Bolivien / Politik

MAS in Bolivien verliert Wahlen in größten Städten

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Mehr als sechs Millionen Bolivianer waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen
Mehr als sechs Millionen Bolivianer waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen

Sucre. Bei den Regional- und Kommunalwahlen am Sonntag in Bolivien ist die regierende "Bewegung zum Sozialismus" (MAS) als stärkste politische Kraft des Landes bestätigt worden, hat aber herbe Rückschläge erlitten. Ersten nichtamtlichen Umfragen am Wahlabend zufolge verlor die seit 2006 regierende Partei von Präsident Evo Morales die Rathäuser in den acht größten Städten, darunter erstmals in den traditionellen MAS-Hochburgen El Alto und Cochabamba.

Mehr als sechs Millionen Bolivianer waren am Sonntag zur Neuwahl von 4.975 Volksvertretern aufgerufen. In den neun Departamentos des Landes wurden neben den Präfekten die Mitglieder der Regionalparlamente gewählt. In 339 Kommunen ging es um Bürgermeisterämter sowie die Besetzung der Kommunalparlamente.

Besonders hart für die Linkspartei ist der Verlust der Präfektur im wichtigen Departamento La Paz. Hatte der Kandidat der MAS, César Cocarico, 2010 noch mit 50 Prozent der Stimmen gewonnen, brach ihre Kandidatin Felipa Huanca am Wochenende um mehr als 20 Prozent ein und musste sich dem früheren MAS-Bildungsminister Félix Patzi (52 Prozent) von der Mitte-Linkspartei "Soberanía y Libertad" geschlagen geben. Die Wahl von Soledad Chapetón (55,2 Prozent) ins Rathaus von El Alto nutzte der Chef der "Unidad Nacional" (UN), Multimillionär Doria Medina, um den "Beginn einer neuen Etappe in der politischen Geschichte unseres Landes" auszurufen.

Auf Departamento-Ebene konnte die MAS in den Hochburgen Cochabamba (60,3 Prozent), Oruro (54,5 Prozent), Potosí (56 Prozent) und Pando (65,6 Prozent) ihre Vormachtstellung verteidigen. Im Amazonas-Tiefland-Departamento Santa Cruz wurde der konservative Präfekt und Morales-Widersacher Ruben Costas (59,3 Prozent) von den "Demokraten" erwartungsgemäß im Amt bestätigt. Im erdgasreichen Tarija kam mit Adrián Oliva (46,4 Prozent) von der "Unidad Departamental Autonomista" (UDA) wie schon im Jahr 2010 ein Kandidat des rechten Lagers auf Platz Eins. In Beni und Chuquisaca wird es am 3. Mai zur Stichwahl kommen, da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielte. Gewinnt die MAS in beiden – ein erstmaliger Sieg in der dünn besiedelten Viehzuchtregion Beni gilt als sicher – hätte sie erneut in sechs von neun Departamentos das Sagen. In vielen Regionalparlamenten liegt die MAS vorn, in La Paz mit mehr als einer Zweidrittel-Mehrheit.

Auf einer ersten Pressekonferenz gratulierte Vize-Präsident Álvaro García Linera der Opposition. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass dies mit der Schwäche lokaler Führungspersönlichkeiten zu tun hat", kommentierte er Niederlagen wie in El Alto. Auch die Rathäuser von La Paz und in Cochabamba seien mangels geeigneter Anwärter verloren gegangen. "Die Bevölkerung unterscheidet zwischen der Unterstützung unseres politischen Projekts, war aber nicht mit den Kandidaten einverstanden", so Lineras erste Fehleranalyse.

Der Leiter der Wahlbeobachter-Mission der Union südamerikanischer Nationen (Unasur), Wilfredo Penco, gratulierte indes der Bevölkerung Boliviens zu dem "ausgezeichneten Wahltag", der ohne jegliche Beanstandungen und Zwischenfälle verlaufen sei.

Mit den offiziellen Ergebnissen ist Ende der Woche zu rechnen.

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