Informationsaustausch zu Operation Condor vereinbart

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Die Präsidentinnen Brasiliens und Chiles, Dilma Rousseff und Michelle Bachelet vergangene Woche in São Paulo
Die Präsidentinnen Brasiliens und Chiles, Dilma Rousseff und Michelle Bachelet vergangene Woche in São Paulo

São Paulo. Die Präsidentinnen Chiles und Brasiliens, Michelle Bachelet und Dilma Rousseff, haben sich auf eine engere Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung der Militärdiktaturen beider Länder geeinigt. Ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten sie bei einem Treffen vergangene Woche.

Während der Diktaturen in Brasilien (1964-1985) und in Chile (1973-1990) arbeiteten die Geheimdienste beider Länder im Rahmen der sogenannten Operation Condor zusammen - einer von den USA angeleiteten Geheimdienstoperation mehrerer lateinamerikanischer Regierungen mit dem Ziel, linke und andere oppositionelle Kräfte zu verfolgen und auszuschalten.

In beiden Ländern gibt es Dokumente über die Kooperation der Geheimdienste der Militärregime und das Verschwinden politischer Oppositioneller. So sagten beispielsweise chilenische Diplomaten gegenüber der spanischen Presseagentur EFE, dass sie Daten über Brasilianer hätten, die im Zuge des chilenischen Militärputsches am 11. September 1973 entführt wurden. Das Abkommen zum Informationsaustausch ermöglicht nun der Nationalen Wahrheitskommission Brasiliens, die seit November 2011 die Verbrechen während der Militärdiktatur untersucht, auf diese Daten zuzugreifen.

In Chile wurden offiziell 40.018 Opfer der Diktatur anerkannt, darunter 3.065 Tote und Verschwundene. In Brasilien spricht das Sekretariat für Menschenrechte von 475 Toten. Die Dunkelziffern sollen weit höher liegen.

Erst kürzlich hat in Chile der Richter Miguel Velázquez 51 ehemalige Agenten der Geheimpolizei DINA der Pinochet-Diktatur für das Verschwinden von Reinalda del Carmen Pereira angeklagt. Carmen Pereira war Mitglied der Kommunistischen Partei und wurde am 15. Dezember 1976 entführt, als sie in Santiago de Chile auf einen Bus wartete. Die 29-Jährige, die zu dem Zeitpunkt schwanger war, wurde in ein Geheimgefängnis der DINA gebracht und danach nie mehr gesehen.

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