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Corona-Pandemie: Ecuador meldet über 1.900 Todesfälle in Guayaquil

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Laut Innenministerium sind in Ecuador aktuell 8.225 Corona-Infizierte bestätigt (16. April)
Laut Innenministerium sind in Ecuador aktuell 8.225 Corona-Infizierte bestätigt (16. April)

Guayaquil. In Ecuador ist die Metropole Guayaquil zum Brennpunkt des Coronavirus geworden. Die Hafenstadt leidet wie keine andere Stadt in Lateinamerika unter den Folgen der Pandemie. Über 1.900 Tote wurden dort innerhalb von zwei Wochen von einer Sondereinheit der Regierung registriert. Die Zahlen entsprechen der Entnahme von Leichen in Krankenhäusern und Heimen sowie der Ausstellung von Sterbeurkunden.

Krankenhäuser und Friedhöfe sind bereits überfüllt, obwohl das Schlimmste mutmaßlich noch bevorsteht.

"Es gibt keinen Platz für die Lebenden oder für die Toten", sagt Guayaquils Bürgermeisterin Cynthia Viteri. Laut Viteri fallen 71 Prozent der bestätigten Covid-19-Fälle auf Guayaquil.

Die Behörden rechnen in den kommenden Wochen in der Provinz Guayas, deren Hauptstadt Guayaquil ist, mit bis zu 3.500 Toten. Wegen fehlender Tests ist eine genaue Erfassung der mit dem Virus infizierten oder verstorbenen Personen im Land jedoch nicht möglich. "Patienten sterben, ohne jemals getestet worden zu sein. Es gibt keinen Platz, keine Zeit oder Ressourcen, um weitere Tests durchzuführen, um herauszufinden, ob sie am Coronavirus gestorben sind oder nicht. Die Zahl wird erst bekannt sein, wenn diese Tragödie, dieser Alptraum, hier endet", so Viteri.

Am 16. März rief Ecuadors Präsident Lenín Moreno den gesundheitlichen Notstand im Land aus. Trotz einer Reihe von Maßnahmen, wie Ausgangssperren und Mobilitätseinschränkungen, nimmt die Anzahl der Todesfälle im Land rasant zu.

Auch auf der Halbinsel Santa Elena, die an die Provinz Guayas angrenzt, sind in den letzten zwei Wochen mehr als 200 Menschen gestorben, ohne dass bekannt ist, ob alle Fälle mit der Pandemie in Zusammenhang stehen. Die meisten Todesfälle waren auf einen Atemstillstand oder andere Symptome zurückzuführen, die dem Coronavirus entsprechen. Dies hat die Bevölkerung veranlasst, die Behörden zum Eingreifen aufzufordern.

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Laut Bericht der Innenministerin María Paula Romo vom 16. April sind aktuell von 27.868 landesweit entnommenen Proben 8.225 Corona-Infizierte bestätigt, 403 von ihnen sind gestorben. Zusätzlich gibt es weitere 632 Tote im Land, die "wahrscheinlich Opfer von Covid-19" sind. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt.

Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie kündigte Moreno für sich und seine Kabinettsmitglieder eine 50-prozentige Kürzung des Gehaltes an. Dem schlossen sich weitere Staatsbeamte an, darunter auch Abgeordnete der Nationalversammlung.

Moreno hatte zuvor verschiedene wirtschaftliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie bekannt gegeben.

So will die Regierung ein "Konto für humanitäre Hilfe" einrichten, das für neun Monate aus dem Beitrag von fünf Prozent der Gewinne der Unternehmen, die 2018 mehr als eine Million Dollar verdient haben, und dem ansteigendem Beitrag der Arbeitnehmer mit einem Gehalt von mehr als 500 Dollar gespeist werden soll. Diese Ankündigung löste Kritik bei indigenen Gruppen, Gewerkschaften und Geschäftsleuten aus, die erklärten, sie hätten wegen der Pandemie Liquiditätsprobleme.

Die Fluglinie LATAM Airlines Group hat indes ein Luft-Solidaritätsprogramm (Avión Solidario) eingerichtet, mit der sie medizinische Geräte, Verbrauchsmaterialien und Hilfsgüter an Orte, zu denen der Zugang eingeschränkt ist, mit Sonderflügen transportiert. Auch weitere Unternehmen versuchen angesichts der Corona-Pandemie ihre Ressourcen anders einzusetzen, beispielsweise zur Herstellung von antibakteriellem Gel.

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