Mexiko: Nationalgarde stoppt Karawane von Migranten

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Migranten aus Zentralamerika in einem Flüchtlingslager in Mexiko-Stadt
Migranten aus Zentralamerika in einem Flüchtlingslager in Mexiko-Stadt

Mexiko. Eine Karawane von 3.000 Migranten aus El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, sowie aus Angola und Kamerun, die auf den Weg vom mexikanischen Bundesstaat Chiapas Richtung USA war, ist von Mitarbeitern der Migrationsbehörde (INM) mit Unterstützung der Nationalgarde aufgehalten und zur Südgrenze mit Guatemala zurückgefahren worden.

Die Migranten hatten sich entschieden, von Chiapas aus über die Grenze nach USA und Kanada zu marschieren, nachdem sie mehr als sechs Monate vergeblich unter unmenschlichen Bedingungen auf ein Transfervisum in Mexiko gewartet hatten. Sie erhofften sich, in den Ländern Aufenthalt und Arbeit zu bekommen.

Auf dem Weg in den USA hatten sie geplant, Präsident Andrés Manuel López Obrador in Mexiko-Stadt zu treffen.

Für die afrikanischen Migranten ist die Lage besonders schwierig, da sie vom mexikanischen Staat als "heimatlos" eingestuft werden. Mexiko hat mit den afrikanischen Staaten keine Abschiebeabkommen unterzeichnet. Für sie gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird ihr Aufenthalt geregelt, was in der Tat selten passiert, oder sie müssen Mexiko innerhalb von 20 Tagen verlassen. Viele von ihnen nutzen diese Zeit, um Richtung Norden zu fahren. Zurzeit dürfen sie Mexiko nur über die Südgrenze verlassen. Daher stranden viele von ihnen in Guatemala.

Das INM verkündete die Einrichtung eines zusätzlichen Büros in der Kleinstadt Tapachula im Bundesstaat Chiapas, damit die Migranten dort ein Visum für Mexiko beantragen können. Ob sie tatsächlich eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, ist nach wie vor fraglich.

Am Anfang des Monats wurden Auseinandersetzungen zwischen afrikanischen Migranten und der Nationalgarde registriert, nach dem einer der Migranten von einem Polizisten beraubt und angegriffen wurde.

Im Norden Mexikos, an der Grenze zu den USA, haben am vergangenen Donnerstag hunderte Migranten vor allem aus Zentralamerika die Brücke zwischen dem mexikanischen Bundesstaat Matamoros und dem US-amerikanischen Texas blockiert. Mit dieser Protestaktion wollten sie Druck auf die US-Behörden ausüben, um endlich eine Antwort auf ihre Visumanträge zu bekommen.

Wegen eines Abkommens zwischen Mexiko und den USA sind die Migranten gezwungen, auf der mexikanischen Seite auf ein Visum zu warten, während ein US-Gericht über einzelne Fälle entscheidet. Die Wartezeit beträgt zwischen vier und sechs Monate. In dieser Zeit leben die Migranten unter sehr prekären Bedingungen und werden oftmals Opfer der organisierten Kriminalität. Derzeit befinden sich bis zu 40.000 Migranten, davon 16.000 Minderjährige, in dieser Lage. Die neue Regelung ist Teil des "Protokolls zum Schutz der Migranten", das Anfang 2019 umgesetzt wurde.

Auch die Herberge für Migranten "La 72" im mexikanischen Bundesstaat Tabasco hat am Freitag Drohungen und Einschüchterungen von Seiten der organisierten Kriminalität angeprangert, nachdem Mitarbeiter eine Anzeige wegen Entführung von Migranten erstattet hatten. Es handelt sich um 36 dokumentierte Fälle von Entführungen von Migranten aus Zentralamerika. "Wir prangern die Untätigkeit der lokalen Staatsanwaltschaft und der Sonderstaatsanwaltschaft für Migranten an und fordern, seriöse und schnelle Ermittlungen einzuleiten", heißt es in einem Kommuniqué.

Auf Grund der Androhungen von Strafzöllen durch US-Präsident Donald Trump hat die mexikanische Regierung seit Juni 2018 Tausende Nationalgardisten in den südmexikanischen Bundesstaat Chiapas entsandt, um die Migranten aus Zentralamerika und Afrika zu stoppen. Mit dieser Maßnahme wurde ein Rückgang der Anzahl von Migranten um 58, 7 Prozent registriert.

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