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Kolumbianisches Militär agierte in Venezuela

Wikileaks und Lateinamerika: Depeschen der US-Botschaft in Bogota bestätigen kolumbianische Militär- und Geheimdienstoperationen in Venezuela

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Auch in Venezuela im Einsatz? Einheit der kolumbianischen Nationalpolizei bei einer Militärparade am 20 Juli 2010
Auch in Venezuela im Einsatz? Einheit der kolumbianischen Nationalpolizei bei einer Militärparade am 20 Juli 2010

Bogotá. Nach Einschätzungen des ehemaligen US-Botschafters in Bogotá, William B. Wood, operierte eine 100 Mann starke Anti-Guerillaeinheit

der kolumbianischen Armee dauerhaft im venezolanischen Bundesstaat Zulia. Das geht aus einer im April 2005 verfassten Botschaftsdepesche hervor, welche die kolumbianische Wochenzeitung La Semana in Zusammenarbeit mit Wikileaks vergangene Woche veröffentlichte.

Spezialeinheiten des kolumbianischen Geheimdienstes hätten bei der Verfolgung von 30 mutmaßlichen Mitgliedern der Guerilla dabei auch venezolanische Polizeieinheiten korrumpiert. Die Festnahme des FARC-Führers Juan José Martínez auf venezolanischem Territorium sei unter dem Kommando kolumbianischer Militäreinheiten verlaufen. Sie habe dafür venezolanische Sicherheitsbehörden mit 20 Millionen Peso (etwa 7.500 Euro) "geölt", heißt es in Absatz 12 der teilweise zensierten Depesche.

Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange betonte währenddessen in einem Interview mit der kolumbianischen Wochenzeitung Semana das besondere Interesse an den US-Botschaftsdepeschen aus Kolumbien. Die Beziehungen der USA zu ihrem wichtigsten Verbündeten in der Region würden Rückschlüsse auf die gesamte Lateinamerikapolitik Washingtons erlauben, so Assange gegenüber La Semana. In diesem Zusammenhang erwähnte er vor allem den aus den Geheimdokumenten hervorgehenden Einfluss von wirtschaftlichen Interessen der US-amerikanischen Rüstungsindustrie auf dem südlichen Subkontinent. US-amerikanische Rüstungsverkäufer würden das Konfliktszenario in Kolumbien "ausnutzen und aufblasen" und dabei die kolumbianische Demokratie gefährden, so Assange.

In einer weiteren von La Semana veröffentlichten Depesche aus dem Jahr 2008 berichtet die US-Botschaft in Bogotá ausführlich über Militärabkommen Kolumbiens mit israelischen Sicherheitsfirmen. So habe es besonders 2005 und 2006 eine "große Frustration unter höheren Militärführern hinsichtlich der schlechten Erfolgsrate beim Töten und Festnehmen von High Value Targets" gegeben. Daraufhin habe das kolumbianische Verteidigungsministerium unter Führung des heutigen Präsidenten Santos israelische Militärausbilder und Berater angeheuert, heißt es in der Depesche. Unter anderem wurde dabei die Sicherheitsfirma Global Comprehensive Security Transformation (Global CST) als strategischer Beratungspartner des kolumbianischen Verteidigungsministeriums mit der Ausarbeitung von Strategien der Guerillabekämpfung beauftragt. Diese beinhalten auch die "Evaluierung externer Gefahren einschließlich Venezuela und Ecuador". Der ehemalige "Director of Operations" der israelischen Streitkräfte (IDF), Major Gen Yisrael Ziv, sei dabei auch als persönlicher Berater des Verteidigungsministers Santos tätig gewesen. Das kolumbianische Verteidigungsministerium bezeichnete die gemeinsam entwickelten Strategien als "strategischen Sprung".

Wikileaks hatte in den vergangenen Wochen einen Fokus auf die Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen aus lateinamerikanischen Ländern gelegt. Neben La Semana und El Espectador in Kolumbien, sind dabei die costaricanische Tageszeitung La Nación und die argentinische Página/12 exklusive Medienpartner.

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