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Verantwortung von Militärs für Morde in Kolumbien belegt

Abgehörtes Telefongespräch zweier inhaftierter Soldaten über Beteiligung an "falsos positivos". Vorgesetzte sollen gedeckt werden
Demonstration in Erinnerung an die als "falsos positivos" Ermordeten in Kolumbien: "Nicht schießen! Bring mich nicht um! Ich bin kein 'falscher Richtiger'!"

Demonstration in Erinnerung an die als "falsos positivos" Ermordeten in Kolumbien: "Nicht schießen! Bring mich nicht um! Ich bin kein 'falscher Richtiger'!"

Lizenz: CC by 2.0

Bogotá. Die kolumbianische Zeitschrift "Semana" hat unlängst den Mitschnitt eines Telefongesprächs zwischen zwei Soldaten der kolumbianischen Armee veröffenticht, mit denen die Verantwortung von ranghohen Militärangehörigen für die als "falsos positivos" bekannten extralegalen Hinrichtungen belegt werden kann. Die Soldaten sind in unterschiedlichen Gefängnissen inhaftiert und planen in dem Gespräch, das im Juni aufgezeichnet wurde, wie sie Vorgesetzte decken und die Schuld an den Morden auf Paramilitärs schieben wollen.

Über die Umstände der Aufnahme ist bisher nicht viel bekannt. Der angerufene Soldat konnte als José Torres identifiziert werden. Er wurde vor fünf Jahren im Fall des Mordes an einem Bauern verurteilt, den der Soldat als Mitglied der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) ausgab. Zudem ist er in weiteren 32 Mordfällen angeklagt. "Semana" zufolge ist der Name des Anrufers bisher nicht bekannt. Klar ist lediglich, dass er ein in zwölf Fällen von "falsos positivos" angeklagter Unteroffizier ist.

Bei dem Telefonat erzählt Torres seinem ehemaligen Kollegen vom Fortgang der Gerichtsverhandlungen in seinem Fall. Er sagt, er wolle die bereits bekannten 33 Morde gestehen, um sich eine Strafreduzierung zu ermöglichen. Sein Gesprächspartner darauf: "Mich haben sie bereits, aber wenn Sie eine Aussage brauchen, denke ich mir irgendeine Scheiße aus." Der Unteroffizier bittet Torres inständig, Schweigen über die weiteren Schuldigen zu bewahren: "Wenn Sie befragt werden, sagen Sie: 'Ich weiß nichts'. Vor allem erwähnen Sie keine Namen von Obersten und auch sonst von niemand." Torres sagt daraufhin: "In Wirklichkeit wissen wir doch genau, wie wir es gemacht haben. Ich stellte die Männer hin und ihr habt sie umgebracht."

Hinterbliebene klagen die "falsos positivos"-Verbrechen an

Quelle: flickr.com
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Der Unteroffizier zeigt sich sehr darüber besorgt, dass Torres gegenüber der Staatsanwaltschaft nichts über die Rolle von ranghohen Militärs erwähne. Explizit bittet er Torres zu lügen: "Sag, es war ein Para von Chiriguaná und fertig! Der, den sie ein paar Tage danach in der Aurora begraben haben. Wir müssen behaupten, dass wir nichts damit zu tun haben. Lass uns das verabreden." Diese Aussagen werden als Beweis dafür gedeutet, dass sich Militärs gegenseitig decken und Absprachen über ihre Aussagen vor Gericht treffen.

Inzwischen reagierten Armeesprecher und sagten gegenüber "Semana", das Militär habe bereits jede erdenkliche Maßnahme zur Mithilfe bei der Aufklärung ergriffen. Schätzungen zufolge gab es von 2007 bis 2015 etwa 3.000 Festnahmen einfacher Soldaten, die in nur 815 Fällen zu Urteilen führten. Nur fünf Oberstleutnants konnten bisher verurteilt werden. Vor drei Monaten erst beschuldigte die Staatsanwaltschaft fünf weitere hochrangige Militärs.

Als "falsos positivos" sind von 2008 bis 2010 mindestens 4.500 Zivilisten, vor allem Jugendliche aus armen Vierteln, vom Militär ermordet und schließlich als angebliche Mitglieder der Guerilla ausgegeben worden. Die mit dem Gespräch exemplarisch belegte strategische gegenseitige Deckung von Militärangehörigen wird als Grund dafür angeführt, dass bisher kaum Verantwortliche in den Führungsriegen des Militärs verurteilt werden konnten.

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