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"Verschwundener" aus El Salvador nach 32 Jahren gefunden

José Rubén Rivera (im karierten Hemd) mit seiner Familie in El Salvador

José Rubén Rivera (im karierten Hemd) mit seiner Familie in El Salvador

Arce, El Salvador. 32 Jahre nach seiner Entführung hat der Salvadorianer José Rubén Rivera seine Familie wiedergefunden. Der Mann wurde im Mai 1982 im Alter von nur drei Jahren bei einer Militäroperation verschleppt. Laut Zeugenaussagen wurde der Junge ins Hauptquartier der Fünften Brigade gebracht und später von einer regimenahen Familie adoptiert.

In El Salvador sind während des internen bewaffneten Konfliktes (1980-1991) nach Erkenntnissen der Wahrheitskommission mindestens 5.000 Menschen "verschwunden", darunter mehr als 700 Kinder. Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Jahre 1992 leugnete der Staat, das Verbrechen des gewaltsamen Verschwindenlassens und andere Delikte begangen zu haben. Die Regierung habe auch niemanden zu solchen Handlungen veranlasst, sodass keine staatliche Verantwortlichkeit bestehe.

Die Familie Rivera verklagte nach Jahren erfolgloser Suche im Jahr 2001 den salvadorianischen Staat vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte. Vier Jahre später erklärte die Kommission die Klage für zulässig und reichte sie vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte (CIDH) ein. In dem als "Contreras und andere" bekannten Fall ging es auch um die Geschwister Gregoria, Serapio Cristian, die inzwischen gefunden wurden, und Julia Inés Contreras sowie die Schwestern Ana Julia und Carmelina Mejía, die immer noch verschwunden sind.

Als Wiedergutmachungsmaßnahme für die erlittenen Menschenrechtsverletzungen der Familien wies das Gericht den Staat El Salvador am 31. August 2011 an, nach den vermissten Kindern, darunter José Rubén Rivera, zu suchen. Der Nationalen Suchkommission (CNB) gelang es schließlich, seinen Wohnort in den USA ausfindig zu machen. Nach Durchführung der genetischen Vergleichsanalyse bestätigte das Institut für Rechtsmedizin, dass "die Wahrscheinlichkeit der Elternschaft 99,9999 Prozent" betrage und damit bewiesen sei.

Bereits 2005 hatte der Gerichtshof im Fall der Schwestern Ernestina und Erlinda Serrano Cruz geurteilt, dass der salvadorianische Staat eine Nationale Suchkommission für die "verschwundenen" Kinder einrichten muss. Dies geschah jedoch erst nach dem Wahlsieg der früheren Guerillabewegung Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN) 2010. Bis dahin wurden die Familien bei der Suche nach ihren Angehörigen ausschließlich von Menschenrechtsorganisationen wie Pro Búsqueda unterstützt.

Die CNB sucht indes noch immer mehr als 129 verschwundenen Kindern. Seit Beginn ihrer Tätigkeit im September 2011 hat die Kommission zahlreiche Fälle lösen können. 18 Menschen konnten mit ihren leiblichen Familien zusammengeführt werden, bei zehn wird dies derzeit vorbereitet. 15 der verschleppten Kinder wurden tot aufgefunden.

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