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Weiterer Folterer der Diktatur in Argentinien gefasst

Heute 71-jähriger José Ignacio Saravia Day hatte sich auf dem Land versteckt. Angeklagter soll junge Militärs an Folterer und Mörder ausgeliefert haben
Gesuchter Folterer in Argentinien gefasst: José Ignacio Saravia Day

Gesuchter Folterer in Argentinien gefasst: José Ignacio Saravia Day

Quelle: fiscales.gob.ar

Buenos Aires. In Argentinien ist der Justiz ein Erfolg bei der Suche von Menschenrechtsverbrechern aus der Zeit der Diktatur (1976-1983) gelungen. In Jujuy, im Norden des Landes, wurde ein Handlanger der Militärdiktatur verhaftet, der seit Jahren auf der Flucht war. Die Festnahme kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Regierung von Präsident Mauricio Macri Verbrecher aus der Zeit der Militärdiktatur vor der Justiz zu schützen sucht.

Der ehemalige Oberstleutnant José Ignacio Saravia Day hatte sich am Rande der Hauptstadt von Jujuy versteckt. Er wurde in La Plata, Provinz Buenos Aires, für das Verschwinden eines Wehrpflichtigen angeklagt. Verantwortlich gemacht wird er zudem für die Entführung zweier anderer junger Militärs, als sie in dem Regiment unter seinem Kommando Dienst taten. Bislang hatte der heutige Oberst Saravia Day eine Aussage abgelehnt.

Seit mehr als drei Jahren war der nun Inhaftierte auf der Flucht vor der Bundesjustiz von La Plata, die ihn beschuldigt, für das Verschwinden des Zwangsrekrutierten José David Aleksoski im Jahr 1976 verantwortlich zu sein. Außerdem wird er wegen der Entführung zweier anderer Wehrpflichtige angeklagt, die aber überlebten. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat Saravia Day die drei Soldaten an Personen seines eigenen Kommandos ausgeliefert, die sie entführten und schließlich in geheimen Zentren folterten.

Der Vorsitende Richter, Ernesto Kreplak aus La Plata, hatte das Abhören von Telefonen in Saravia Days Umgebung angeordnet. Durch diesen Einsatz hat die Polizei den Militär gefunden und festgenommen. Die Staatsanwaltschaft von La Plata, die Saravia Day bereits im Jahr 2007 angeklagt hatte, arbeitet seitdem an diesem Fall.

José David Aleksoski wurde in Bahia Blanca geboren und studierte Architektur. Im Februar 1976 trat er als Wehrpflichtiger in das Grenadier-Regiment ein.  Am 22. Oktober des Jahres wurde er das letzte Mal in Freiheit gesehen. Der heutige Oberst gab ihm damals offenbar den Befehl, sich beim Regiment zu melden. Nach Aussage des Bruders des Opfers, Lázaro Aleksoski, wurde der Vermisste durch ein Militärkommando abgefangen. Auf Nachfragen hieß es, Aleksoski sei desertiert.

Der Fall des jungen Wehrpflichtigen ist Teil des Prozesses "Circuito Camps" im Jahr 2012, bei dem zwanzig Angeklagte verurteilt wurden. Die Polizeistation 5 der Stadt La Plata fungierte damals als geheimes Folterzentrum. Dort wurde der junge Rekrut vom Zeugen Julio López erkannt.  López wurde allerdings nach seiner ersten Aussage vor Gericht selbst entführt. Seit dem 18. September 2006 gilt er als vermisst. Er war der Hauptzeuge in der ersten Instanz des Gerichtsprozesses "Circuito Camps". Die Anwesenheit von Aleksoski in der Polizeistation 5 ist gerichtlich dennoch gut dokumentiert.

Die Festnahme von Savay Day fand inmitten heftiger Debatten um den Umgang mit Verbrechen der Militärdiktatur in Argentinien statt. Mitte Mai protestierten in Buenos Aires in diesem Zusammenhang rund eine halbe Million Menschen gegen eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, die verurteilten Tätern der Diktatur eine Reduzierung ihrer Haftstrafen ermöglichen soll. Das Gericht hatte in seinem mit einer Mehrheit von drei zu zwei Stimmen gefällten Urteil die Anwendbarkeit des Gesetzes 24.390 auch in Fällen von Menschenrechtsdelikten ermöglicht. Das auch als "Ley 2x1" bekannte Gesetz war lediglich von 1994 bis 2001 in Kraft, um Strafprozesse zu beschleunigen und die damals überfüllten Gefängnisse zu entlasten. Es sah vor, eine länger als zwei Jahre dauernde Untersuchungshaft in doppelter Höhe von dem verhängten Strafmaß abzuziehen. Das Urteil öffnete diese Möglichkeit des Strafnachlasses nun erstmals auch für rechtskräftig verurteilte Täter der Militärdiktatur.

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