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Venezuela legt nach Anschlag neue Hinweise auf Rolle von Kolumbien und USA vor

Attentat mit Drohnen galt Präsident Maduro. Beteiligte sollen sich in Bogotá und Miami aufhalten. Westliche Medien bezweifeln Darstellungen aus Caracas

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Bei dem Anschlag wurden sieben Militärs verletzt
Bei dem Anschlag wurden sieben Militärs verletzt

Caracas. Nach einem Anschlag auf den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am vergangenen Samstag hat ein ehemaliger regionaler Polizeichef und Regierungsgegner eingestanden, der verantwortlichen Gruppe bei der Aktion mit sprengstoffbeladenen Drohnen geholfen zu haben. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte Salvatore Lucchese, der wegen seiner führenden Beteiligung an Antiregierungsprotesten bereits inhaftiert gewesen ist, er habe einer Gruppe Oppositioneller dabei geholfen, die Drohnenattacke auszuführen. Präsident Nicolás Maduro selbst gab indes weitere Details zu dem Zwischenfall bekannt und erhob neue Vorwürfe gegen das benachbarte Kolumbien sowie die USA. Nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft sind im Zusammenhang mit dem Angriff inzwischen gegen 19 Personen Haftbefehle erlassen worden.

Der jüngste Angriff ereignete sich während einer großangelegten Militärparade aus Anlass des 81. Jahrestages der Nationalgarde. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie sich plötzlich mindestens eine Explosion ereignet. Nach Angaben von Informationsminister Jorge Rodríguez explodierten mit C-4-Sprengstoff beladene Drohnen in der Nähe der Veranstaltung. Die Live-Übertragung im Fernsehen wurde unterbrochen, der Präsident bliebt unverletzt. Später beschuldigte Maduro die kolumbianische Staatsführung, für den Attentatsversuch mitverantwortlich zu sein.

Eine bislang unbekannte Gruppe mit dem Namen "Soldados de Franela" (etwa: "T-Shirt-Soldaten") bekannte sich zu der Tat. Die oppositionelle Journalistin Patricia Poleo verlas in einem online verbreiteten Video aus den USA eine Erklärung der mutmaßlichen Täter, die von einer "Operation Phönix" spricht und weitere Angriffe auf die Staatsführung ankündigt.

Während in großen Teilen der westlichen Presse in Abrede gestellt wird, dass es überhaupt einen Anschlag gegeben hat, gab Lucchese gegenüber Reuters an, mit Vertretern der "Widerstandsbewegung" gearbeitet zu haben. Dieser lose Zusammenschluss aus Straßenkämpfern, Studierendenaktivisten und ehemaligen Militärs hält das südamerikanische Land seit Jahren mit gewalttätigen Protesten in Atem, die zahlreiche Todesopfer gefordert haben.

Lucchese sieht den Anschlag vom vergangenen Samstag als Teil des bewaffneten Kampfes gegen die Regierung von Präsident Maduro. Gegenüber Reuters lehnte er es ab, weitere Details zu der Aktion zu nennen, um andere Beteiligte nicht zu gefährden. "Wir hatten ein Ziel, das wir in diesem Moment nicht vollständig erreichen konnten", zitiert die Nachrichtenagentur den Regierungsgegner, den sie in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá interviewte: "Dieser bewaffnete Kampf wird fortgeführt werden."

In einer Radio- und TV-Ansprache gab Maduro indes die Namen einer Reihe mutmaßlicher Hintermänner des Anschlags bekannt. Er wiederholte dabei mit neueren Informationen die Vorwürfe gegen Kolumbien und die USA, wo sich einige der Täter aufgehalten haben oder wohin sie geflohen sein sollen. Maduro spielte unter anderem Audioaufnahmen von Gesprächen der mutmaßlichen Täter ab, die sie während des Attentats führten. Indes wurde der Parlamentsangeordnete Juan Requenses von der rechtspopulistischen Partei Zuerst Gerechtigkeit (Primero Justicia, PJ) festgenommen, nachdem einer der Inhaftierten, Juan Carlos Monasterios, angab, Requenses habe Mitgliedern der Zelle bei Reisen nach Kolumbien geholfen, wo sie trainiert worden seien. Alle nun Beschuldigten hatten nach offiziellen Angaben in gewaltsamen Ausschreitungen im Jahr 2017, den sogenannten Guarimbas, teilgenommen.

Nach Maduros Angaben haben einige der nun Inhaftierten den führenden Oppositionspolitiker Julio Borges (PJ) belastet. Er sei neben seinem Parteifreund Requenses an den Planungen des jüngsten Anschlags beteiligt gewesen. Borges lebt inzwischen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Weitere Beschuldigte sind Rayder Alexander Russo Márquez, der sich offenbar auch nach Kolumbien geflüchtet hat, und Osman Delgado Tabosky, der in Miami, USA, lebt. Die Angaben der venezolanischen Seite werden von den beschuldigten Regierungen und westlichen Medien massiv angezweifelt. Die Ermittlungen der venezolanischen Sicherheitsbehörden wurden von dieser Seite mehrfach als "Hexenjagd" gegen Regierungsgegner bezeichnet.

Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek William Saab informierte indes, dass in der Woche nach dem Anschlag 19 Personen festgenommen wurden. Auch er erklärte, dass die Hintermänner der Aktion von Kolumbien aus gehandelt haben. Er forderte die kolumbianischen Behörden auf, die Beschuldigten auszuliefern. Sie hätten sich des Hochverrats und des versuchten Mordes sowie schwerer Körperverletzung schuldig gemacht. Drei der in Venezuela Festgenommenen seien bereits dem Haftrichter vorgeführt worden. "Das ist erst der Beginn einer Reihe von Aktionen, damit eine Tat wie diese nicht ungesühnt bleibt", so Saab.

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