Chile / Menschenrechte

Chile: Dokumente aus Archiv der Colonia Dignidad freigegeben

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Margarita Romero, eine Sprecherin des Bündnisses "Mesa de Trabajo Colonia Dignidad"
Margarita Romero, eine Sprecherin des Bündnisses "Mesa de Trabajo Colonia Dignidad"

Santiago de Chile. 407 Dokumente aus dem bislang unter Verschluss gehaltenen Archiv der Colonia Dignidad in Chile wurden an Angehörige von Opfern übergeben. Die Deutschensiedlung war während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973-90) einer der zentralen Haft- und Mordstätten der chilenischen Geheimpolizei DINA. Viele Diktaturgegner wurden dort gefoltert, mehr als hundert "verschwanden".

Sonderrichter Jorge Zepeda übergab die 407 Dossiers über Personen, die von Zeugen an verschiedenen Orten erkannt wurden, bevor sie verschwanden oder getötet wurden. Laut Zepeda werde das Archiv der Colonia Dignidad, das derzeit entsprechend dem Geheimdienstgesetz als "geheim" eingestuft ist, im Zuge laufender Prozesse geöffnet.

Die Familien der Opfer sowie Menschenrechtsorganisationen begrüßten diesen Schritt. Die jetzt übergebenen Dokumente seien jedoch nur ein Bruchteil, sagte Margarita Romero, eine Sprecherin des Bündnisses "Mesa de Trabajo Colonia Dignidad". Alle rund 39.000 beschlagnahmten Dokumente müssten freigegeben werden. "Wir sind davon überzeugt, dass wir in diesen Aufzeichnungen Informationen finden könnten, die es uns ermöglichen, das Schicksal der Verschwundenen aufzuklären", so Romero. Mitglieder des Bündnisses hatten Anfang Februar bei Zepeda vorgesprochen, ihm Listen mit den Namen von über 400 Verschwundenen übergeben und die Öffnung des Archivs gefordert.

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