Belém. Die Lieferketten verschiedener Luxusmodemarken beziehen Leder aus illegaler Viehzucht in der Amazonasregion. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der britischen NGO Earthsight. Besonders betroffen ist Pará, mit circa 1,25 Millionen Quadratkilometern der flächenmäßig zweitgrößte Bundesstaat Brasiliens und ein Zentrum der Rinderzucht im Land. In Pará, in dessen Hauptstadt Belém im November 2025 die COP30-Klimakonferenz stattfinden wird, sind seit 2001 mehr als 18,6 Millionen Hektar Regenwald zerstört worden, um Platz für Viehzucht auch in indigenen Gebieten zu schaffen. Die abgeholzte Fläche entspricht etwa dem Doppelten der Landesfläche Portugals.
Die von Earthsight durchgeführten Undercover-Recherchen und Befragungen sowie Analysen von Transportaufzeichnungen, offiziellen brasilianischen Daten und Satellitenbildern enthüllen dramatische Zusammenhänge.
Rund 80 Prozent des brasilianischen Leders werden international exportiert. Laut Studie gehen rund 90 Prozent des aus Pará nach Europa exportierten Leders nach Italien. Einer der größten Exporteure ist die Firma Durlicouros, die zwischen 2020 und 2023 über 14.700 Tonnen Leder nach Italien lieferte. Davon wurde fast ein Viertel von den Gerbereien Conceria Cristina und Faeda in der italienischen Region Venetien verarbeitet und in italienisches Leder umbenannt. Die italienischen Unternehmen beliefern viele Marken aus dem Mode- und Automobilbereich, beispielsweise Chanel, Balenciaga und Gucci. Ein anderer Teil wird demnach von der US-amerikanischen Marke Coach verwendet.
Die Häute der geschlachteten Rinder werden meist zur Lederproduktion verwendet, was die Viehzucht rentabler macht. Durlicouros bezieht Rinderhäute unter anderem vom Fleischverarbeitungsbetrieb Frigol, der in illegal abgeholzten Gebieten gezüchtete Rinder kauft. Frigol ist eines der fünf größten Fleischunternehmen Brasiliens und kann laut Earthsight in seinen Anlagen in Pará bis zu 2.400 Rinder pro Tag schlachten. Im Oktober 2024 verhängte die brasilianische Umweltbehörde IBAMA eine Geldstrafe gegen Frigol und andere Betriebe wegen des Kaufs von 18.000 Rindern aus illegal abgeholzten Regenwaldgebieten in den Bundesstaaten Pará und Amazonas.
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Auch 2019 kaufte Frigol laut ausgewerteten Dokumenten 3.643 Rinder aus illegaler Haltung einer Farm in São Félix do Xingu, die Rinder in den indigenen Territorien in Pará hält. Betroffen ist das Territorium der Apyterewa, das im Süden von Pará liegt und 773.000 Hektar umfasst. Dafür wurde das Unternehmen mit einer Geldstrafe von fast zwei Millionen R$ (etwa 313.200 Euro) belegt. Dennoch kaufte Frigol laut britischer NGO bis Oktober 2023 weiterhin Rinder aus Gebieten, in denen Viehhaltung verboten ist. Die Satellitenbilder belegen zudem, dass die Aufforstung der illegal abgeholzten Fläche ausbleibt.
Das Territorium Apyterewa ist das angestammte Land der Parakanã und einer der schlimmsten Fälle von Abholzung in Brasilien. Jahrzehntelange Invasionen durch Landräuber haben es zum am stärksten abgeholzten indigenen Gebiet im brasilianischen Amazonasgebiet gemacht. Von 2008 bis 2023, vor allem während der Amtszeit des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro, wurden 476 Quadratkilometer Wald gerodet – eine Fläche größer als New York City. Im Jahr 2024 deckte die brasilianische Bundesanwaltschaft die systematische Fälschung von Tiertransportgenehmigungen auf, um die illegale Herkunft aus Apyterewa zu verschleiern.
Die Untersuchung von Earthsight verdeutlicht die Defizite der Zertifizierung bei der Gewährleistung nachhaltiger Lederlieferketten. Die italienischen Gerbereien und Durlicouros sind etwa trotz der Verstöße von der Leather Working Group (LWG) zertifiziert. Da keine Rückverfolgbarkeit bis zu den Farmen verlangt wird, bleiben die ganz zu Anfang stattfindenden Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen unberücksichtigt.
Neue europäische Gesetze wie die EU-Entwaldungsverordnung und das britische Umweltgesetz verbieten Produkte, die mit Abholzung und illegalen Aktivitäten in Verbindung stehen. Diese Gesetze werden jedoch von einigen Hauptverursachern umgangen. Angesichts der aufgedeckten Verstöße fordert der Bericht die Luxusgüterunternehmen auf, strengere Maßnahmen und Kontrollen zu ergreifen und sicherzustellen, dass in ihren Lieferketten kein Leder aus Abholzung enthalten ist.

