Mexiko: Überreste eines der verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa identifiziert

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Der Körper von Christian Alfonso Rodríguez Telumbre, einem der im Jahr 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa, wurde nun identifiziert
Der Körper von Christian Alfonso Rodríguez Telumbre, einem der im Jahr 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa, wurde nun identifiziert

Mexiko-Stadt. Die Identifizierung von Überresten des Körpers von einem der 43 verschwundenen mexikanischen Studenten aus Ayotzinapa nährt die Hoffnung, dass der Fall doch noch aufgeklärt werden könnte. Wie aus einem Bericht der Universität in Innsbruck hervorging, konnte Christian Alfonso Rodríguez Telumbre anhand eines Knochens des rechten Fußes identifiziert werden. Die Knochen waren zwischen dem 20. und 28. November 2019 bei Ermittlungen der mexikanischen Behörden in Barranca der La Carnicería (Metzgereischlucht) in Cocula, Guerrero, gefunden worden.

Mercedes Doretti, Mitgründerin und Leiterin von EAAF, einer argentinischen Einheit für anthropologische Forensik, hatte zusammen mit Vertretern der mexikanischen Regierung persönlich die Nachricht an seine Eltern überbracht. Sie und ihr Team arbeiten seit 2014 in dem auch unter dem Namen "Iguala" bekannten Fall. In der Stadt Iguala waren die Studenten damals verschwunden.

Das EAAF-Team analysierte nun die gewonnenen Beweise von Barranca La Carnicería. Dabei waren mehr als 100 Knochenfragmente, die hohen Temperaturen ausgesetzt waren, stark zerstückelt und verändert. Sie konnten trotzdem mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens zwei Personen zugeordnet werden.

Nachdem das EAAF die Identifizierung in der Öffentlichkeit bekanntgab, hielt Alejandro Encinas Rodríguez, Vorsitzender der Wahrheitskommission für Ayotzinapa, eine Pressekonferenz ab. Encinas bekräftigte dabei, dass dieses Ergebnis ein Resultat "des Brechens des Schweigens" sei. Dabei wirbt die mexikanische Regierung dafür, Information über Tausende von Verschwundenen im Land anonym anzuzeigen.

María Luisa Aguilar, Menschenrechtsverteidigerin und Beteiligte an den Untersuchungen im Fall Iguala, ist der Meinung, dass dieses Ergebnis ein Durchbruch in den Ermittlungen sei. "Alle in dem Fall beteiligten Behörden müssen wegen Unterlassung oder Manipulation untersucht werden."

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"Weitere der gefundenen Überreste werden an die Medizinuniversität in Innsbruck geschickt", informierten nun die Anwälte und Vertreter der Eltern der 43 Lehramtsstudenten auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit Präsident Andrés Manuel López Obrador am Freitag.

Vidulfo Rosales, Anwalt der Eltern, betonte, dass die Identifizierung von Christian Rodríguez eine Folge der neuen Ermittlungslinien sei. Damit dürfte "die historische Wahrheit", die Tomás Zerón de Lucio, damaliger Leiter der Bundeskriminalpolizei anhand falscher Aussagen und manipulierter Ermittlungen konstruiert hatte, endgültig entkräftet sein. Laut dieser hätten drei Mitglieder der Drogenbande Guerreros Unidos die 43 Lehramtsstudenten in einer Müllkippe in der Gemeinde Cocula lebend verbrannt. Gegen Zerón de Lucio ist bereits ein internationaler Haftbefehl erlassen worden.

Die Eltern der 43 Verschwundenen waren bei der Pressekonferenz nicht dabei. "Sie brauchen Zeit, um das zu verarbeiten", betonten ihrer Vertreter.

Auch im Fall des bereits festgenommenen José A. Covarrubias Salgado ("El Mochomo"), einem Anführer der Drogenbande Guerreros Unidos zum Zeitpunkt des Verschwindenlassens der 43 jungen Männer, soll es nun zu einem Prozess kommen, so Encinas.

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