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13.03.2012 Bolivien / Österreich / Politik

Boliviens Präsident Morales kämpft in Wien für Koka

Reden vor UNO-Delegierten und an der Universität. Viel Applaus von Studenten bei Kapitalismuskritik
Evo Morales mit Produkten aus Koka in Wien.

Evo Morales mit Produkten aus Koka in Wien.

Quelle: ABI / Daniel Caballero

Wien. Boliviens Präsident Evo Morales hat in Wien erneut für die Legalisierung des Koka-Blattes geworben. Er sprach am gestrigen Montag zu Beginn der Konferenz des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vor Vertretern der 120 Teilnehmerstaaten. Dabei stellte er auch die Erfolge seines Landes bei der Bekämpfung der Kokainherstellung heraus. Im Jahr 2011 habe Bolivien 27 Tonnen Kokapaste und 5,1 Tonnen Hydrochloride beschlagnahmt. Zudem seien Labore und illegale Anbauplantagen zerstört worden.

"In Bolivien gibt es keine freie Kultivierung von Koka, aber es kann auch nicht keine Kultivierung geben", sagte Morales mit Bezug auf den Versuch seines Landes, das Kokakauen wieder zu legalisieren. Es sei ein historischer Irrtum gewesen, dass Bolivien im Jahr 1976 unter einer De-facto-Regierung das UNO-Betäubungsmittelabkommen von 1961 unterzeichnet habe. Er stehe vor den Delegierten mit einem Mandat des bolivianischen Volkes, um die Verfassung und das Recht auf Kokakauen zu verteidigen. Morales stellte zudem einige Koka-Produkte vor (Tee, Marmelade, Koka-Likör). Das Blatt sei "Teil unseres nationalen Erbes und in seiner natürlichen Form nicht gefährlich". Deswegen habe sein Land die Unterzeichnung unter dem Abkommen vorrübergehend widerrufen.

Der Leiter des UNO-Büros, Juri Fedotow, sagte in seiner Rede, dass es keine Verminderung des Drogenangebots ohne Vermindung der Nachfrage geben könne und holte damit die Länder der Hauptabnehmer mit ins Boot. Auf diese Verantwortung wies auch Morales in seiner Rede hin. Er bat die Unterzeichnerstaaten des Abkommens von 1961, sein Land technisch beispielsweise mit Hubschraubern bei der Umsetzung der Zerstörung illegaler Plantagen zu unterstützen.

Morales hatte bei seinem Besuch in Wien ein dicht gedrängtes Programm. So traf er am Nachmittag sich in der Wiener Hofburg mit Österreichs Bundespräsidenten Heinz Fischer. Auf einer Pressekonferenz verteidigte er unter anderem das Nein seines Landes zur Syrien-Resolution in der UNO-Vollversammlung. Bei dem Konflikt in Syrien handele es sich um eine interne Angelegenheit, wird er von österreichischen Medien zitiert. Außerdem wies er die Kritik am Umgang seiner Regierung mit den Medien in Bolivien zurück. Sein Land habe teilweise eine übertriebene Pressefreiheit, aber die Regierung toleriere, dass man ihn als Dämonen und Mörder darstelle.

Der bolivianische Präsident nahm sich aber auch die Zeit, um vor Wiener Studenten zu sprechen. In einem mit mehr als 500 Besuchern gut gefüllten Hörsaal der Universität Wien stellte er seine Präsidentschaft bei dem auch im Internet übertragenen Vortrag in einen größeren Rahmen. Er sprach von den 500 Jahren indigenen Widerstands gegen die Kolonisatoren, aus der die Bewegung erwachsen sei, die ihm zur Präsidentschaft verholfen hat. Den meisten Applaus erhielt er für seine Kritik am Kapitalismus. Er sei keine Lösung für die Menschheit und die zukünftigen Generationen. Der große Andrang und der Applaus gerade an dieser Stelle zeige, dass das Interesse an Bolivien und der konkreten Alternativen in Lateinamerika immer mehr an Bedeutung gewinne, sagte Federico Mahrer von der Solidaritätsorganisation ALBA-Austria gegenüber amerika21.de. Gemeinsam mit dem Institut für Internationale Entwicklung hatte die Organisation den öffentlichen Vortrag organisiert.

Morales stellte vor den Studenten vier zentrale Punkte seines Zukunftsprogramms vor. So dürften die Bodenschätze nicht privatisiert werden und die Grundversorgung mit dem Lebensnotwendigen müsse für alle Menschen garantiert sein. Außerdem müsse die Pacha Mama, die Mutter Erde, geschützt werden, da die Erde sehr gut ohne die Menschen, die Menschen aber nicht ohne die Erde auskämen. Schließlich gehe es darum, dass Politik nichts gewinnbringendes für die Politiker sein dürfe, sondern die Politiker müssten für die nächsten Generationen arbeiten und ihren Verpflichtungen für das Volk nachkommen. Ihm selbst fällt dies manchmal schwer, stellte Morales fest, denn zwar wird der Prozess in seinem Land weitergehen und bisher ist es ihm leicht gefallen, Wahlen zu gewinnen. "Es ist aber nicht leicht, in unserem Land die Gleichberechtigung aller zu erreichen."

Am Abend war Morales zudem Gast der Diplomatischen Akademie Wien, wo sein Vortrag zur aktuellen Lage Boliviens in der Welt ebenfalls gut besucht war. Zum Abschluss seines eintägigen Besuchs in der österreichischen Hauptstadt traf er schließlich mit einer bolivianischen Auswahl gegen einige namhafte ehemalige österreichische Nationalspieler an.

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