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Brasilien plante einen Militärschlag gegen Uruguay

Neue Enthüllungen: Diktatur wollte 1971 im Falle eines Wahlsiegs der Linken das Nachbarland militärisch erobern. USA unter Präsident Nixon stärkten Regime im militärischen Vorgehen

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Kriegsvorbereitungen 1971: Brasiliens Präsident Emílio Garrastazu Médici beim Staatsbesuch im Weißen Haus bei Richard Nixon
Kriegsvorbereitungen 1971: Brasiliens Präsident Emílio Garrastazu Médici beim Staatsbesuch im Weißen Haus bei Richard Nixon

Brasília/Washington/Montevideo. Die brasilianische Militärdiktatur (1964-1985) hat geplant, das Nachbarland Uruguay im Falle eines Wahlsiegs des linken Parteienbündnisses Frente Amplio im Jahr 1971 militärisch zu erobern. Ziel der geplanten Invasion: Eine weitere linke Regierung nach dem Vorbild von Salvador Allende in Chile oder von Fidel Castro in Kuba in Lateinamerika zu verhindern. Dies berichtet das brasilianische Nachrichtenportal UOL nach Auswertung von US-Geheimdienstunterlagen.

Danach sollten die brasilianischen Streitkräfte das Nachbarland binnen 30 Stunden unter ihre Kontrolle bringen, um einen möglichen Beistand Argentiniens für Uruguay zu verhindern. Entsprechend wurde die Invasion auf den Namen "Operation 30 Stunden" getauft. Anschließend sollte in Montevideo eine Militärregierung installiert werden.

Die damalige US-Regierung unter dem Republikaner Richard Nixon (1964-1971) habe die Pläne nicht nur mitgetragen, sondern selbst auf militärisches Handeln gedrängt, um linke Bewegungen in Lateinamerika zu bekämpfen, berichtet UOL weiter. Laut einem geheimen Telegramm des US-Botschafters in Brasilien, Willian Rountree, sollte Brasilien im Fall einer Übernahme weitere "Hilfe" an Uruguay "in Form von Waffen, Training und Finanzhilfe" leisten.

Wie aus den Unterlagen zudem hervorgeht, war die militärische Intervention ein Wunsch des amtierenden uruguayischen Präsidenten, Jorge Pacheco Areco (1967-1972), von der reaktionären Colorado-Partei. Dieser befürchtete, der Kandidat der Frente Amplio, Líber Seregni, könnte sich bei den Wahlen als sein Nachfolger durchsetzen. Der Einmarsch brasilianischer Truppen wurde verhindert, weil der rechte Kandidat Juan María Bordaberry mit 41 Prozent gegenüber 18 Prozent von Serengi mittels eines Wahlbetrugs gewann. Auch daran seien Brasiliens Machthaber beteiligt gewesen, heißt es. Zwei Jahre später installierte Bordaberry eine blutige Militärdiktatur in Uruguay, die bis 1985 dauerte.

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Die Informationen über die "Operation 30 Stunden" stammen aus einer Sammlung von diplomatischen und geheimdienstlichen Dokumenten aus den 1970er Jahren, die das US-Außenministerium im Jahr 2015 freigab. Der damalige US-Präsident Barack Obama hatte die Geheimdienstklassifikation nach einem Besuch seiner brasilianischen Amtskollegin, Dilma Rousseff, herabgestuft. Infolgedessen verbesserten sich die US-brasilianischen Beziehungen.

Bereits damals berichtete die Zeitschrift Carta Capital unter Berufung auf diese Sammlung, dass die US-Regierungen stets genau über die Verbrechen der knapp 20 Jahren andauernden Militärdiktatur in Brasilien unterrichtet waren. US-Diplomaten in Rio de Janeiro informierten Washington regelmäßig und detailliert über Folter und Morde an Oppositionellen.

Brasiliens Verteidigungsministerium hat die jüngsten Enthüllungen bisher nicht kommentiert.

Während in Brasilien bisher kein Militär für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurde, hat Uruguay vor Langem damit begonnen, seine Militärdiktatur aufzuarbeiten. Von den fast 300 Anklagen im Land führten bislang 42 Prozent zu einer Verurteilung. Erst kürzlich wurden sieben ehemalige Offiziere wegen Folter in den Jahren 1975 bis 1977 zu Haftstrafen verurteilt. Drei von ihnen sitzen bereits eine Haftstrafe wegen ähnlicher Verbrechen ab.

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