezuela, Ecuador) und der CIA und den USA bezeichnet. Die Aktionen wurden in den 1970er und 80er Jahren durchgeführt und bestanden vornehmlich aus der gewaltsamen Verfolgung und Unterdrückung linksgerichteter oppositioneller Personen und Gruppierungen. (Anm. d.Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 5. La Nación und El Clarín sind die auflagenstärksten Tageszeitungen in Argentinien. (Anm. d. Ü.)
  • 6. Página 12 ist eine überregionale argentinische Tageszeitung, die in Buenos Aires herausgegeben wird. Ihr Stil wird oft mit dem New Journalism verglichen, politisch steht die Zeitung eher im linken politischen Spektrum. (Anm. d. Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 7. In Patagonien (Argentinien) sind im vergangenen Jahren in der Vaca Muerta-Formation ein großes Vorkommen von Ölschiefer erbohrt worden, das zu den größten Lagerstätten zählt, die in den letzten drei Jahrzehnten entdeckt wurden. (Anm. d.Ü., www.wikipedia.es.org)
  • 8. Im spanischen Original steht "liberación", die direkte Übersetzung ist "Befreiung". Vermutlich ist aber eher "Liberalisierung" (span.: liberalización) gemeint, möglicherweise liegt ein Druckfehler vor. (Anm. d. Ü.)
  • 9. Originaltitel: "Argentina: al borde de un default"
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