Neues Freihandelsabkommen zwischen Chile und Brasilien

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Piñera und Temer bei der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens in Chiles Hauptstadt
Piñera und Temer bei der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens in Chiles Hauptstadt

Santiago. Chiles Staatschef Sebastián Piñera und der brasilianische De-facto Präsident Michel Temer haben ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, das den wirtschaftlichen Austausch der beiden Länder intensivieren soll.

Nur sechs Monate dauerten die Verhandlungen, eine Rekordzeit, wie Piñera betonte. Durch diesen Vertrag wurde einerseits das seit 30 Jahren zwischen beiden Ländern bestehende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Acuerdo de Asociación Económica, ACE) aktualisiert. Gleichzeitig soll Chile stärker in den Gemeinsamen Markt des Südens (Mercosur) intergriert werden an dem, neben weiteren assoziierten Ländern, als Vollmitglieder Brasilien, Uruguay, Paraguay und Argentinien beteiligt sind. Venezuela war bis 2017 Mitglied, wurde im August vergangenen Jahres jedoch aus politischen Gründen suspendiert. Innerhalb des Mercosur ist der bilaterale Handel von sämtlichen Zollgebühren befreit.

Der am 21. November unterzeichnete Vertrag gehe aber über rein ökonomische Vereinbarungen hinaus, erklärte Piñera, "es sollen auch die kulturelle Integration beider Länder sowie die politische Zusammenarbeit gefördert werden". Besonders hervorgehoben wurde die Abschaffung des Mobilfunk- Roamings, was vor allem dem Tourismus, dem digitalen Handel und der unternehmerischen Entwicklung nützen soll. Auch die 500.000 Brasilianer die Chile jährlich besuchen, sowie die 300.000 Chilenen die nach Brasilien reisen, sollen davon profitieren.

In den 23 Kapiteln des Abkommens werden außer der Telekommunikation auch der elektronische Handel, der Servicebereich sowie Erneuerungen in den Bereichen der Arbeits-, Umwelt- und Geschlechterpolitik festgelegt. Zudem wurden Investitionsbedingungen, Finanzdienstleistungen und staatliche Ankäufe neu reguliert, wodurch chilenische und brasilianische Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen in beiden Ländern unter gleichen Konditionen teilnehmen können. Letzteres soll vor allem kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen.

Dieses neue Freihandelsabkommen ist eines von insgesamt 26, die Chile mit 64 Ländern abgeschlossen hat. Es ist aber von besonderer Relevanz, da Brasilien derzeit der wichtigste Handelspartner für Chile in Lateinamerika ist. Zwischen Januar und August dieses Jahres ist der Handelsaustausch um 21 Prozent gewachsen und beträgt derzeit 6,8 MIlliarden US-Dollar. Die chilenischen Auslandsdirektinvestitionen in Brasilien liegen bei 31 Milliarden US-Dollar.

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