Wieder Verletzte bei Protesten in Haiti

haiti_aufstand_2019.jpeg

Seit Wochen protestieren große Teile der Bevölkerung Haitis fast täglich gegen die Regierung
Seit Wochen protestieren große Teile der Bevölkerung Haitis fast täglich gegen die Regierung

Port-au-Prince. In Haiti haben Polizeieinheiten bei andauernden Protesten gegen die Regierung von Präsident Jovenel Moïse zu Wochenbeginn erneut mehrere Menschen verletzt. Nach Medienberichten wurden die bis dahin friedlichen Demonstrationen in der Hauptstadt Port-au-Prince von der Polizei attackiert. Die Ordnungskräfte gingen mit Tränengas und Schusswaffen gegen die Demonstranten vor. Lokalen Medienberichten zufolge erlitten dabei am Montag drei Demonstranten und ein Journalist Schussverletzungen.

Trotz der Rücktrittsforderung der Bevölkerung weigert sich Präsident Moïse weiterhin abzutreten. Er besteht darauf, mit Vertretern der Opposition zu einem politischen Dialog zusammenzukommen. Führende Oppositionsparteien hatten das wiederholt abgelehnt.

Die jüngste Rede des Präsidenten schürte erneut den Unmut der Bevölkerung, weil sich Moïse weigerte, die Korruption unter seiner Amtsführung zu untersuchen. Auch demonstrierte er sein Desinteresse an sozioökonomischen Verbesserungen für die Ärmsten Haitis.

"Der einzige Weg, Probleme zu lösen, besteht darin zu reden, sich hinzusetzen, zuzuhören, einander ohne Vorurteile zu betrachten und die angemessene Lösung zu finden, um die Menschen aus dem heute herrschenden Leid herauszuholen", sagte Präsident Moïse am Montag.

In Port-au-Prince gingen wenig später erneut Regierungsgegner auf die Straße. Dabei kam es zu den Angriffen der Polizei.

Haitis Außenminister Bocchit Edmond hatte der Opposition erst in der vergangenen Woche vorgeschlagen, sich mit Präsident Moïse zusammenzusetzen, um "einen Konsens zu erzielen".

Die Opposition reagierte wenig versöhnlich: Zwei Monate nach Beginn der Proteste gegen die Regierung von Präsident Jovenel Moïse in Haiti stellte sie die Weichen für eine Übergangsregierung. Vertreter von politischen Parteien und sozialen Organisationen der Opposition haben sich auf eine Reihe von Maßnahmen für den Fall geeinigt, dass Präsident Moïse zurücktritt. Organisationen wie Foro Patriótico, Mache Kontre, Pasarelle und die Konsensuale Alternative für die Wiederbegründung Haitis sowie die institutionelle Opposition unterzeichneten ein Abkommen, nach dem es eine neue Verfassung, eine souveräne nationale Konferenz, eine Justizreform und Gerichtsverfahren wegen Unterschlagung öffentlicher Mittel geben soll.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr