Brasilien / Soziales

Neue Untersuchung: Aggression und Gewalt gegen Indigene in Brasilien nehmen zu

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Die Gewalt gegen Indigene in Brasilien nimmt immer mehr zu, dies bestätigt auch ein kürzlich erschienener Bericht
Die Gewalt gegen Indigene in Brasilien nimmt immer mehr zu, dies bestätigt auch ein kürzlich erschienener Bericht

Brasília. Der jährlich herausgegebene Bericht "Gewalt gegen die Indigenen Völker Brasiliens" des Indigenisten-Missionsrats (Conselho Indigenista Missionário, Cimi) zeigt auch in diesem Jahr eine enorme Verschlechterung der Zustände in den indigenen Regionen.

In dem aktuellen Dokument wurden die Zahlen von 2020 mit denen der Vorjahre verglichen. Die Daten selbst stellt vor allem die Organisation der Indigenen Völker Brasiliens (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil, APIB) zur Verfügung.

Der Bericht befasst sich zunächst mit dem Thema Gewalt gegen Eigentum. Insgesamt kam es im Jahr 2020 zu 1.191 Fällen von Gewalt gegen das Eigentum der indigenen Völker, darunter vor allem Konflikte um territoriale Rechte (96 Fälle), Untätigkeit und Herauszögerung bei der Landregulierung (832 Fälle) und illegale Ausbeutung und Invasion sowie Sachbeschädigung (263 Fälle).

Bezüglich der Gewalt gegen Personen zeigt der Bericht auf, dass es insgesamt 304 nachgewiesene Fälle physischer Gewalt gegen Indigene gab. Darunter unter anderem Morddrohungen (17 Fälle), Totschlag (16 Fälle) ebenso wie Körperverletzungen, Rassismus und ethnische und kulturelle Diskriminierung. Auch fünf Fälle von sexualisierter Gewalt wurden gezählt. Im Vergleich zum Jahre 2019 stieg die Zahl der ermordeten Indigenen um 61 Prozent auf insgesamt 182 Opfer an.

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Zusätzlich nahmen sich 110 indigene Personen das Leben und 776 Kinder starben bereits im Alter bis zu fünf Jahren.

Insgesamt sind 201 Gebiete, 145 indigene Gruppen in 19 brasilianischen Staaten von den unterschiedlichen Formen der Gewalt betroffen. Allem voran steht das Eindringen von illegalen Bergarbeiter:innen und Holzfäller:innen in die indigenen Gebiete. Allein in der Region der Yanomami Indigenen im Norden Brasiliens schätzt man die Anwesenheit von etwa 20.000 illegalen Arbeiter:innen. Die indigenen Gruppen klagen regelmäßig die Gewalt gegen sie und ihre Gebiete an. Zuletzt starben zwei indigene Kinder, nachdem sie von einer Maschine unter Wasser gezogen wurden und ertranken.

Durch die Corona-Pandemie spitzte sich die Situation weiter zu. Seit Beginn der Pandemie infizierten sich mehr als 43.000 Indigene, 900 starben bereits an den Folgen der Erkrankung. Besonders problematisch ist jedoch, dass viele indigene Gruppen erst durch die Anwesenheit von illegalen Arbeiter:innen mit dem Virus in Kontakt kamen.

Eine Zusammenfassung des Berichts wurde in Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch veröffentlicht. Die Internetseite Caci bietet zudem die Möglichkeit, genauere Informationen zu den unterschiedlichen Gewalttaten gegen Indigene zu erfahren und ordnet diese zudem geografisch ein. 

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