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18.10.2015 Mexiko / Menschenrechte

Ermittlungsergebnisse im Fall Iguala veröffentlicht

Die veröffentlichten Ermittlungsergebnisse umfassen 85 Bände, 13 Anhänge und mehr als 54.000 Seiten

Die veröffentlichten Ermittlungsergebnisse umfassen 85 Bände, 13 Anhänge und mehr als 54.000 Seiten

Quelle: twitter.com
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Mexiko-Stadt. Ein Jahr nach dem Verschwindenlassen der 43 Lehramtsstudenten in Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero hat die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft (PGR) ihre Ermittlungsergebnisse veröffentlicht. "Das ist eine Forderung vieler Stimmen gewesen“ betonte die Generalstaatsanwältin Arely Gómez vor dem Senat. Die Veröffentlichung der insgesamt 85 Bände, 13 Anhänge und mehr als 54.000 Seiten, war der wichtigste Punkt bei der Vorstellung des Jahresberichts der PGR.

Die Akten beinhalten die von der PGR durchgeführten Ermittlungen über die zwei Polizeiangriffe auf die Gruppe von 100 Lehramtsstudenten in der Nacht zum 27. September 2014 in der Kleinstadt Iguala. Dabei wurden 43 junge Männer verschleppt, sechs Personen wurden erschossen und zwei weitere schwer verletzt.

An der Sortierung und Digitalisierung der Dokumente haben mehr als 100 Beamte über sieben Monate lang gearbeitet. Das nationale Institut für Transparenz, Informationszugang und Datenschutz war für die Prüfung der nun veröffentlichen Informationen zuständig, sagte Gómez. Die neugegründete Staatanwaltschaft für Menschenrechte werde ab jetzt den Fall übernehmen. Die Staatsanwältin kündigte außerdem die Bildung einer Arbeitsgruppe an, die die Ermittlungen in der zweiten Phase fortsetzen wird. Ein drittes Gutachten über die Müllkippe in Cocula, wo angeblich die 43 jungen Männer von einer Drogenbande verbrannt wurden, sei angefordert worden.

Der Direktor des Zentrums für Menschenrechte (Centro Prodh), Mario Patrón Sánchez,  kritisierte die Art und Weise, wie die Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse bearbeitet wurde. Es seien keine klaren Richtlinien darüber erkennbar, welche Informationen bekannt werden durften und welche nicht. "In manchen Bänden sind bestimmte Daten durchgestrichen, in anderen dagegen nicht. Es handelt sich um eine zielgerichtete Manipulation der Information". Auch die Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen der wichtigsten Beschuldigten nach ihrer Vernehmung seien nicht veröffentlicht worden, so Patrón. Einige der Festgenommenen wiesen Spuren von Misshandlungen auf.

Medienangaben zufolge sind in den 85 Bänden auch die Hinweise der Gerichtsmediziner aus Argentinien über die zahlreichen fehlerhaften Ermittlungen dokumentiert, die sie dem damaligen Generalstaatsanwalt, Jesús Murillo Karam, übergegeben hatten. Die  Forensiker, die mit den Eltern der 43 bei der Suche nach den Lehramtsstudenten zusammenarbeiten, haben im November 2014 bei der Besichtigung eines Gebiets im Bundesstaat Guerrero zwei bewaffnete Polizisten entdeckt, die sich als Sachverständige ausgegeben hatten. Weitere Unstimmigkeiten waren Beweismanipulationen in der Müllkippe in Cocula und die falsch registrierten DNA-Proben.

Inzwischen teilte die Elterngruppe mit, dass sie sich auf Grund der gravierenden falschen Ermittlungen der PGR über den Fall nicht an dem von der Behörde angeforderten dritten Gutachten über Cocula beteiligen. Sie werden die Ermittlungen der unabhängigen Expertengruppe (GIEI) der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), nach wie vor unterstützen.

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