Kriegsverbrechen: Frauen in Guatemala brechen ihr Schweigen

Guatemala-Stadt. Ende September haben erstmals in der guatemaltekischen Geschichte 15 indigene Frauen vor Gericht über die sexuellen Verbrechen ausgesagt, die im Bürgerkrieg systematisch und massiv gegen sie verübt wurden. Angeklagt sind 37 Militärs unterschiedlichen Ranges.

Es ist ein Präzedenzfall in der die Suche nach einer Form der Bestrafung der Verantwortlichen für Delikte, die als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten. Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen wurde instrumentalisiert und während der "Aufarbeitung“ und im Zusammenhang mit der Wiedergutmachung bislang gänzlich ignoriert.

Der Fall der Frauen der Volksgruppe der Q’echiaus den Verwaltungsbezirken Alta Verazpaz und Izabal ist auch ein Beispiel für den Kampf der Betroffenen gegen Schweigen und Straflosigkeit. Die aktuelle Gerichtsverhandlung ist der Beginn eines Prozesses, in dessen Verlauf sie den durchlebten Horror erzählen. Juristisch begleitet und über Jahre auf diesen Prozess vorbereitet wurden die Frauen von der feministischen Organisation "Mujeres Transformando el Mundo“. Am Prozess selber wurden sie von vier Psychologinnen und drei Übesetzerinnen begleitet.

Es ist weltweit das erste Mal, dass ein solcher Fall vor einem nationalen Gericht behandelt wird. Alle bisherigen Fälle wurden von internationalen Gerichtshöfen bearbeitet. Die Frauen, die als Zeuginnen auftreten, stammen aus Gemeinden in der Nähe der "Franja Transversal del Norte“. Während des Krieges wurde die Gegend auf Wunsch der Großgrundbesitzer vom Militär besetzt. Die Armee installierte in den Fincas ihre Kasernen mit Folterzentren und geheimen Friedhöfen. In mehreren Fällen wurden "Vergnügungszentren“ für die Soldaten eingerichtet: Zwischen 1982 und 1986 wurden die Frauen aus den Dörfern in der Umgebung, nachdem ihre Männer umgebracht und ihre Häuser zerstört worden sind, in diese Kasernen gebracht und als Haus- und Sexsklavinnen missbraucht, oft über mehrere Jahre. Überlebten sie die Tortur, waren sie danach gesellschaftlicher Stigmatisierung und Marginalisierung ausgesetzt.

In der Region herrscht heute ein Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Interessen transnationaler Unternehmen im Bereich der Öl- und Bergbauförderung sowie der Monokultur-Plantagen und der lokalen Bevölkerung, die solchen Projekten weichen soll.

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