Kolumbien / Politik / Soziales

Start der Landreform in Kolumbien: Regierung vergibt Landtitel für mehr als 680.000 Hektar

ministerin_leiter_der_ant_mit_landtiteln.jpg

Landwirtschaftsministerin, Clara López (Mitte), und Leiter der Nationalen Landagentur, Gerardo Vega (rechts), mit Landtitel-Urkunden in der Hand
Landwirtschaftsministerin, Clara López (Mitte), und Leiter der Nationalen Landagentur, Gerardo Vega (rechts), mit Landtitel-Urkunden in der Hand

Bogotá. Die Landwirtschaftsministerin von Kolumbien, Cecilia López, hat die Landtitelvergabe von 683.384 Hektar Land an 12.600 Kleinbäuer:innen, Indigene und afrokolumbianische Gemeinden in 19 Departamentos angekündigt. Die Regierung will die Übergabe der Grundstücksurkunden bis November abgeschlossen haben.

Es geht dabei vor allem darum, den Besitz von Ländereien zu legalisieren. Große Teile der kleinbäuerlichen Bevölkerung leben von Grundstücken, die sie formell nicht besitzen. Der Mangel an Landtiteln erzeugt Landkonflikte und verhindert den Antrag auf staatliche Hilfen.

"Der Übergang zur Legalität, zur Formalität, bedeutet, Zugang zu allen Mitteln zu haben, die die Regierung der auf dem Land arbeitenden Bevölkerung zur Verfügung stellt. Diese hatte vorher nicht die Möglichkeit, mit staatlicher Unterstützung zu produzieren. Es ist eine klare Botschaft, dass unsere Agrarpolitik Realität wird", sagte López. Sie erfülle außerdem das Friedensabkommen.

Die Titel sind zunächst in den Händen der Nationalen Landagentur (Agencia Nacional de Tierras, ANT). Die Behörde wird sie "den begünstigten Familien in den Regionen, den Gemeinden, im Dorf, im Landbezirk zukommen lassen, manchmal durch die ANT selbst, manchmal in Begleitung der Ministerin", sagte der Leiter der ANT, Gerardo Vega. "Wir werden versuchen, den Präsidenten der Republik bei einer der Vergaben dabei zu haben", so Vega.

Die extrem hohe Konzentration der Ländereien in wenigen Händen gehört zu den größten Problemen in Kolumbien. Nur 0,4 Prozent der Bevölkerung besitzen 46 Prozent des ländlichen Bodens. Die Titelvergabe soll für den Anfang den Prozess der Landreform beschleunigen. Dieser ist normalerweise langsam und schwerfällig, dient aber als Tor zur "integralen ländlichen Entwicklung", die eine der Prämissen des Friedensabkommens zwischen der ehemaligen Farc und dem Staat ist.

Zu dieser ersten großen Vergabe von Landtiteln gehören zehn Schutzzonen der Indigenen, deren Formalisierungsprozess von rund 300.000 Hektar bereits weit fortgeschritten war. Dies wird 1.000 Familien zugutekommen.

Die Herausforderungen der Regierung seien enorm, betonte Vega. Das Ziel sei, drei Millionen Hektar Land landlosen Familien zuzuteilen und weitere sieben Millionen Hektar zu formalisieren. Somit würde der Staat seinen Verpflichtungen in Bezug auf den im Jahr 2016 unterschriebenen Friedensvertrag mit der Farc nachkommen.

Die Verkündung der Regierung Petro ereignet sich inmitten von Landbesetzungen durch kleinbäuerliche Basisorganisationen und Aufrufe von großgrundbesitzenden Eliten zu deren Bekämpfung. Durch die Mobilmachung der großgrundbesitzenden Kreise fühlen sich Teile der Gesellschaft an die Anfänge des Paramilitarismus in den 1980er-Jahren erinnert.

"Der Paramilitarismus wuchs, weil der Staat ihn unterstützte. Mehr noch: Der Staat hat den Paramilitarismus kreiert", sagte Präsident Petro unlängst in einem Interview. "Sollte dasselbe wieder beabsichtigt werden, wird der Staat ihn [den Paramilitarismus] dieses Mal nicht stützen. In diesem Sinne sage ich diesen Menschen, die immer noch zu denken wagen, dass die Geschichte sich wiederholen wird, ihnen teile ich hier mit: Wir werden es nicht zulassen.“

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr