Kolumbien / Politik

Kolumbien: Ultrarechter als Leiter des Geschichtszentrums sorgt für Empörung

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Dario Acevedo beim Amtsantritt im CNMH
Dario Acevedo beim Amtsantritt im CNMH

Bogotá. Die Ernennung des ultrarechten Universitätsdozenten Darío Acevedo zum Leiter des Nationalen Zentrums für Historisches Gedächtnis (CNMH) durch Kolumbiens Präsident Iván Duque hat heftigen Widerspruch ausgelöst. 116 Organisationen haben daraufhin die Rücknahme aller Dokumente angekündigt, die sie dem CNMH zur historischen Aufarbeitung des bewaffneten Konflikts zur Verfügung gestellt hatten. Acevedo leugnete die Existenz des Konflikts in Kolumbien und habe eine ablehnende Haltung gegenüber den Opfern gezeigt, heißt es in einer Erklärung der Organisationen.

Tatsächlich sagte der Historiker im Februar, dass die Existenz eines Konflikts in Kolumbien, "nicht zur offiziellen Wahrheit werden darf". Acevedos Position entspricht der offiziellen der damaligen Regierung von Álvaro Uribe, laut der es in Kolumbien einen Terrorkrieg der Guerillas gegen den Staat, aber keinen bewaffneten Konflikt gab und dementsprechend nur Opfer der Guerillas, jedoch nicht der Sicherheitskräfte beziehungsweise des Staats existieren.

Außerdem hat sich Acevedo in der Vergangenheit eindeutig feindselig gegen das CNMH selbst sowie die Übergangsjustiz (JEP), gegen Opfersprecher und die Opposition geäußert. Dies zeige "eine äußerst gefährliche Parteilichkeit" bei der Aufarbeitung der Geschichte des Konflikts, hatten die Menschenrechtspartner des CNMH noch vor seiner endgültigen Ernennung kritisiert.

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Zum Beispiel hatte der Dozent gesagt, dass die ehemalige Farc-Guerilla, die linke Bewegung "Menschliches Kolumbien" und "Revoluzzer-Kreise die Besitzer des CNMH und der JEP" seien; ebenso dass die JEP "die Rache der Farc" und "das Damoklesschwert" der Guerilla und "ihrer Freundchen" gegen die Sicherheitskräfte sei. Den angesehenen Journalisten der politischen Mitte, Daniel Coronell, hat er "Wrack" und "Clown" genannt.

Besonders heftig war die Beleidigung des linken Senators und Sprechers der Opferorganisation Movice, Iván Cepeda. "Wisst ihr warum dieser Typ so ungepflegt aussieht? Eine Hypothese: Weil die ganze Scheiße, die er nach oben herausspuckt, wieder auf seine Haare und sein Gesicht fällt", schrieb Acevedo im Kurznachrichtendienst Twitter.

In Bezug auf die Leugnung des Konflikts in Kolumbien sagt der Opfersprecher Leyner Palacios: "Wir machen einen Rückschritt um fast zehn Jahre". Das sei frustrierend. Palacios deutet außerdem an, dass die Regierung Duque nicht an der Wahrheit des Konflikts interessiert sei. Die Ernennung Acevedos ziele darauf ab, die Interessen von Leuten zu schützen, die für den Konflikt mitverantwortlich seien. Dabei lag die Anerkennung des internen Konflikts und seiner Opfer der Gründung des CNMH durch die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos im Jahr 2011 per Gesetz zugrunde.

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