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Grenzkonflikt zwischen Peru und Kolumbien im Amazonas

Zwei kolumbianische Vermesser auf Santa Rosa festgenommen. Sie nutzten GPS ohne Genehmigung. Ein Jahr Bewährung, fünf Jahre Einreiseverbot

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Die peruanische Flagge weht im Wind im Amazonas auf der Insel Santa Rosa.
Die peruanische Flagge weht im Wind im Amazonas auf der Insel Santa Rosa.

Lima/Bogotá. Der Grenzkonflikt zwischen Peru und Kolumbien im Amazonasgebiet hat sich im August erneut verschärft. Bewohner:innen der Insel haben in den letzten Wochen demonstriert, viele fühlen sich eher Peru zugehörig. Die Insel ist seit Jahrzehnten infrastrukturell vernachlässigt. Rund 3.000 Menschen leben ohne fließendes Wasser, Kanalisation oder eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Viele sind auf Städte in Kolumbien oder Brasilien angewiesen, wenn sie etwa zum Arzt müssen. "Unsere Insel leidet unter vielen Mängeln und wir hoffen, dass Peru uns nicht vergisst", sagte Marcos Mera, der ein Restaurant und eine Tanzhalle betreibt, gegenüber AP News.

Diese Botschaft fand Gehör: Perus Präsidentin Dina Boluarte besuchte Santa Rosa am 15. August. Bei ihrem ersten offiziellen Besuch betonte sie öffentlich, dass die vernachlässigten Grenzbevölkerungen nun Aufmerksamkeit verdienten. Ihre Aussage: "Unsere Grenze ist keine Frage, Santa Rosa de Loreto gehört zu Peru und bleibt unser Territorium."

Der Besuch Boluartes kann auch als Antwort auf eine symbolische Aktion aus Kolumbien gelesen werden. Nur wenige Tage vorher hatte der ehemalige Bürgermeister von Medellín, Daniel Quintero, auf der benachbarten Insel Chinería die kolumbianische Flagge gehisst. Begleitet wurde dieser Vorfall von einem Überflug kolumbianischer Militärflugzeuge sowie dem Versuch kolumbianischer Polizist:innen, per Boot auf die Insel zu gelangen.

Kurz zuvor wurden zwei kolumbianische Topografen auf der Insel an der Dreiländergrenze mit Brasilien festgenommen. Sie waren dabei überrascht worden, als sie mit satellitengestützten GPS-Geräten Vermessungen durchführten, offenbar ohne die erforderlichen Genehmigungen. Daraufhin ordnete die Justiz eine siebentägige Untersuchungshaft wegen des Verdachts auf "Angriff gegen die nationale Souveränität" an. Die beiden Arbeiter wurden am 21. August zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt und dürfen für fünf Jahre nicht mehr nach Peru einreisen.

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Parallel dazu warnte eine Studie der Nationaluniversität von Kolumbien, dass Leticia – die wichtigste kolumbianische Stadt im Amazonasgebiet – bis 2030 isoliert sein könnte und Kolumbien seinen direkten Zugang zum Amazonas verlieren würde. Die Region verändert sich ständig, da sich die Flussläufe des Amazonas jedes Jahr um einige Meter verschieben. Die umstrittene Insel gab es bei der Festlegung der Grenzen im Jahr 1934 noch nicht. 

Präsident Gustavo Petro vertritt die Auffassung, dass die Insel Santa Rosa nicht rechtmäßig Peru zugesprochen wurde, und bezeichnet die Schaffung des Distrikts Santa Rosa durch Lima als einseitigen Akt. Er setzte ein symbolisches Zeichen, indem er die Feierlichkeiten zum kolumbianischen Unabhängigkeitstag nach Leticia verlegte und damit die strategische Bedeutung des Amazonas für sein Land hervorhob.

Der Streit geht zurück auf den Vertrag von Rio de Janeiro aus dem Jahr 1934, der nach dem kolumbianisch-peruanischen Krieg die Grenzen im Amazonasgebiet festlegte. Kolumbien argumentiert, dass Santa Rosa damals nicht in die Abgrenzung einbezogen wurde, während Peru seine Souveränität mit der Schaffung des Distrikts sowie mit nationalen Dokumenten untermauert.