Mexiko / Menschenrechte

Mexiko: Staatsanwaltschaft will Ermittlungen im Mordfall Rubén Espinosa einstellen

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"Gegen das Vergessen -  Alejandra, Ruben, Yesenia, Nadia, Mile". Am Wohnhaus, wo das Massaker stattfand, haben Aktivisten die Fassade mit den Porträts der Opfer bemalt
"Gegen das Vergessen - Alejandra, Ruben, Yesenia, Nadia, Mile". Am Wohnhaus, wo das Massaker stattfand, haben Aktivisten die Fassade mit den Porträts der Opfer bemalt

Mexiko-Stadt. Die Morde an dem Fotoreporter Rubén Espinosa Becerril und vier weiteren Frauen vor drei Jahren sind immer noch nicht aufgeklärt. Nun will die Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen den Fall abschließen, obwohl die Hintermänner noch nicht festgenommen worden sind und 2017 die Nationale Menschenrechtskommission (CNDH) Empfehlungen an die Regierung bezüglich der Ermittlungslinien gegeben hatte. "Die Empfehlungen der CNDH sind überhaupt nicht umgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Angehörigen der Opfer darum gebeten, die bis jetzt beschafften Information zu lesen, damit der Fall abgeschlossen werden kann", prangerte Patricia Espinosa, Schwester von Rubén, während einer Protestaktion im mexikanischen Bundesstaat Veracruz an.

An 31. Juli 2015 ist der Fotoreporter zusammen mit der Aktivistin Nadia Vera und weiteren drei Mitbewohnerinnen, Alejandra Negrete, Yesenia Quiróz und Mile Martín, in einer Wohnung im Stadtteil Narvarte in Mexiko-Stadt ermordet worden.

Rubén Espinosa und Nadia Vera kamen aus ihrer Arbeitsstelle Veracruz nach Mexiko-Stadt. In der großen Metropole wollten sie Zuflucht finden. Sie hatten aufgrund ihrer politischen Aktivitäten und ihrer Arbeit von dem damaligen Gouverneur von Veracruz, Javier Duarte, mehrmals Morddrohungen bekommen. Die anderen drei Frauen befanden sich zufällig in der Wohnung, als am diesen Tag maskierte Männer eingedrungen sind, sie gefoltert, die Frauen missbraucht und anschließend alle hingerichtet hatten. 

Die Angehörigen berichteten während der Protestaktion von Falschaussagen und Beweismanipulationen. "Die Ermittlungen sind eine Katastrophe. Von Anfang an sind die Standards für die Beweisaufnahme nicht eingehalten worden. Zahlreiche Personen hatten den Tatort betreten. Von den drei mutmaßlichen Tätern wurde nur einer angeklagt, die anderen zwei haben Berufung eingelegt. Die Morddrohungen von Javier Duarte gegenüber Rubén und Nadia sind bis heute nicht untersucht worden", bekräftigte Patricia Espinosa weiter.

Nadia Vera war aktiv in Protestbewegungen gegen die Regierung Duarte. Rubén Espinosa arbeitete als Fotoreporter für das Wochenmagazin Proceso und für die Fotoagentur Cuartoscuro. In seiner Arbeit widmete er sich den Protesten und sozialen Bewegungen in Veracruz. Nach dem Mord an seiner Kollegin Regina Martinez, einer investigativen Journalistin, gründete Espinosa zusammen mit anderen Journalisten das Kollektiv Voz Alterna. Sie organisierten Protestaktionen gegen den bis heute ungeklärten Mord an Martinez und prangerten immer wieder die Gewalt gegen Journalisten während der Regierungszeit von Duarte (2010-2016) an. Allein in dieser Zeit wurden 19 Journalisten ermordet.

Periodistas de a Pie, eine 2007 gegründete mexikanische Organisation, die sich für die Pressefreiheit und die Rechte der Journalisten im Land einsetzt, erklärte sich mit den Angehörigen solidarisch und schließt sich ihren Forderungen an.

Auch in Mexiko-Stadt fanden Protestaktionen statt. In dem Wohnhaus, wo das Massaker stattfand, haben Aktivisten die Fassade mit den Porträts der Opfer bemalt.

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