Houston/New York. Das Ölunternehmen Citgo bezieht zum ersten Mal seit fast sieben Jahren wieder Rohöl aus Venezuela. Der ehemalige venezolanische Staatskonzern wurde von den USA 2019 im Zuge der Strategie des maximalen Drucks enteignet – es handelte sich hierbei um das größte Staatsvermögen Venezuelas im Ausland.
Die Wiederaufnahme der Erdöllieferungen folgt auf den US-Überfall und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar, bei dem nach Angaben Venezuelas bis zu 100 Menschen starben.
Laut anonymen Quellen soll Citgo etwa 500.000 Barrel schweres venezolanisches Rohöl gekauft haben, das im Februar vom niederländischen Rohstoffhandelsunternehmen Trafigura geliefert wird, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.
Citgo, einst ein wichtiges Element des venezolanischen Auslandsvermögens, besitzt eine Raffineriekapazität von etwa 830.000 Barrel pro Tag und verfügt über ein Netzwerk in den USA, das auf die Verarbeitung von schwerem und säurehaltigem Öl aus Venezuela ausgelegt ist.
Das Unternehmen wurde im Zuge der Begleichung von Auslandsschulden des Landes und im Kontext der Sanktionierung der Ölwirtschaft durch US-Behörden beschlagnahmt und befindet sich im Prozess der Auktion. Der venezolanische, staatliche Konzern PDVSA besaß durch seine 100-prozentige Beteiligung an Citgo ab 1990 über 5.300 Tankstellen in rund 30 US-Bundesstaaten sowie drei Raffinerien in den USA. Der Wert dieser Vermögen wurde auf acht bis 13 Milliarden US-Dollar geschätzt (amerika21 berichtete).
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Auf seiner auf Website erklärt der Konzern, dass der Vorstand von Citgo von einem Ad-Hoc-Verwaltungsrat von PDVSA ernannt wurde, der der "Interimsregierung" untersteht und von den USA anerkannt wird. Kontrolle über die Firma Citgo hatte in den USA die Opposition um den selbsternannten Präsidenten Juan Guaidó erlangt.
Die Verwaltung von Citgo ist ein juristisches Sonderkonstrukt: Laut offizieller Website wird der Vorstand von einem Gremium ernannt, das sich als rechtmäßige Leitung des Staatskonzerns PDVSA ausgibt. Dieses Gremium untersteht jedoch direkt der venezolanischen "Interimsregierung" um den 2019 selbsternannten Präsidenten Guaidó, die zwar im Land selbst keine faktische Macht ausübt, aber von den USA weiterhin als legitime Instanz anerkannt wird. Durch diese juristische Brücke behält die Opposition die volle Entscheidungsgewalt über das Unternehmen auf US-Boden.
Der US-Hedgefonds Elliott Investment Management steht vor der Übernahme von Citgo und könnte profitieren, wenn wieder im großen Stil venezolanisches Öl in die USA geliefert wird.
Eine offizielle Stellungnahme der venezolanischen Regierung um Präsidentin Delcy Rodríguez steht noch aus. Noch im Dezember 2025 hat die Nationalversammlung die Enteignung Citgos durch die USA und die Opposition kritisiert.


