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Kurzfilme aus Kolumbien zeigen in Berlin ein anderes Gesicht des Konflikts

Die Entwaffnung der Farc wurde am 27. Juni abgeschlossen

Die Entwaffnung der Farc wurde am 27. Juni abgeschlossen

Bogotá/Berlin. Zwischen dem 18. und 21. Oktober zeigt das deutsch-kolumbianische Filmfestival Filmouflage eine Reihe von Kurzfilmen, die Geschichten von Betroffenen des beendeten Krieges zwischen dem kolumbianischen Staat und der Ex-Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) dokumentieren. Es handelt sich dabei um ehemalige Kämpfer der Farc sowie Einwohner der von den Rebellen kontrollierten Gebiete. Die Filmsbeiträge gehören neben einer Reihe von Kurzerzählungen zum Projekt "Crónicas Desarmadas" (Chroniken einer Entwaffnung), das mit weitverbreiteten klischeehaften Vorstellungen der ehemaligen Rebellen bricht.

Während die kolumbianischen Leitmedien die Guerilleros seit Jahren häufig als blutrünstige Täter präsentieren, die der Bevölkerung gnadenlos Leiden zufügen, zeigen die "Crónicas" verwundbare Frauen und Männer vom Land, die selbst stets den Gefahren und den harten Bedingungen des Krieges ausgesetzt waren. Sie erzählen von Bombensplittern, die "alles hinwegfegen" und vor denen sie sich bei den Bombardierungen der Armee schnell in Schützengräben zu verbergen versuchten. Sie erzählen auch von ihrer Todesangst in den Gefechten, von der Trennung von den eigenen Kindern, um deren Sicherheit zu garantieren, von den Leichen ihrer Kameraden, die sie liegen lassen mussten.

Oft berichteten die kolumbianischen Medien, dass hauptsächlich Zwänge das interne Leben der Farc regierten. Viele Artikel berichten von systematischen Zwangsrekrutierungen von Kindern und von Frauen, die gegen ihren Willen verhüten, abtreiben und den Kommandanten für "sexuelle Dienste" zur Verfügung stehen mussten. In den Chroniken erzählen Ex-Kämpfer jedoch, wie sie als Minderjährige wegen den ständigen Drangsalierungen durch die Armee freiwillig in die Guerilla eingetreten sind. Junge Frauen erklären, warum Verhütung eine Notwendigkeit des Kriegs war und dass die Guerilla ihre Familie gewesen sei. Ein einvernehmliches Liebesleben mit einem Partner sei freiwillig gewesen.

Auch im Unterschied zur herkömmlichen Berichterstattung in Kolumbien ist die Darstellung der Beziehungen zwischen der Farc und der Zivilbevölkerung in den Chroniken differenziert. Darin tauchen zwar ein Mord und Einschüchterungsaktionen der Farc auf. Gleichzeitig hört man aber eine Einwohnerin aus einem Kokaanbau-Gebiet sagen: "Das Gesetz der Guerilla war besser als das Gesetz des Staates." Dort zeigt sich die Gemeinde wegen der Entwaffnung der Rebellen sehr beunruhigt, denn jetzt käme, jeder der will. "Wer soll helfen, das zu kontrollieren", fragt der Sprecher der Gemeinde.

Diese Erzählungen kontrastieren die Darstellung der Sicherheitskräfte in den Leitmedien. Stigmatisierung und Verfolgung durch die Streitkräfte war in Konfliktzonen der Alltag von ganzen Gemeinden, einschließlich der Kinder, lässt eine der Erzählungen durchblicken. "So wuchsen wir in dem Glauben auf, die Soldaten seien unsere Feinde", erinnert sich ein Ex-Kämpfer an die Zeit, in der noch keiner aus seiner Familie in der Guerilla war.

Im Hinblick auf ihre Zukunft zeigen sich die interviewten Ex-Rebellen optimistisch. Sie freuen sich auf ein sesshaftes Leben in der Legalität. Sie wollen "den Frieden aufbauen" und sich bilden. "Wir wissen nichts, aber wir sind begierig, alles zu lernen", sagt ein Ex-Rebell mit breitem Lächeln vor der Kamera.

In "Crónicas desarmadas" sollen weitere Videos und Erzählungen veröffentlicht werden. Das Projekt wird von der deutschen Botschaft in Bogotá, der Europäischen Union und der Weltbank finanziert.

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