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Venezuela: Nach Waffenfund ermittelt Justiz gegen Juan Guaidó wegen Putschversuch

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Der venezolanische Generalstaatsanwalt Tarek William Saab bei der Erläuterung der Ermittlungen gegen Alcalá, Guaidó und weitere Personen
Der venezolanische Generalstaatsanwalt Tarek William Saab bei der Erläuterung der Ermittlungen gegen Alcalá, Guaidó und weitere Personen

Caracas. Der venezolanische Generalstaatsanwalt Tarek William Saab hat eine Untersuchung gegen den Abgeordneten und Oppositionsführer Juan Guaidó "wegen versuchten Staatsstreichs gegen Präsident Nicolás Maduro" eingeleitet. Nach der Beschlagnahme von 26 Sturmgewehren sowie Nachtsichtgeräten und Schalldämpfern im Nachbarland Kolumbien durch die dortigen Behörden hatte sich Clíver Alcalá Cordones, ein ehemaliger Generalmajor der venezolanischen Armee im Exil, öffentlich zu Anschlagsplänen in Venezuela bekannt und dabei eine Verwicklung von Guadó erwähnt.

In einer Präsentation erklärte der oberste Ankläger Venezuelas, in Kolumbien sei ein Putschversuch geplant worden und als Teil dieses Plans hätte Alcalá "unter dem von den kolumbianischen Behörden angebotenen Schutz mindestens drei Lager in dem Nachbarland organisiert, um Angriffsgruppen gegen Venezuela auszubilden". Saab benannte weitere Personen, gegen die seine Behörde ermittelt.

Der Sachverhalt erscheint widersprüchlich: Einerseits ist der Hauptverdächtige Alcalá ein prominenter Gegner der sozialistischen Regierung Venezuelas. Sein Name steht aber auch auf der Liste der US-Regierung, die diese erst am Donnerstag mit der Anschuldigung gegen die Maduro-Regierung veröffentlicht hatte, die USA mit Kokain zu überschwemmen.

In einem Interview auf der kolumbianischen Website Wradio erklärte der Ex-Militär dazu, dass der US-amerikanische Staatsanwalt, der die Liste erstellt habe, vermutlich "die vertrauliche Vereinbarung, die wir haben, nicht kennt". Alcalá berichtete weiter, dass die beschlagnahmten Waffen Teil einer Vereinbarung zwischen ihm und Guaidó mit US-Beratern gewesen seien und in einer Operation gegen Maduro eingesetzt werden sollten. Er befände sich derzeit in Barranquilla (Kolumbien), die kolumbianischen Behörden hätten mit ihm gesprochen und er versuche nicht zu fliehen. Von den Anschlagsplänen hätten weder der kolumbianische Präsident Iván Duque noch die Streitkräfte etwas gewusst.

Für die widersprüchliche Faktenlage könnte die Bemerkung von Alcalá bei Wradio eine Erklärung geben, wonach Aktionen von Kolumbien aus vorbereitet worden seien, es jedoch "viele Stolpersteine in der [venezolanische]) Opposition gibt, von Strohmännern der Opposition, die mit Strohmännern der Regierung" zusammenträfen. Sowohl für die US-Regierung als auch für die radikalsten Teile der Opposition in Venezuela und außerhalb des krisengeschüttelten Landes ist eine Annäherung zwischen der Maduro-Regierung und zu Kooperation bereiten Oppositionsgruppen das unwillkommenste Szenario.

Indes hat Venezuela von Kolumbien die Auslieferung von Alcalá und weiteren mutmaßlich beteiligten Personen verlangt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Alcalá als Befehlshaber der aufgedeckten Operation fungierte, so Generalstaatsanwalt Saab. Seine Behörde habe Haftbefehle wegen Hochverrat, illegalen Handels mit Kriegswaffen, Terrorismus und versuchten Mordes beantragt.

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