Havanna. Das Stromnetz in Kuba ist erneut in einer ernsten Lage. Seit den frühen Morgenstunden des 3. Juli steht das größte und effizienteste Kraftwerk der Insel Antonio Guiteras still. Laut dem staatlichen Stromversorger Unión Eléctrica (UNE) ereignete sich der Ausfall um 6:58 Uhr, vermutlich aufgrund eines Defekts im Wärmetauscher.
Generaldirektor Román Pérez Castañeda erklärte gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur ACN, der Kessel müsse anschließend über 48 Stunden lang auf natürlichem Wege abkühlen, ein Prozess, der länger dauere als üblich, da die Anlage nicht kontrolliert heruntergefahren werden konnte. "Nur nach dem Zugang zum Inneren der Anlage können wir die genaue Ursache des Ausfalls, das Ausmaß des Schadens und den Umfang der notwendigen Arbeiten kennen", sagte Pérez Castañeda. Reparaturteams der Empresa de Mantenimiento a Centrales Eléctricas (EMCE) sowie Fachkräfte aus verschiedenen Regionen seien bereits mobilisiert worden.
Am Abend desselben Tages verschärfte sich die Lage weiter: Ein Defekt in einem Umspannwerk in Havanna löste starke Schwankungen im Energieverbund aus und führte zum ungesteuerten Abschalten der Blöcke Renté Drei und Felton 1, zweier wichtiger Erzeuger. Wie UNE über seinen offiziellen Telegram-Kanal mitteilte, sei Block Eins der Felton inzwischen wieder am Netz und speise mit zunächst 50 Megawatt (MW) ein, mit steigender Tendenz. Zusätzlich wurden Einheiten des Wärmekraftwerks Energas Varadero zur Grundlastversorgung hinzugeschaltet. Das Unternehmen warnte jedoch, dass das Netz weiterhin mit geringer Erzeugungskapazität operiere.
Am Samstag lag das prognostizierte Defizit bei 2.080 Megawatt, mehr als die Hälfte des Bedarfs, was landesweite Stromabschaltungen von mehr als 20 Stunden zur Folge hat.
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Die Guiteras ist das einzige Kraftwerk des Landes, das mit einheimischem Rohöl über eine Ölleitung betrieben wird. Zudem liegt sie im Westen des Landes, wo der Energiebedarf am höchsten ist. Der aktuelle Ausfall reiht sich in eine Serie von Störungen in den vergangenen zwei Monaten ein. Als Grundursache gilt das Alter der Anlage: Die Guiteras ist seit 38 Jahren in Betrieb und hat bislang keine umfassende technische Überholung erhalten.
Einen partiellen Lichtblick liefert der Ausbau der Solarenergie: Seit März vergangenen Jahres wurden in Kuba mit chinesischer Hilfe 54 Solarparks errichtet. Sie erzeugten dieses Wochenende in 24 Stunden zusammen 4.618 Megawattstunden (MWh) und speisten zur Mittagszeit bis zu 718 Megawatt ins Netz ein. Dies habe laut UNE den Druck auf die thermischen Kraftwerke tagsüber spürbar gemindert. In den Abend- und Nachtstunden jedoch, wenn die Solaranlagen keinen Strom liefern, trifft das Defizit die Bevölkerung besonders hart. Zuletzt wurde vergangene Woche Kubas erster 50-Megawatt-Batteriespeicher in Betrieb genommen, der durch seine Pufferleistung die Netzstabilität erhöht.
Seit der Ende Januar durch US-Präsident Donald Trump verhängten Energieblockade hat sich die bereits zuvor schwierige Situation des Stromnetzes weiter verschärft. Neue Sanktionen erschweren den Erwerb von Brennstoff, Ersatzteilen und Technologie, die für den Betrieb und die Instandhaltung der Wärmekraftwerke notwendig sind. Zudem leidet das Stromnetz der Insel unter strukturellen Problemen durch den seit Jahrzehnten andauernden Investitionsstau.

