Kolumbien / Militär

Kolumbien: EPL erklärt der ELN den Krieg

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Catatumbo - Waldregion an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela
Catatumbo - Waldregion an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

Bogotá. Seit einigen Tagen verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Akteuren in Catatumbo im Nordosten Kolumbiens. Tausende Menschen sind geflohen, viele ermordet worden. Die Schulen sind geschlossen, das öffentliche Leben ist fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Laut einem Kommuniqué der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) liegt dem die Kriegserklärung gegen ihre Einheiten in der Region seitens der Volksarmee der Befreiung (EPL) zugrunde.

Nach dem Abzug der Farc-Guerilla aus der ländlichen und dicht bewaldeten Region versuchen unterschiedliche bewaffnete Akteure Einfluss in diesem Grenzgebiet zu Venezuela zu gewinnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind alleine in dieser Region seit Abschluss des Friedensabkommens 17.000 Personen vertrieben worden. Das Gebiet ist eines der ärmsten und von der Regierung am stärksten vernachlässigten, das auch vom Kokaanbau lebt.

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Dieses Kommuniqué veröffentlichte die ELN auf ihrer Homepage
Dieses Kommuniqué veröffentlichte die ELN auf ihrer Homepage

Am 20. März informierte die ELN die Öffentlichkeit und insbesondere die Bevölkerung, dass die EPL ihr den Kampf angesagt habe: sie werde alle Mitglieder der ELN verfolgen und die gesamte Region dazu bringen, sich ihren Prinzipien unterzuordnen. Sie wolle das Gebiet und ihre Bewohner wieder "zurückerobern". In den letzten Tagen sind laut UN mindestens 1.350 Bewohner der Gemeinden San Calixto und Hacarí auf der Flucht. Die Zivilbevölkerung forderte EPL und ELN dazu auf, ihr Leben zu respektieren. Daraufhin drohte die EPL der Bevölkerung und ihren Sprechern. Soziale Bewegungen fordern Friedensverhandlungen mit der EPL, da es sonst keine Ruhe in der Region geben werde.

Die ehemalige Guerillagruppe EPL hatte sich bereits 1991 demobilisiert, nur kleine Gruppen waren seitdem vor allem an der Grenze zu Venezuela in den Drogenhandel verstrickt. Seit der Demobilisierung der Farc tauchen nun in vielen Orten im Land wieder Mitglieder der Gruppe sowie Graffitis und Pamphlete auf. Es gab bereits Dutzende Tote in Auseinandersetzungen zwischen der EPL und anderen bewaffneten Gruppen.

Die ELN erklärt in einer Botschaft an die Zivilbevölkerung, dass sie die nach der Demobilisierung verbleibenden Mitglieder der EPL stets beschützt habe, sogar gegen die Farc. Zudem habe sie ihnen Zuflucht in der Region Catatumbo gewährt. Des Weiteren bezeichnet die ELN die ehemalige Guerilla als ihren "Idealen untreu geworden" und von der "revolutionären Idee abgekommene" Organisation. Die EPL habe sich von der Bevölkerung entfernt, versuche ihr zu drohen und mache Geschäfte mit Paramilitärs und Drogenkartellen. Die ELN bittet die Kommunistische Partei darum, die Führung der EPL wieder zu übernehmen. Zudem fordert sie die Bevölkerung auf, sich aus dem Konflikt herauszuhalten und weiterhin die ELN zu unterstützen.

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