Landkonflikt fordert erneut zwei Todesopfer in Guatemala

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Die beiden ermordeten langjährigen Aktivisten Isidro Perez und Meliso Ramirez waren Mitglieder der Landarbeiterorganisation Codeca
Die beiden ermordeten langjährigen Aktivisten Isidro Perez und Meliso Ramirez waren Mitglieder der Landarbeiterorganisation Codeca

Guatemala-Stadt. Zwei Mitglieder der Landarbeiterorganisation Codeca (Komitee für bäuerliche Entwicklung) in Guatemala sind am 5. Juli ermordet worden. Wie die Organisation mitteilte, ereignete sich der Vorfall gegen 10:20 Uhr am Vormittag. Landarbeiter und Mitglieder von Codeca kehrten auf Land zurück, das die Großgrundbesitzer und Unternehmerfamilie Sinibaldi für sich beansprucht. Nach Angaben von Codeca wurden ihre beiden Mitglieder Isidro Pérez, 85 Jahre alt, und Meliso Ramírez, 70 Jahre alt, erschossen, als sich etwa 15 bewaffnete Männer den Landarbeitern entgegenstellten und aus großkalibrigen Waffen das Feuer auf die Unbewaffneten eröffneten.

In einem vom unabhängigen Radiosender Radio Victoria veröffentlichten Video sagten Betroffene aus, dass Pérez und Ramírez versucht hatten, mit den Bewaffneten zu sprechen und den Konflikt zu entschärfen. Die übrigen Betroffenen hätten sich daraufhin im Wald in Sicherheit gebracht.

Des weiteren erklärten die Betroffenen, dass es sich um Land im Besitz der Kleinbauern gehandelt habe, von dem sie zuvor von der Familie Sinibaldi vertrieben wurden.

Codeca betonte, dass eine plurinationale verfassungsgebende Versammlung notwendig sei, um den Zugang zu Land zu demokratisieren.

Der nationale Ombudsmann für Menschenrechte, Jordan Rodas Andrade, verurteilte die Morde und forderte von den zuständigen Behörden, die Verantwortlichen zu ermitteln sowie Maßnahmen gegen die Kriminalisierung und Gewalt "gegen Umweltschützer und Verteidiger des Landes und der Territorien" zu ergreifen.

Guatemala ist neben Brasilien das Land mit der ungerechtesten Landverteilung auf dem Kontinent. Diese ist seit Jahrzehnten eine der Hauptursachen für die andauernde Gewalt und extreme soziale Ungleichheit im Land. Schon der Sturz der an sozialen Reformen arbeitetenden Regierung Jacobo Arbenz 1954 hatte seine Hauptursache im Konflikt mit einheimischen Großgrundbesitzern und der US-amerikanischen United Fruit Company, damals größter Landbesitzer Guatemalas. Die anschließenden Jahrzehnte der Diktatur und des Bürgerkriegs manifestierten die ungerechten Besitzverhältnisse. Das Ende des Krieges und die Demokratisierung konnten daran bislang nichts ändern.

Mit 46,5 Prozent chronischer Unterernährung bei Kindern und bis zu 80 Prozent in ländlichen Gebieten hat Guatemala den traurigen Spitzenplatz in Lateinamerika. Der fruchtbare Boden an der Pazifikküste und im Osten des Landes, wo sich die jüngsten Morde ereigneten, ist nahezu auschließlich in den Händen einiger Großgrundbesitzer.

Die Landwirtschaft ist auf den Export orientiert. Angebaut werden vor allem Bananen, Kaffee, Zuckerrohr und auch die Palma Africana für die Biodieselproduktion, überwiegend für den nordamerikanischen Markt. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft, vor allem in den Hochlandregionen, leidet zudem unter den neoliberalen Freihandelsabkommen der letzten 20 Jahre. Unternehmen wie Monsanto können genmanipulierten Mais mittlerweile billiger im Land verkaufen als lokale Produzenten den Mais aus einheimischer Produktion. So werden bedeutende Teile dieses Hauptnahrungsmittel Guatemalas mittlerweile importiert.

Die Herstellung von Ernährungssouverinität ist damit auch eine der zentralen Forderungen der Organisation Codeca, die 1992 als Interessenvertretung der Landarbeiter der Costa Sur gegründet wurde und mittlerweile landesweit tätig ist.

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