Kommission: In Mexiko sind 40.180 Menschen verschwunden

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Das Verschwindenlassen der Lehramtsstudenten von Ayotzinapa hatte 2014 weltweit für Entsetzen gesorgt
Das Verschwindenlassen der Lehramtsstudenten von Ayotzinapa hatte 2014 weltweit für Entsetzen gesorgt

Mexiko-Stadt. Das staatliche "Register der verschwundenen und nicht aufgefundenen Personen" in Mexiko listet derzeit insgesamt 40.180 Menschen auf. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Nationalen Suchkommission (Comisión Nacional de Búsqueda, CNB) hervor, den der Leiter der Behörde, Roberto Cabrera Alfaro, am Donnerstag vorgestellt hat. In den meisten Fällen sei die Identität bekannt. Die vollständigen Namen, Geburtsdaten, Fotos und Fingerabdrücke lägen vor.

Anfang Juni des vergangenen Jahres hatte das noch immer im Aufbau befindliche Register 37.435 Einträge verzeichnet. Die Situation sei besorgniserregend, so Cabrera Alfaro. Es bestünden zudem nach wie vor Zweifel an der Genauigkeit der verfügbaren Daten.

Mit Hilfe der Arbeitsgruppe zur menschlichen Identifizierung (Grupo de Trabajo de Identificación Humana) sei es der CNB gelungen, mehr als 400 menschliche Überreste Personen zuzuordnen, von denen einige seit mehr als zehn Jahren als vermisst galten, so Cabrera Alfaro.

Wie der Behördenleiter weiter informierte, hat die Kommission eine Datenbank genetischer Informationen mit mehr als 50.000 Angaben von Verwandten vermisster Personen, Skelettteilen und Hinweisen aus dem ganzen Land aufgebaut. Auf dieser Basis konnten Abgleiche durchgeführt und zahlreiche Identifikation erreicht werden.

Cabrera Alfaro informierte zudem, dass in der Datenbank zur Verbrechensbekämpfung des Ministeriums für öffentliche Sicherheit die Fingerabdrücke von 36.708 nicht identifiziertern Toten im Land erfasst sind.

Seit Beginn des "Kriegs gegen die Drogen" im Jahr 2006 sind in Mexiko mehr als 40.000 Menschen verschwunden. Häufig sind staatliche Stellen in die Verbrechen verwickelt. Angehörige werfen dem Staat zudem vor, in den wenigsten Fällen ernsthafte Ermittlungen einzuleiten und eine Kultur der Straflosigkeit zu pflegen.

Der Fall verschwundener Lehramtsstudenten in der südmexikanischen Ortschaft Ayotzinapa hatte 2014 weltweit für Entsetzen gesorgt. Die jungen Männer wurden offenbar von Polizisten der Verbrecherbande "Vereinigte Krieger" (Guerreros Unidos) zur Exekution übergeben. Die Bundesjustiz und die Regierung hatten die Ermittlungen mehrfach behindert. Auf seiner ersten Pressekonferenz am 3. Dezember ordnete Mexikos neuer Präsident Andrés Manuel López Obrador per Dekret die Suche nach den Studenten an. Im Beisein von Angehörigen betonte er, es werde keine Straffreiheit geben.

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