Chile / Militär

Entschädigung für Gegner der Militärdiktatur in Chile

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Das Portal der "verfassungstreuen Marinesoldaten" will deren Geschichte bewahren
Das Portal der "verfassungstreuen Marinesoldaten" will deren Geschichte bewahren

Santiago de Chile. Das 17. Zivilgericht der chilenischen Hauptstadt hat den Staat dazu verurteilt, eine Entschädigungszahlung von 155 Millionen Peso (rund 205.000 Euro) an den ehemaligen Unteroffizier Teodosio Cifuentes Rebolledo zu zahlen. Cifuentes war am 6. August 1973 festgenommen und erst am 4. Oktober 1976 freigelassen worden.

Cifuentes war Teil der "Marineros Constitucionalistas" (Verfassungstreue Marinesoldaten). Deren Geschichte ist bisher weitgehend unbekannt: Im chilenischen Militär hatten sich wenige Soldaten gegen den Militärputsch vom 11. September 1973 gegen die sozialistische Regierung von Salvador Allende gestellt. Cifuentes und die anderen Marineangehörigen bekamen im August 1973 mit, dass es unter Offizieren des Heeres Putschabsichten gab. Dies veranlasste ihn, die politischen und administrativen Autoritäten darüber zu informieren. Darauf folgte seine Inhaftierung, die er in verschiedenen Gefängnissen verbrachte. Dabei wurde er über Jahre hinweg immer wieder gefoltert. Laut dem Gericht wurde Cifuentes zunächst im öffentlichen Gefängnis von Valparaíso inhaftiert, dann für ein Jahr auf die Insel Melinka verlegt, wo er zuerst gefoltert wurde. Am 25. Juni 1974 wurde er nach Punchuncavi de la Marina verlegt, von wo er nach einem Monat wieder verlegt und erneut gefoltert wurde. Am 4. Oktober 1976 erst wurde er freigelassen.

Während der Pinochet-Diktatur wurden laut offiziellen Zahlen 3.200 Menschen getötet und mehr als 38.000 gefoltert. Der Großteil der Verbrechen ist bis heute nicht aufgeklärt.

Cifuentes ist mittlerweile 72 Jahre alt. Das Portal Marineros Constitucionales hat zum Ziel, seine Widerstandsgeschichte zu erzählen und das Gedenken an die weiteren Soldaten zu bewahren, die Allende unterstützt hatten.

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