Militärmanöver Unitas LX: Muskelspiele gegen Venezuela

Seestreitkräfte der USA und aus einem Dutzend meist rechter lateinamerikanischer Länder sind an Übungen in Brasilien beteiligt

Brasília. Mit einem multinationalen Militärmanöver in Brasilien bauen die USA und die gastgebende Regierung des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro derzeit ein deutliches Drohszenario gegen Venezuela auf. Die von Brasilien und den USA geleiteten militärischen Übungen konzentrieren sich nach offiziellen Angaben erstmals darauf, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Flottenverbände bei "humanitärer Hilfe“ und der Reaktion auf Naturkatastrophen zu proben. Das Manöver Unitas LX 2019 findet vor dem Hintergrund immer aggressiverer Drohungen von US-Präsident Donald Trump statt, gegen Venezuela eine Seeblockade zu verhängen. Diese Ankündigung steht im Widerspruch zu früheren Kommentaren Trumps, als er eine militärische Intervention in Venezuela noch ausgeschlossen hat.

Neben den Vereinigten Staaten und Brasilien werden Argentinien und Peru Schiffe und Flugzeuge zu dem Manöver beisteuern. Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Panama, Paraguay und Großbritannien werden Personal zur Teilnahme entsenden. Japan und Portugal sind mit Militärbeobachtern präsent. Insgesamt werden nach Angaben der US-Botschaft in Brasília 13 Nationen, 14 Schiffe, ein U-Boot, acht Hubschrauber und fünf Flugzeuge beteiligt sein.

"Die USS Carter Hall hat [den US-Marinehafen in] Norfolk, Virginia, am 4. August mit rund 350 US-Matrosen und Marines verlassen und ist auf dem Weg nach Rio de Janeiro, um an der Übung teilzunehmen“, heißt es von Seiten der US-Botschaft. In diesem Jahr wird es neben den Seemanövern auch Übungen mit Amphibienfahrzeugen geben, mit denen "die koordinierte Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Insel Marambaia simuliert wird“.

Die US-Marine sei bereit, in Venezuela "alles zu tun, was nötig ist", sagte der Kommandeur des US-Südkommandos Admiral Craig Faller am Montag, Wochen nachdem Präsident Trump erklärt hatte, er erwäge eine Seeblockade vor der Küste Venezuelas. In Rio de Janeiro sagte Faller zum Beginn des Unitas-Manövers, er werde nicht näher erläutern, "was wir planen oder tun, nur so viel, dass wir bereit sein werden, politische Entscheidungen umzusetzen und zu handeln".

Faller weiter: "Der Schwerpunkt der US-Regierung liegt weiterhin darauf, Druck auf ein illegitimes Regime auszuüben, um den Übergang zu einer demokratischen und legitimen Regierung zu gewährleisten." Er fügte hinzu, die Sanktionen gegen die Maduro-Regierung würden greifen und der venezolanische Staatschef Maduro könne so isoliert werden.

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Drohung gegen Venezuela: US-Kriegsschiff bei dem Militärmanöver Unitas LX 2019
Drohung gegen Venezuela: US-Kriegsschiff bei dem Militärmanöver Unitas LX 2019

Eine etwaige Seeblockade würde den internationalen Handel jedoch massiv behindern, berichtete das Portal Axios Media. US-Präsident Trump "sagte ja geradezu, wir sollten die Schiffe dorthin bringen und ein Marineembargo verhängen", so eine Quelle von Axios.

Axios Media zufolge wurde das US-Verteidigungsministerium über den Vorschlag von Trump informiert. Man habe die Idee im Pentagon jedoch verworfen und betont, dass ein solches Vorhaben keine rechtliche Grundlage hätte und zudem Ressourcen verbrauchen würde, über die die US-Marine nicht verfügt.

An dem rund zwei Wochen dauernden Manöver werden mehr als 3.300 Militärangehörige teilnehmen. So werde "eine Nachricht an Maduro und seine Verbündeten gesendet", sagte Faller. Denn "Maritime Manöver senden der Welt eine Botschaft darüber, wie Demokratien, wenn sie zusammenarbeiten, einer Vielzahl komplexer Bedrohungen begegnen können."

Die USA sind eines von gut 50 Ländern, von denen der Vorsitzende der venezolanischen Nationalversammlung, Juan Guaidó, als Interimspräsident anerkannt wurde.

Die von den USA jährlich organisierten Militärübungen sind Teil des Interamerikanischen Vertrags über gegenseitige Unterstützung (TIAR), den Venezuela seit Jahren heftig kritisiert.

Unterdessen haben der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López und sein russischer Kollege, General Sergei Schoigu, am Donnerstag eine Reihe von Abkommen unterzeichnet, um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in technisch-militärischen Fragen zu stärken.

"Um eine starke und dynamische Beziehung aufrechtzuerhalten, haben wir neue Kooperationsvereinbarungen mit der Russischen Föderation geschlossen. Dies wird zu einem verstärkten Austausch bei der allgemeinen und speziellen militärischen Ausbildung sowie bei kombinierten Übungen zu Land, zu Wasser und in der Luft führen", sagte Padrino López.

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