Experten sollen zu Massaker von Ayotzinapa in Mexiko wieder ermitteln

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Protest der Eltern der 43 verschwundenen Lehramtsstudenten vor der Staatsanwaltschaft in Chilpancingo, Guerrero, Mexiko
Protest der Eltern der 43 verschwundenen Lehramtsstudenten vor der Staatsanwaltschaft in Chilpancingo, Guerrero, Mexiko

Mexiko. Die mexikanische Regierung und die Interamerikanische Menschenrechtskommission (Comisión Interamericana de Derechos Humanos, CIDH) haben sich auf die Wiedereinsetzung einer unabhängigen Expertenkommission im Fall der seit 2014 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa geeinigt. Die Interdisziplinäre und unabhängige Expertengruppe (Grupo Interdisciplinario de Expertos Independientes, GIEI) war von der Vorgängerregierung unter Präsident Enrique Peña Nieto (2012-2018) in ihrer Arbeit massiv behindert worden.

Nun wird die GIEI ihre 2014 begonnene Ermittlungsarbeit im Fall der 43 jungen Männer wieder aufnehmen und gegebenenfalls an den Stand der Erkenntnisse anpassen können. Darüber hinaus wird sie den mexikanischen Behörden bei technischen Analysen assistieren und freien Zugang zu den Ermittlungsakten haben. Die mexikanische Regierung soll die entsprechenden Befugnisse erteilen, damit die Expertengruppe ihr Mandat effektiv erfüllen kann, heißt es in dem Kommuniqué der CIDH.

Vier Fachleute – Àngela Buitrago aus Kolumbien, Carlos Beristein aus Spanien, Francisco Cox aus Chile und Claudia Paz aus Guatemala – werden die Kommission bilden. Das Team kam bereits 2014 nach Mexiko, um den Verbleib der jungen Männer zu ermitteln, bis die Regierung von Peña Nieto dessen weiteren Aufenthalt in Mexiko 2016 verweigerte und es die Arbeit unvollständig abbrechen musste.

Nun wird das Team zunächst neun Monate in Mexiko bleiben. Der erste Bericht soll drei Monate nach Arbeitsbeginn vorgelegt werden.

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Die Vereinbarung zwischen der CIDH und dem mexikanischen Staat erfolgte auf Gesuch der Eltern der 43 Lehramtsstudenten im Dezember 2019. Die Ermittlungen der mexikanischen Behörden haben bis jetzt keinen konkreten Hinweis über den Verbleib ihrer Kinder erbracht.

Die 43 jungen Männer waren in der Nacht zum 27. September 2014 in der kleinen Stadt Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero von Bundespolizisten angegriffen und verschleppt worden. Seitdem fehlt von ihnen jeder Spur.

Im Januar 2015 veröffentlichte der damalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam einen Bericht, der für sich die "historische Wahrheit" in Anspruch nahm. Nach dem Papier sollen drei Mitglieder der Drogenbande Guerreros Unidos die 43 Lehramtsstudenten auf einer Müllkippe lebend verbrannt haben. Die vier GIEI-Experten haben diese Darstellung damals bis ins Detail widerlegt.

2018 wurde unter der Regierung des amtierenden Präsidenten Andrés Manuel López Obrador die Wahrheitskommission Ayotzinapa gegründet. Dennoch wurden die Ermittlungen bislang nicht weitergeführt. Erst im März dieses Jahres wurde ein internationaler Haftbefehl gegen Tomás Zerón de Lucio, den damaligen Leiter der Kriminalpolizei (Agencia de Investigación Criminal, AIC) erlassen. Zerón de Lucio hatte zu dem Bericht über die "historischen Wahrheit" beigetragen.

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