Uruguay / Menschenrechte

Sechs Guantánamo-Häftlinge in Uruguay

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Uruguay hat sechs Guantánamo-Insassen aufgenommen
Uruguay hat sechs Guantánamo-Insassen aufgenommen

Montevideo. Am vergangenen Sonntag sind sechs Guantánamo-Häftlinge in Uruguay angekommen. Das Pentagon hatte nach einer Überprüfung beschlossen, vier Syrer, einen Palästinenser und einen Tunesier aus dem US-amerikanischen Gefangenenlager auf Kuba zu entlassen und nach Uruguay ausreisen zu lassen. Präsident José Mujica hatte im März dieses Jahres verkündet, dass sein Land Guantanamo-Häftlinge aufnehmen wolle.

Laut Pentagon handelt es sich um die Syrer Ahmed Adnan Ahjam, Ali Hussain Shaabaan, Jihad Ahmed Mujstafa Diyab und Abd al Hadi Omar Mahmoud Faraj, den Palästinenser Abdul Bin Mohammed Abis Ourgy und den Tunesier Mohammed Tahamatan. Alle sechs wurden seit dem Jahr 2002 ohne juristischen Prozess in dem Lager festgehalten. In Uruguay werden sie als Flüchtlinge aufgenommen. "Die Vereinigten Staaten sind der Regierung Uruguays dankbar dafür, dass sie die USA dabei unterstützen, die Inhaftierungsanlage in Guantanamo Bay zu schließen", heißt es in der Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums.

Uruguay ist damit das zweite Land Lateinamerikas, das Guantánamo-Gefangene aufnimmt. El Salvador hatte im Jahr 2012 zwei Insassen aufgenommen.

Bei der geheim gehaltenen Ankunft wurden die freigelassenen Häftlinge unter anderem vom Staatssekretär im Außenministerium, Luis Porto, empfangen. Fünf von ihnen sollen direkt nach dem Empfang zu einem Gesundheitscheck in das Militärgefängnis gebracht worden sein, einer wurde wegen seines schwachen Gesundheitszustandes nach einem Hungerstreik in ein Krankenhaus in Montevideo gebracht.

Laut dem Verteidigungsminister des südamerikanischen Landes, Eleuterio Fernández Huidobro, haben die sechs Ex-Gefangenen den Wunsch geäußert, in Uruguay zu bleiben. Der nächste Schritt sei, dass sie eine Arbeit aufnehmen. Zudem müssten ihre Familien ausfindig gemacht und nach Uruguay gebracht werden. Huidobro, wie Präsident Mujica ehemaliger Tupamaro, der während der Diktatur in Uruguay gefoltert wurde und elf Jahre in Isolationshaft saß, sagte, dass die Sechs "frei wie ein Vogel" seien, sobald sie das Krankenhaus verlassen haben.

Der Syrer Abdelhadi Omar Fara schrieb vor seiner Ankunft einen Brief an die uruguayische Tageszeitung El Pais, in dem er seine Festnahme als 19-jähriger in Pakistan beschreibt, sich bei Präsident José Mujica für seinen "noblen Akt der Solidarität" bedankt und seine Begeisterung für die uruguayische Fußballnationalmannschaft ausdrückt.

Im Jahr 2002 richteten die USA auf dem Marinestützpunkt in Guantánamo auf Kuba ein Internierungslager für "Terrorverdächtige" ein. 779 Menschen wurden im selben Jahr in das Lager eingeliefert. US-Präsident Obama versprach im Jahr 2009 die Schließung des Lagers. Er rief die Regierung verschiedener Länder auf, den Gefangenen Asyl zu gewähren. Laut US-Verteidigungsministerium befinden sich immer noch 136 Gefangene in Guantánamo.

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