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USA verschärfen Sanktionen gegen Venezuelas Ölindustrie

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Der Amuay-Raffineriekomplex im venezolanischen Bundesstaat Falcon. Hier wird Rohöl für den Export verarbeitet
Der Amuay-Raffineriekomplex im venezolanischen Bundesstaat Falcon. Hier wird Rohöl für den Export verarbeitet

Washington. Das Finanzministerium der USA hat eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen gegen Venezuelas Erdölindustrie bekanntgegeben. Washington zielt nun auf Verdünnungsmittelimporte ab und beeinträchtigt damit die Fähigkeit des südamerikanischen Landes, Öl zu exportieren und Treibstoff zu produzieren.

Am Donnerstag wurde eine Ergänzung zu den bereits verhängten Sanktionen veröffentlicht. Die bisher noch bestehenden Lizenzen werden eingeschränkt, die es einigen Unternehmen ermöglichen, für einen bestimmten Zeitraum weiterhin mit der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA Geschäfte zu tätigen. Nun werden "keine Transaktionen oder Geschäfte im Zusammenhang mit der direkten oder indirekten Ausfuhr oder Wiederausfuhr von Verdünnungsmitteln nach Venezuela" mehr zugelassen.

Venezuela ist abhängig vom Import von Verdünnungsmitteln, um sein schweres Rohöl zu exportfähigen Qualitäten verarbeiten und Benzin und Diesel für den Eigenverbrauch produzieren zu können.

Der Rückgang der Ölproduktion Venezuelas hat sich infolge der US-Strafmaßnahmen deutlich verschärft. Die Rohölproduktion sank um 30 Prozent von durchschnittlich 1,911 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2017 auf 1,354 Millionen Barrel im Jahr 2018, nachdem die USA im August 2017 Finanzsanktionen verhängt hatten. In diesem Jahr ging die Produktion infolge des US-Embargos von Ende Januar sowie landesweiter Stromausfälle im März weiter zurück und fiel im März auf nur noch 740.000 Barrel. Die Exporte in die USA sanken von über 500.000 Barrel im Januar auf Null Ende Mai, da der dreimonatige Abwicklungszeitraum der Maßnahmen vom Januar zu Ende ging.

Die Einschränkungen bei Importen von Verdünnungsmitteln haben in jüngster Zeit zu Benzinmangel geführt. Die Importe von Treibstoff und Verdünnungsmitteln sanken Berichten zufolge im Mai auf 137.500 Barrel, gegenüber über 200.000 im März und April. Die nationale Nachfrage wird auf rund 250.000 Barrel pro Tag geschätzt.

Caracas kämpft seit dem US-Ölembargo darum, neue Käufer zu finden. Unter anderem wurde versucht, Exporte nach Indien zu verlagern sowie Rohöl gegen Verdünnungsmittel oder Kraftstoff zu tauschen, um die Sanktionen zu umgehen. US-Regierungsvertreter drängten die Unternehmen jedoch, ihre Transaktionen mit Venezuela zu beenden und drohen wiederholt mit Sekundärsanktionen.

Ein aktueller Bericht der Washingtoner Denkfabrik Center for Economic and Policy Research analysierte die Folgen der Strafmaßnahmen gegen Venezuelas Erdölsektor, die in den zwölf Monaten seit Verhängung der Saktionen im August 2017 zu Verlusten von geschätzt sechs Milliarden US-Dollar führten. Die Autoren Mark Weisbrot und Jeffrey Sachs gehen von weiteren sechs Milliarden Dollar verlorenen Exporterlösen in diesem Jahr aus, sollte die Produktion auf dem derzeitigen Niveau bleiben. Der Bericht stellt ferner fest, dass die US-Sanktionen seit 2017 für 40.000 Todesfälle verantwortlich sind.

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