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Massive Kürzungen bei öffentlichen Hochschulen in Ecuador

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Die medizinische Fakultät der Universidad Central del Ecuador (UCE) in Quito, die älteste und größte Universität Ecuadors
Die medizinische Fakultät der Universidad Central del Ecuador (UCE) in Quito, die älteste und größte Universität Ecuadors

Quito. Die Regierung unter Guillermo Lasso hat Haushaltskürzungen von insgesamt 45 Millionen Dollar im höheren Bildungssektor beschlossen. Die Maßnahme betrifft insgesamt 29 staatliche Universitäten und Fachhochschulen. Dabei handelt es sich um einen steuerlichen Betrag, den die Universitäten normalerweise für ihre Einkommenssteuer zurückerhalten.

Die Kürzungen, gegen die es breiten Protest gibt, stürzen die Hochschulen in eine wirtschaftliche Krise. Sie betreffen Stipendienprogramme, zukünftige Studienplätze, die Forschung sowie die Gehälter und Arbeitsplätze von Lehrkräften.

Am kommenden Donnerstag werden Studierende und Lehrpersonal gemeinsam dagegen protestieren. Beteiligt sind vier Organisationen aus dem Hochschulbereich: die Verbände der Student:innen Ecuadors (FEUE),'der Professor:innen, der Universitätsbediensteten und der Gelegenheitsdozent:innen an Hochschulen. Letztere machen die Hälfte des Lehrkörpers in Institutionen der höheren Bildung aus. Die größten Demonstrationen werden für die Hauptstadt erwartet, da sich dort auch die 29 Repräsentant:innen der betroffenen Hochschulen beteiligen werden.

Dem Vorsitzenden der FEUE, Mauricio Chiluiza, zufolge haben die Kürzungen der letzten fünf Jahre zu einem Verlust von insgesamt fast 650 Millionen Dollar geführt. Im Mai 2020 mobilisierten mehrere staatliche Hochschuleinrichtungen vergebens gegen eine Kürzung des Hochschulbudgets von insgesamt 98 Millionen Dollar, die von der Regierung des damaligen Präsidenten Lenín Moreno (2017-2021) beschlossen worden war. Begründet wurde dies mit den hohen Gesundheitsausgaben in der Covid-19-Krise.

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Während der Regierungszeit von Präsident Rafael Correa und der "Bürgerrevolution" (2007-2017) investierte das Land massiv in die höhere Bildung. Mit Ausgaben von 2,1 Prozent des BIP lag Ecuador in diesem Bereich an erster Stelle der lateinamerikanischen Staaten und ebenso vor dem Durchschnitt der OECD-Mitgliedsstaaten.

Laut Fernando Sempértegui Ontaneda, dem Rektor der Zentraluniversität von Ecuador (UCE) haben die Universitäten mit einer teilweisen Rückerstattung der Kürzungen von 2020 gerechnet. "Wir wären nicht in der Lage, die Gehälter der Lehrkräfte aufrechtzuerhalten, ganz zu schweigen von den Neueinschreibungen", so Ontaneda.

Die Ausgaben der Regierungen für die Forschung und Hochschulbildung sind gemäß aktuellen Statistiken in den letzten fünf Jahren stetig gesunken. Wer es sich leisten kann, bevorzugt für seine Kinder eine private Hochschule, da diese besser ausgestattet sind und die Plätze an öffentlichen Universitäten sehr begrenzt sind. Jedoch sind auch private Universitäten mit Finanzierungsproblemen konfrontiert. Acht private, teilstaatlich finanzierte Hochschulen haben ihre Stipendienprogramme einstellen müssen, da der Hochschulrat (CES) beschlossen hat, die Mittel für Stipendien um mehr als zwölf Millionen Dollar zu kürzen.

Zurzeit suchen die Hochschulen nach Alternativen, um die erwarteten Kürzungen zu kompensieren und schlagen einen Dialog mit der Regierung vor. Sie fordern außerdem die Umsetzung des sogenannten Organischen Gesetzes der Interkulturellen Bildung (LOEI), das derzeit vom Verfassungsgericht und der Regierung blockiert wird. Es soll das öffentliche Bildungssystem umstrukturieren und interkultureller gestalten (amerika21 berichtete).

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