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Erneut Mordanschläge auf soziale Aktivisten in Honduras

Wiederholt Ziel von Mordanschlägen: Copinh-Vorsitzender Tomás Gómez

Wiederholt Ziel von Mordanschlägen: Copinh-Vorsitzender Tomás Gómez

Tegucigalpa. In Honduras sind führende Menschenrechtsaktivisten erneut nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Opfer des Angriffs mit Schusswaffen wurde der Generalkoordinator der indigenen Menschenrechtsorganisation COPINH, Tomás Gómez Membreño, sowie Alexander García Sorto, ein führender Aktivist aus der Gemeinde Llano Grande in der Region Colomoncagua. Beide blieben unverletzt.

Auf Tomás Gómez wurden Schüsse abgefeuert, als er am vergangenen Samstagabend mit dem Auto vom Sozialen Zentrum Utopía im Ort Intibucá nach Hause fuhr. Bereits am Morgen war auf das Haus von Alexander García geschossen worden, während er und seine Familie noch schliefen. Zahlreiche Einschüsse trafen die Haustür sowie das Fenster des Zimmers, in dem die Familie schlief. "Die Schüsse wurden mit der Absicht abgegeben, den Genossen Alexander und die Mitglieder seiner Familie zu töten", heißt es in einer Erklärung der COPINH.

Es war nicht das erste Mal, dass gezielt auf Alexander García geschossen wurde. Bereits am 6. Mai dieses Jahres war er nur knapp einem Mordversuch entkommen. Damals hatte der Ex-Militär Enedicto Alvarado auf García geschossen, als dieser sein Haus verließ. García erlitt dabei eine Schussverletzung an der Schulter. Er erhielt später Drohungen von der Familie Alvarados, damit er seine Anzeige zurückzieht.

Auch Tomás Gómez entgeht nicht zum ersten Mal einem Attentat. Am 8. Mai hatten Militärs versucht, sein Fahrzeug, indem er und weitere COPINH-Mitglieder reisten, von der Straße zu drängen. Gómez war nach dem Mord an der ehemaligen Vorsitzender der Organisation, Berta Cáceres, zum Generalkoordinator des COPINH gewählt worden. Obwohl es sechs Festnahmen im Mordfall Cáceres gab und auch im Zusammenhang mit der Konzession für das Wasserkraftprojekt Agua Zarca Verfahren gegen staatliche Funktionäre eröffnet wurden, nimmt die Repression gegen den COPINH zu. Die Indigenenorganisation fordert den sofortigen Stopp des Wasserkraftprojekts am Gualcarque-Fluss sowie aller weiteren Projekte, die ohne Konsultation gemäß Konvention 169 der ILO auf dem Territorium der Volksgruppe der Lenca geplant und gebaut werden. Das betrifft auch ein Wasserkraftwerk am Río Negro, gegen dessen Bau sich Alexander García Sorto zusammen mit weiteren Mitstreiter aus seiner Gemeinde einsetzt.

Die Ermittlungen im Mordfall Berta Cáceres weisen indes nach wie vor große Unregelmäßigkeiten auf. So sei bei einer Durchsuchung der Räume des Wasserkraftunternehmens DESA ein Kleidungsstück des Generalstaatsanwalts gefunden worden, teilte kürzlich der Anwalt von Cáceres' Familie mit. Ende September wurde die Ermittlungsakte im Mordfall Cáceres von Unbekannten entwendet. Die Richterin María Luisa Ramos sagte aus, dass sie die Akte hatte mit nach Hause nehmen wollen, als sie von vier bewaffneten Männern gezwungen wurde, aus ihrem Auto auszusteigen. Die Räuber nahmen das Fahrzeug mit, in dessen Kofferraum sich die Akte befand.

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