Weitere Morde an Farc-Mitgliedern in Kolumbien

Acción de Duelo - Doris Salcedo

Installation der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo in Gedenken an die Opfer des bewaffneten Konflikts
Installation der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo in Gedenken an die Opfer des bewaffneten Konflikts

Bogotá. Morde an ehemaligen Mitgliedern der demobilisierten Guerilla "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) gehen in den vergangenen Tagen unvermindert weiter. Erneut sind zwei sich in der Demobilisierungsphase befindende ehemalige Farc-Kämpfer Opfer von Anschlägen geworden. Der öffentliche Druck auf Präsident Iván Duque, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, erhöht sich.

In Caloto (Cauca) drangen am Montag zwei bewaffnete Männer auf einem Motorrad in das Freizeitzentrum "La Bocatoma" ein und feuerten drei Schüsse auf Anderson Pérez Osorio ab. Er erlag unmittelbar seinen Verletzungen. Osorio war Mitglied der politischen Partei der Farc und seit der Demobilisierung als Journalist tätig. Er war außerdem Menschenrechtler, Mitglied in mehreren Landwirtschaftsgewerkschaften und begleitete zusammen mit Fensuagro und "Marcha Patriotica" den Wiedereingliederungsprozess ehemaliger Farc-Kämpfer.

Am Montag wurde auch Daniel Esterilla in El Charco (Nariño) ermordet. Er soll noch Stunden zuvor an Maßnahmen für den Wiedereingliederungsprozess, die von der UNO und dem kolumbianischen Senat begleitet werden, teilgenommen haben.

Präsident Duque verurteilte am Dienstag die neuerlichen Morde und rief zu einer "Dringlichkeitssitzung“ aller an der Umsetzung des Friedensprozesses Beteiligten auf. Ihm war zuletzt immer wieder Untätigkeit bis hin zu Gleichgültigkeit vorgeworfen worden in Bezug auf die immer größer werdende Zahl an Morden an ehemaligen Farc-Kämpfern,

Bereits vergangene Woche kam es zu zwei ähnlichen Vorfällen. Im Südwesten des Cauca erschossen Unbekannte Rafael Alberto Polindara Sotelo, ebenfalls demobilisierter Guerillero und Mitglied der Partei Farc, während er auf seiner Farm arbeitete. Nahe Tumaco (Nariño) starb einen Tag zuvor Alexander Saya Palacios durch mehrere Schüsse in den Kopf. Beide waren Mitglied in der "Multiaktiven Kooperative Weg zum Frieden" (Cooperativa Multiactiva Camino de Paz), die verschiedene produktive Projekte im Rahmen der Wiedereingliederung demobilisierter Farc-Kämpfer in den Regionen realisiert.

Die Behörden versicherten in allen Fällen, dass umfassende Ermittlungen eingeleitet werden. Bisher sind die Täter sowie ihre Motive noch unbekannt.

Laut der Stelle für Menschenrechte der Partei Farc sind es damit allein im Jahr 2019 bereits 28 Morde an ehemaligen Farc-Kämpfern. Einem Bericht vom Institut für Entwicklung und Friedensforschung (Indepaz) zufolge wurden in Kolumbien seit der Unterzeichnung der Friedensvertrages zwischen Regierung und Farc 2016 rund 702 Aktivisten und Menschenrechtler sowie 135 Ex-Kämpfer der Farc ermordet. Auch das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Bogotá bezeichnete den Anstieg der Morde an Aktivisten, demobilisierten Guerilleros der Farc und Menschenrechtlern als alarmierend und hat die Behörden dazu aufgefordert, gegen diese Situation vorzugehen.

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