Kuba / Soziales

Medizinnetzwerk Infomed in Kuba wird 25

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Das Medizinnetzwerk Infomed verbindet in Kuba Ärzte und Institutionen im ganzen Land und sorgt auf Basis freier Software für einen überregionalen Austausch von Fachwissen
Das Medizinnetzwerk Infomed verbindet in Kuba Ärzte und Institutionen im ganzen Land und sorgt auf Basis freier Software für einen überregionalen Austausch von Fachwissen

Havanna. Am 25. Jahrestag der Inbetriebnahme des kubanischen Netzwerks Infomed konnte Kubas Gesundheitsminister Roberto Ojeda unlängst auf einige Erfolge verweisen. Inzwischen verbindet die Datenbank Ärzte und Institutionen im ganzen Land und sorgt auf Basis freier Software für einen überregionalen Austausch von Fachwissen. Wie kubanische Medien berichten, werden derzeit die Apotheken der Insel mit Hilfe eines kleinen Startups ans Netz gebracht, was die Versorgung mit Medikamenten verbessern soll.

Während im Jahr 1992 der erste Knoten des Infomed-Netzwerks in Betrieb ging, stand Kubas digitale Infrastruktur noch am Anfang. Am 27. Januar 1993 wurde das Netzwerk offiziell gegründet. Als die Insel 1996 erstmals signifikanten Zugang zum weltweiten Netz erhielt, war das landesweite Intranet schon gediehen. Vor allem die notwendige Vernetzung und der Aufbau von Datenbanken im Gesundheitssystem gaben die Impulse zur Entwicklung des Intranets.

Inzwischen zählt das Netzwerk mehr als 300.000 Nutzer, wie seine Leiterin Ilena Alfonso Sánchez erklärte. Mehr als 230 hauptamtliche Mitarbeiter, darunter Ärzte und Informatiker, sind jeden Tag mit der Verwaltung der Server sowie dem Erstellen und Aktualisieren von Inhalten beschäftigt. "Für ein solches Projekt braucht man ein multidisziplinäres Team", so Sánchez.

Heute bietet Infomed eine Vielzahl von Dienstleistungen an. Alle medizinischen Forschungseinrichtungen sowie zahlreiche Krankenhäuser und Polikliniken sind ebenso wie die Mitarbeiter des Gesundheitswesens vernetzt. Neben der Austausch- und Kommunikationsfunktion erfasst das System auch medizinische Kennziffern und Statistiken. Darüber hinaus können sich Ärzte wichtige Fachinformationen wie Zeitschriften, Artikel und Lehrbücher herunterladen und Online-Fortbildungen belegen.

Das Angebot für Patienten umfasst momentan Fachportale zu den wichtigsten Krankheiten und soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Dabei ist nicht nur das bereitgestellte Fachwissen gratis, auch die komplette Serverinfrastruktur des Portals basiert auf freier Software. Alle Infomed-Server laufen unter GNU/Linux, erklärt Sánchez. Doch die Digitalisierung der Medizin soll weit über Information- und Vernetzung hinausgehen.

Um den häufigen Sortimentslücken in den Apotheken entgegenzuwirken, sollen in den nächsten Jahren alle Apotheken des Landes ans Internet und damit auch an Infomed angeschlossen werden. Das erste Versuchsprojekt derzeit in der Provinz Camagüey, wo Nachbestellungen bereits halbautomatisch funktionieren. Die entsprechende Software wurde von dem zwölfköpfigen kubanischen Startup "Orsis-Tecnología" entwickelt, das vor allem aus jungen Informatikern besteht, die in Kubas Privatsektor ihr Glück versuchen. Sie programmierten die Logistiksoftware, die Kubas Apotheken bald schon die digitale Verwaltung ihres Sortiments ermöglichen soll und ebenfalls auf freier Software basiert.

"Das System vereint alle Informationen vom Lagereingang über die Verteilung in die verschiedenen Gegenden bis hin zur zentralen Medikamentenproduktion", erklärte der Chef von Orsis, Orlando González Cento. Damit soll ein erster Schritt hin zur Erfassung aller Lagerbestände des Gesundheitswesens erfolgen, die für eine optimale Verteilung der Ressourcen sorgen sowie Korruption und Diebstahl das Wasser abgraben soll.

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