70 Jahre nach Bretton Woods: Entsteht eine neue Weltordnung?

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Der Kubanische Journalist Randy Alonso Falcón, Leiter des Internetportals Cubadebate und der TV-Sendung "Mesa Redonda"
Der Kubanische Journalist Randy Alonso Falcón, Leiter des Internetportals Cubadebate und der TV-Sendung "Mesa Redonda"

Die BRICS-Gruppe hat Fortaleza gewählt, um ihre Muskeln zu zeigen. In der brasilianischen Stadt mit dem kraftvollen Namen wurde der weitreichendste Schritt der Gruppe in den wenigen Jahren ihres Bestehens getan: die Schaffung der Neuen Entwicklungsbank und eines Reservefonds in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar.

"Wir haben eine historische Entscheidung getroffen, die BRICS-Bank und die Vereinbarung über den Reservefonds zu schaffen, die ein wichtiger Beitrag zur Neukonfiguration des Systems der internationalen Wirtschaftssteuerung sind", sagte Dilma Rousseff.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma betonte, dies sei "ein bleibendes Vermächtnis, welches das Panorama der Weltwirtschaft und der gesamten sich entwickelnden Welt zum Besseren verändern wird."

Was geschehen ist, ist Ergebnis der zunehmenden wirtschaftlichen Macht der Mitglieder der Gruppe: China (zwei) Indien (drei), Russland (sechs) und Brasilien (sieben) sind unter den zehn größten Volkswirtschaften der Welt. Südafrika ist auf Platz 25 dieser Liste. Jeder von ihnen hat eine Führungsposition auf seinem Kontinent und jetzt, gemeinsam, fangen sie an, Wege zu finden, um ihren Rang auf der internationalen Bühne zur Geltung zu bringen.

Nach Jahrzehnten der US-Hegemonie, sekundiert von Europa und Japan, sind die neuen aufstrebenden Mächte darauf aus, Schritt für Schritt diese tyrannische Herrschaft zu brechen. Es sind jetzt schon mehr Akteure, welche die Figuren in dem komplizierten universellen geopolitischen Schachspiel bewegen.

China und Russland sind die treibende Kraft. Das erste mit seinem ungestümen wirtschaftlichen Aufstieg und seiner Dynamik in Investitionen und Handel für die Welt. Das zweite mit einer aktiven Außenpolitik, die diesem Land einen Teil des politischen Gewichts der Vergangenheit wieder zurückbringt. Die jüngsten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Vereinbarungen zwischen Peking und Moskau, darunter ein Milliarden-Vertrag für den Verkauf von Erdgas und der Ausschluss des US-Dollar aus dem gegenseitigen Handel, festigen die Führung dieses Duos.

Indien bringt seine ökonomische Kraft und seinen riesigen Markt ein, Südafrika nimmt die Führung eines Afrikas ein, das nach Chancen dürstet.

Brasilien vertritt die lateinamerikanische Stärke in dieser Gruppe. Anführer einer Region mit reichlich Rohstoffen und natürlichen Ressourcen, mit emanzipatorischen Projekten, die in ihrem Inneren pochen, und begierig, sich der Welt zu öffnen – nach einer langen Geschichte der unanständigen Unterwerfung unter das Imperium, das aus dem Norden herrschte.

Das Gipfeltreffen hat dazu gedient, diese Beziehungen zwischen den BRICS- und den südamerikanischen Nationen (die größten Volkswirtschaften in der Region) zu stärken. Ein Bündnis, das mittel- und langfristig größte Früchte bringen wird. Und das Washington überhaupt nicht erfreut.

Ebenso wenig behagt ihm die wachsende chinesische Präsenz in der Region. China ist bereits der zweitgrößte Handelspartner Lateinamerikas und der wichtigste für Brasilien und strebt die weitere Verstärkung dieser Beziehungen mit dem ehemaligen nordamerikanischen "Hinterhof" an. Investitionen von 35 Milliarden US-Dollar wurden von Peking angeboten. Die jüngste Zusammenkunft zwischen China und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) ist ein solides Fundament, um diese Straße zu errichten. Die Tatsache, dass – über die politische und ideologische Unterschiedlichkeit der Regierungen in der Region hinaus – das erste bilaterale Austauschforum der Celac mit der asiatischen Nation durchgeführt wurde, sagt viel.

Xi Jinping stärkt diese Bindungen mit seinen offiziellen Besuchen in Brasilien, Argentinien, Venezuela und Kuba. Dutzende von Abkommen in wirtschaftlichen, kommerziellen, wissenschaftlichen, technologischen, pädagogischen, kulturellen und anderen Bereichen wurden in diesen Tagen unterzeichnet. Symbolische politische Gesten waren festzustellen, wie die chinesische Unterstützung für Buenos Aires angesichts der Angriffe von US-Hedgefonds.

Die globale Finanzarchitektur, die heute, vor genau 70 Jahren, am 22. Juli 1944 in Bretton Woods geformt wurde, zerbricht. Ihre Speerspitzen, der IWF, die Weltbank und die Dominanz des US-Dollars, erleiden eine Glaubwürdigkeitskrise. Die politische und ideologische Vorherrschaft, geschmiedet im Konsens von Washington, stürzt ebenfalls ein.

Viele Hindernisse sind auf dem Weg der Alternativen noch zu überwinden: der Druck der Akteure der alten Herrschaftsform, die Ungleichheiten und latente Unterschiede zwischen den Schwellenländern, die sichtbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Aber der Wunsch nach Veränderung in der heutigen Welt liegt in der Luft. Und es gibt Akteure, die bereit sind, sie durchzusetzen.

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