Bolivien und Brasilien nehmen wieder Beziehungen auf

Treffen zwischen Rousseff und Morales beendet diplomatische Krise. Vereinbarungen über gemeinsame Infrastrukturprojekte und bolivianische Gasexporte

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Präsidentin Rousseff begrüßte Morales am Dienstag in Brasília
Präsidentin Rousseff begrüßte Morales am Dienstag in Brasília

Brasília. Bolivien und Brasilien haben ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Mit dem Treffen zwischen Präsident Evo Morales und Präsidentin Dilma Rousseff am 2. Februar in Brasília wurde eine zweijährige diplomatische Krise beendet.

Nach der Flucht des oppositionellen Senators Roger Pinto Molina nach Brasilien unter Mithilfe der brasilianischen Botschaft hatten die beiden Länder die bilateralen Beziehungen ausgesetzt. Pinto Molina galt als einer der separatistischen Führungsspitzen und wird in Bolivien wegen verschiedener Delikte juristisch belangt. Der von der Opposition kontrollierte brasilianische Senat hatte daraufhin zwischen 2013 und 2015 den Vorschlag von Rousseff, Raymundo Santos als neuen Botschafter in Bolivien zu berufen, blockiert. Letztlich nahm dieser im Jahr 2015 sein Amt in Bolivien auf.

Auf der Liste der präsidialen Agenda standen die Themen Energie, Handel, Infrastruktur, internationale Verbrechensbekämpfung und der Beitritt Boliviens in den Gemeinsamen Markt des Südens (Mercosur).

Die bolivianische Regierung möchte Brasilien vom geplanten Projekt einer bi-ozeanischen Zugverbindung unter Einbeziehung ihres Territoriums überzeugen. Demnach soll eine Eisenbahnlinie zwischen der brasilianischen Hafenstadt Santos am Atlantik und den peruanischen Häfen Ilo oder Matarani am Pazifik gebaut werden. Perus Präsident Ollanta Humala hat Morales bereits seine Unterstützung zugesagt. Nun bekam er auch den Rückhalt der brasilianischen Präsidentin: "Wir haben eine ökonomische und finanzielle Machbarkeitsstudie für eine bi-ozeanische Eisenbahnverbindung als Ergänzung zur transkontinentalen Eisenbahnstrecke vereinbart". Letztere ist ein bereits beschlossenes Projekt zwischen Peru und Brasilien mit chinesischer Finanzierung, ohne jedoch Bolivien einzubeziehen. Wie der bolivianische Planungsminister René Orellana mitteilte, wird eine Expertenkommission aus Brasilien vom 22. bis zum 26. Februar Bolivien besuchen, um die Arbeiten an der Studie aufzunehmen.

Ein weiteres Schlüsselthema war der Vertrag über den bolivianischen Gasexport nach Brasilien, der nach zwei Jahrzehnten im Jahr 2019 ausgelaufen wäre. Beide Präsidenten vereinbarten eine Verlängerung um weitere zwanzig Jahre bis 2039, was Bolivien einen täglichen Absatz von circa 32 Millionen Kubikmeter garantiert. Im Jahr 2015 hatten die bolivianischen Exporte einen Anteil von ungefähr 30 Prozent des brasilianischen Gasmarktes.

Gegenüber der Presse unterstrich die brasilianische Präsidentin ihre politische Unterstützung für Morales. Sie hob die Qualität der bolivianischen Demokratie hervor und lobte ihren "Freund Evo", der in den zehn Jahren als Präsident "Führungsstärke" bewiesen habe und "ökonomisches Wachstum und soziale Gerechtigkeit zu vereinbaren" verstehe.

Morales und sein Außenminister David Choquehuanca nutzten die diplomatische Reise auch, um die neue bolivianische Botschaft in Brasiliens Hauptstadt einzuweihen.

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