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01.12.2016 Kuba / Politik

"Fidel widmete sein ganzes Leben der Solidarität"

Ansprache des kubanischen Präsidenten Raúl Castro bei der Trauerfeier für seinen Bruder, den Revolutionsführer Fidel Castro, am 29. November auf dem Platz der Revolution in Havanna
Raúl Castro bei seiner Ansprache vor dem Denkmal für José Martí auf dem Platz der Revolution in Kubas Hauptstadt Havanna

Raúl Castro bei seiner Ansprache vor dem Denkmal für José Martí auf dem Platz der Revolution in Kubas Hauptstadt Havanna

Geschätzte Staats- und Regierungschefs,

Delegationsleiter,

Persönlichkeiten,

Freunde alle,

liebes Volk von Kuba:

Obwohl ich am kommenden 3. Dezember die Abschlussrede halten werde, wenn wir uns auf der Plaza de la Revolución Antonio Maceo in Santiago de Cuba versammeln, möchte ich jetzt im Namen unseres Volkes, unserer Partei und Regierung sowie der Familie aufrichtige Dankbarkeit für Ihre Anwesenheit bei diesem Akt ausdrücken, für die bewegenden Worte, die hier gesprochen wurden und auch für die zahllosen und außerordentlichen Zeichen von Solidarität, Zuneigung und Respekt, die wir in dieser Stunde des Schmerzes und der Verpflichtung aus der ganzen Welt erhalten haben.

Fidel widmete sein ganzes Leben der Solidarität und führte eine sozialistische Revolution "der einfachen Menschen, durch die einfachen Menschen und für die einfachen Menschen" an, die zu einem Symbol des Kampfes gegen Kolonialismus, Apartheid und Imperialismus, für die Emanzipation und die Würde der Völker geworden ist.

Seine mitreißenden Worte ertönen heute wieder auf diesem Platz, so wie bei der Kundgebung der Bauern zur Unterstützung der Landreform am 26. Juli 1959, die wie das Überschreiten des Rubikon war und die Verhängung der Todesstrafe gegen die Revolution auslöste. Hier bekräftigte Fidel, dass "die Landreform kommt". Und wir haben sie gemacht. Heute, 57 Jahre danach, ehren wir den, der sie entworfen und angeführt hat.

An diesem Ort stimmten wir mit ihm zusammen 1960 und 1962 für die Erste und Zweite Deklaration von Havanna. Angesichts der Aggressionen, die von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) unterstützt wurden, erklärte Fidel, dass "hinter dem Heimatland, hinter der freien Fahne, hinter der erlösenden Revolution … ein würdiges Volk steht", bereit, seine Unabhängigkeit und "die gemeinsame Bestimmung des befreiten Lateinamerika" zu verteidigen.

Ich war mit Fidel zusammen in dem Gebäude, in dem heute das Ministerium der Revolutionären Streitkräfte (Minfar) untergebracht ist, als wir die Explosion des französischen Schiffs La Coubre hörten, das die ersten und einzigen Waffen brachte, die wir in Europa kaufen konnten. Wir gingen zur Anlegestelle, um den Opfern zu helfen, denn wir wussten, dass diese Explosion nur von dem Schiff kommen konnte, von dem diese Waffen entladen wurden. Nur wenige Minuten nach unserer Ankunft gab es als tödliche Falle eine zweite Explosion. Beide zusammen verursachten 101 Tote und zahlreiche Verletzte.

Hier wurde Kuba mit ihm im Dezember 1961 zum Territorium frei vom Analphabetismus erklärt. Das geschah zum Abschluss der Alphabetisierungskampagne, zentral gestaltet von mehr als 250.000 Lehrern und Studenten, die nicht unterbrochen wurde, als im selben Jahr die Veteranen der Rebellenarmee und die entstehenden Nationalen Revolutionären Milizen in Playa Girón die Söldner bekämpften und sich in den Bergregionen den aus dem Ausland eingeschleusten bewaffneten Banden entgegenstellten, die neben vielen anderen Gewalttaten zehn junge Alphabetisierer ermordeten. In Girón siegten wir und zugleich wurde die Alphabetisierung im ganzen Land erreicht, um zu verankern, wie Fidel damals sagte, dass "die Jungen die Zukunft in ihren Händen haben."

Tief bewegt hörten wir hier auf diesem Platz im Oktober 1967 den Comandante en Jefe bei der feierlichen Veranstaltung zu Ehren des unvergesslichen Comandante Che Guevara und wir kehrten 30 Jahre später zurück, während der schwersten Phase der Spezialperiode, um uns vor seinen Überresten zu verpflichten, seinem unsterblichen Beispiel zu folgen.

Erschüttert und empört nahmen wir hier an der Trauerfeier für die 73 Personen teil, die bei der Sprengung des Flugzeugs der Cubana de Aviación in Barbados durch den Staatsterrorismus ermordet wurden, unter ihnen die jungen Goldmedaillengewinner der vierten Zentralamerikanischen und Karibischen Fechtmeisterschaft. Bei dieser Gelegenheit wiederholten wir mit ihm: "Wenn ein tatkräftiges und entschlossenes Volk weint, erzittert die Ungerechtigkeit!"

Dies ist der Platz wichtiger Demonstrationen in der Hauptstadt, wie zum 1. Mai; 1996 gegen die Blockade und das Helms-Burton-Gesetz, die noch immer in Kraft sind; 1999 die riesige Parade und im Jahr 2000 die offene Tribüne der Jugend, der Studenten und Arbeiter, wo Fidel sein Konzept der Revolution darlegte, das sich Millionen Kubaner in diesen Tagen durch ihre Unterschrift in einem Akt ehrwürdigen Willens zu eigen machen.

Dies ist der Ort, an dem wir zusammengetroffen sind, um die Beschlüsse unserer Kongresse der Kommunistischen Partei Kubas zu unterstützen.

In dem selben Geist ist das Volk, mit großer Beteiligung der Jugendlichen, in diesen Tagen hierher gekommen, um bewegende Wertschätzung zu bekunden und den Ideen und dem Werk des Comandante en Jefe der Kubanischen Revolution die Treue zu schwören.

Lieber Fidel:

Hier, am Denkmal von José Martí, dem Nationalhelden und Vordenker des Sturms auf die Moncada-Kaserne, wo wir uns mehr als ein halbes Jahrhundert lang in Momenten des außerordentlichen Schmerzes versammelt haben oder um unsere Märtyrer zu ehren, unsere Ideale zu verkünden, unsere Symbole zu ehren und das Volk über weitreichende Entscheidungen zu befragen, genau hier, wo wir unserer Siege gedachten, sagen wir dir gemeinsam mit unserem selbstlosen, kämpferischen und heldenhaften Volk: Immer bis zum Sieg!

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