Montevideo. In Montevideo hat am Montag, 11. August, an öffentlichen Schulen kein Unterricht stattgefunden. Die Gewerkschaft der Lehrenden Uruguays (Ademu) rief wegen einer Attacke eines Elternteils auf eine Lehrkraft am Freitag zuvor zu einem 24-stündigen Streik auf. In den vergangenen Jahren verzeichnete das Land einen Anstieg von Angriffen auf das Lehrpersonal, worauf die Gewerkschaft regelmäßig mit Streiks reagierte. Zuletzt erstattete eine Lehrkraft im März Anzeige gegen die Mutter eines Schülers.
Laut der Generalsekretärin des Ademu, Paola López, sind Lehrkräfte in Uruguay seit 2014 häufiger Opfer von Aggressionen durch Eltern. Als Aggression gelten neben physischer Gewalt auch Beleidigungen, Drohungen und das Unter-Druck-Setzen auf institutionellem Weg durch Beschwerden. López sieht in der zunehmenden Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung und konstatiert auch eine sozial-edukative Dimension. Körperliche Übergriffe gehen demnach häufiger von Eltern aus, die selbst Gewalterfahrungen gemacht haben und mit den Abläufen im Schulsystem wenig vertraut sind.
Nach Angaben des am Frente Amplio beteiligten Movimiento de Participación Popular (MPP) hat Uruguay eines der fortschrittlichsten Bildungssysteme Lateinamerikas. Seit 1876 ist öffentliche Bildung von der Vorschule bis zur Universität kostenlos, was dem Land eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Region eingebracht hat. Freier Zugang gilt als wesentlicher Beitrag zur Sicherstellung von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Dieser Stellenwert zeigt sich auch im Streikrecht für Lehrkräfte. Dennoch kritisiert López eine Vernachlässigung durch die zuständigen Behörden, die beispielsweise keine Finanzmittel für Wachpersonal bereitstellen.
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Aggressionen gegen Lehrende beschränken sich nicht auf den Klassenraum oder das Schulgelände. Das Problem betrifft zudem nicht nur Uruguay. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Privatleben und Schule nimmt in ganz Südamerika auch die Bedeutung von Cybermobbing zu. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Revista de Investigación Educativa – Niveles sind hiervon zunehmend auch Lehrkräfte betroffen, was sich negativ auf das Bildungssystem insgesamt auswirkt.
In Argentinien, Chile und Kolumbien gibt es bereits konkrete Gesetzgebungen, um auf Cybergewalt zu reagieren. In Uruguay wurde 2017 das Gesetz 19.580 über geschlechtsspezifische Gewalt erlassen, das zwar nicht speziell für diesen Kontext gedacht ist, aber auch in Fällen digitaler Gewalt angewendet werden kann.

