Leticia. Am 7. August hat der kolumbianische Präsident Gustavo Petro in Leticia im Amazonasgebiet die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag geleitet. Dabei ging es auch um den Streit um die umstrittene Isla Santa Rosa im Amazonas. In einer Ansprache unterstrich er die ablehnende Haltung Kolumbiens gegenüber der peruanischen Souveränität über die Insel. Er betonte, dass sie "weder Kolumbien noch Peru zugeordnet wurde" und bezeichnete die peruanische Schaffung des Distrikts Santa Rosa de Loreto als "einseitigen Akt", der bestehendes Völkerrecht verletze.
Kolumbien bestreitet die peruanische Souveränität über die Insel, da sie bei den Grenzverträgen von 1922 (Salomón-Lozano) und 1934 (Protokoll von Rio de Janeiro) noch nicht existierte. Peru hingegen beruft sich auf die historischen Verträge sowie die fortlaufende administrative Kontrolle, unter anderem durch die Errichtung des neuen Distrikts Santa Rosa de Loreto im Juni 2025, um die lokale staatliche Präsenz zu stärken und öffentliche Dienste zu gewährleisten. Die Insel liegt im strategisch bedeutsamen Dreiländereck zwischen Kolumbien, Peru und Brasilien und ist Heimat einer Bevölkerung von knapp 3.000 Menschen.
Petro erklärte seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer gemeinsamen Grenzkommission mit Peru. Das Treffen soll am 11. und 12. September in Lima stattfinden.
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Am selben Tag gingen landesweit Unterstützer:innen des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe in über 25 Städten auf die Straße. Sie protestierten unter dem Motto "Marsch für Freiheit und Demokratie", um Solidarität mit dem verurteilten ultrarechten Politiker zu zeigen. Er war vor wenigen Tagen wegen Prozessbetrugs und Zeugenbestechung zu zwölf Jahren Hausarrest und acht Jahren Amtsverbot verurteilt worden. Zudem werden ihm schwere Straftaten wie Paramilitarismus und Mord in tausenden Fällen von falsos positivos vorgeworfen (amerika21 berichtete).
Die Proteste fanden vor allem in Bogotá, Medellín, Cali und Barranquilla statt. Insbesondere in seiner Geburtsstadt Medellín und in der Küstenstadt Barranquilla kam es zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrierenden, wobei die Polizei einschritt. In Medellín startete die Kundgebung um 9 Uhr an der Avenida Oriental und wuchs im Verlauf auf etwa 11.000 Teilnehmende an. Auch im Ausland fanden Solidaritätsaktionen statt, unter anderem in Miami, New York und verschiedenen Metropolen in Spanien.


