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Berufungsgericht in Chile verhängt Haft gegen Täter der Colonia Dignidad

Das verurteilte Führungsmitglied Gerhard Mücke 2012 während des "Oktoberfestes"

Das verurteilte Führungsmitglied Gerhard Mücke 2012 während des "Oktoberfestes" in der Colonia Dignidad in Chile

Quelle: FDCL

Santiago de Chile. Die chilenische Justiz hat am Mittwoch in zwei wichtigen Urteilen Haftstrafen gegen Mitglieder der ehemaligen deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad und des Diktatur-Geheimdienstes DINA verhängt. Die erste Kammer des Berufungsgerichts Santiago sprach auch den Opfern, bzw. ihren Angehörigen Entschädigungssummen zu, heißt es in einer Pressemitteilung des Forschungs- und Dokumentationszentrums Chile Lateinamerika (FDCL).

Im Fall der Entführung und Ermordung des Mitglieds der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) Alvaro Vallejos (AZ 1051-2015), habe das Gericht die in erster Instanz verhängten Strafen gegen vier Geheimdienstler von zehn auf 15 Jahre Haft heraufgesetzt. Das Colonia-Dignidad-Mitglied Gerhard Mücke wurde wegen Beihilfe zu drei Jahren Haft verurteilt. "Alle Verurteilten befinden sich bereits wegen anderer Verbrechen in Haft", so das FDCL. Alvaro Vallejos Villagrán wurde im Mai 1974 von chilenischen Geheimdienstlern entführt und in die Colonia Dignidad verbracht. Dort wurde er gefoltert und verhört und ist seitdem verschwunden.

Die Entführung und Ermordung von Vallejos wurde bereits seit Jahrzehnten mit der Colonia Dignidad in Verbindung gebracht. Im Oktober 1979 hatte der ehemalige Agent der chilenischen Geheimpolizei DINA, Samuel Fuenzalida, vor dem Landgericht Bonn ausgesagt, er habe den Gefangenen Vallejos nach seiner Festnahme von einem Haftzentrum in Santiago in die Colonia Dignidad gebracht und ihn "den Deutschen" übergeben. Der Sektenführer Paul Schäfer habe den Gefangenen weggebracht und sei nach wenigen Minuten alleine wiedergekommen. Er sei daraufhin mit der Hand über seinen Hals gefahren und habe "fertig" gesagt, um zu bedeuten, dass Vallejos umgebracht wurde.

Der Fall des Alvaro Vallejos war der einzige Verschwundenen-Fall, der bereits im 1991 erschienenen Bericht der chilenischen Wahrheitskommission der Colonia Dignidad zugeordnet wurde. Im 2005 von der Justiz beschlagnahmten Geheimarchiv der Deutschensiedlung wurde danach auch das Protokoll eines Verhörs von Vallejos aufgefunden, das wohl unter Folter in der Colonia Dignidad durchgeführt wurde. Das Gerichtsverfahren begann vor über 25 Jahren, vier der ursprünglich Angeklagten, darunter auch der Chef der Colonia Dignidad Paul Schäfer und der Direktor der DINA Manuel Contreras sind inzwischen verstorben.

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