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Heftige Debatte um Bildersturm der Rechten in Venezuela

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Anhänger der sozialistischen Regierung protestieren gegen die Entfernung der Bilder von Chávez und Bolívar
Anhänger der sozialistischen Regierung protestieren gegen die Entfernung der Bilder von Chávez und Bolívar

Caracas. Der Bildersturm der Opposition im venezolanischen Parlament sorgt für anhaltende Debatten in dem südamerikanischen Land. Nun musste sich der Chef des Oppositionsbündnisses "Tisch der Demokratischen Einheit" (MUD), Jesús Torrealba, für die Entfernung der Bilder des Ex-Präsidenten Hugo Chávez (1999-2013) und des Nationalhelden Simón Bolívar aus dem Plenarsaal der Nationalversammlung entschuldigen.

Unmittelbar nach Amtsantritt als neuer Parlamentspräsident hatte der Sozialdemokrat Henry Ramos Allup zwei Stellwände mit den Bildern von Chávez und Bolívar entfernen lassen. "Schafft dieses Zeug hier raus und bringt es nach Miraflores oder werft es in den Müll", sagte der Politiker der Partei Acción Democrática (Demokratische Aktion, AD). Kurz zuvor war die oppositionelle Mehrheit aus 109 Abgeordneten vereidigt worden.

Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro kritisierte die Entscheidung und die Art der Entfernung der Bilder umgehend. Er habe "zahlreiche empörte Anrufe" erhalten, berichtete Maduro, der Proteste von Regierungsanhängern ankündigte. Die beiden Stellwände wurden indes auf dem zentralen Bolívar-Platz im Zentrum von Caracas aufgestellt.

Inmitten einer heftigen Debatte in venezolanischen Medien kam es Ende der Woche im Sitz des Parlamentes zu einem weiteren Skandal um Ramos’ Politik. Eine Angehörige der Nationalgarde verweigerte dem Parlamentspräsidenten den Zutritt zu den Kommandoräumen der Einheit im Parlamentsgebäude. "Hier kommen Sie nicht rein", soll Oberfeldwebel Betty Romero dem Politiker entgegnet haben, als er in den Räumen der Nationalgarde Bilder von Chávez und Bolívar abhängen wollte.

Während Regierung, Armeespitze und Teile der Bevölkerung den Bildersturm teilweise mit harschen Worten kritisierten, kam auch von liberalen Medien Kritik. Ramos Allup habe offenbar eine heftige Reaktion provozieren wollen, schrieb Eleazar Diaz Rangel, der Chefredakteur der unabhängigen Tageszeitung Últimas Noticias. "Er hat sich allerdings bei der Heftigkeit der Reaktionen auf nationaler Ebene verschätzt, sowohl in Bezug auf die Antwort der Streitkräfte als auch in Bezug auf den Widerspruch in Teilen der Opposition", so Díaz Rangel weiter.

Tatsächlich musste sich die MUD-Führung Ende der Woche entschuldigen. Wenn die "Art und Weise, in der das geschehen ist, Gefühle verletzt hat", dann wolle er sich dafür "bei den Millionen Chavisten, die uns am 6. Dezember gewählt haben" entschuldigen, sagte MUD-Chef Torrealba.

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